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Initiative in Rotterdam - Komplett rauchfreies Stadtviertel gefordert

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Bisher ist es nur eine Idee - und doch wird schon vortrefflich darüber gestritten: In Rotterdam soll das erste rauchfreie Stadtviertel Europas entstehen.

Zigarettenraucherin - Typical
"Rauchen soll nicht mehr normal sein" - so das Ziel der Initiatoren des rauchfreien Stadtviertels. Quelle: dpa

In einem Brief an den Bürgermeister fordern das Erasmus-Krankenhaus, ein Gymnasium und die Hochschule ein rauchfreies Stadtviertel. 30.000 Leute könnte man so vom Rauchen abhalten, argumentieren die Initiatoren. Unabhängig voneinander haben die Einrichtungen das Rauchen auf ihren Geländen verboten. Aber damit haben sie die Raucher auf die Straße gedrängt. Dort gibt es nun umso mehr Qualm und Kippen.

"Das ist doch Wahnsinn"

Wijnand van den Brink ist Vizedirektor der Hochschule Rotterdam. Geduldig erklärt er, wie es zu der Initiative kam: Rotterdam hat die Vision, eine rauchfreie Generation großzuziehen und die Hochschule hatte beschlossen, aktiv mitzumachen. "Das ist typisch Rotterdam: nicht Worte, sondern Taten", sagt van den Brink stolz. Krankenhaus und Gymnasium hatten die gleiche Idee. Schnell wurde das gemeinsame Projekt geboren. "Wir müssen das Rauchen Entnormalisieren. Natürlich ist es nervig für süchtige Raucher. Aber am Ende sollten alle verstehen: Rauchen ist schlecht für uns, es kann andere Menschen belästigen. Also lassen wir es besser sein", sagt van den Brink. 

Das Projekt ist nicht unumstritten, steht doch das Interesse der Einrichtungen gegen die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen. Vor dem Krankhaus schimpft Angelique Seeger mit Zigarette in der Hand: "Das ist doch Wahnsinn, du bist draußen an der frischen Luft - da muss man doch rauchen können." Vor der Hochschule motiviert sich Woulter Wolfs ohne Zigarette: "Ich bin selbst Gelegenheitsraucher und will eigentlich ganz damit aufhören. Darum finde ich es eine sehr passende Aktion."

Städte setzen auf Vernunft statt Verbot

In der Amsterdamer Bewerwijkstraat versucht seit Januar eine Initiative, rund um ein Gesundheitszentrum eine raucherfreie Straße zu schaffen. Doch wer raucht, wird nicht bestraft, darum lässt das Resultat zu wünschen übrig. Trotzdem sehen es die Initiatoren als Erfolg. "Es wird drüber geredet", sagt Ilona Statius Muller, Hausärztin in Amsterdam und eine der Initiatoren. "Jetzt beginnt man auch in Rotterdam damit. Und so werden es immer mehr Menschen, die von sich aus sagen: Wir wollen das verändern."   

Verbotsschilder gibt es weder in Amsterdam noch in Rotterdam. Man setzt auf Vernunft statt Verbot und auf Motivation statt Strafe. "Vor 20 Jahren, als die Dozenten noch im Unterricht rauchten, wurde gesagt, das kann man niemals verbieten", sagt van den Brink. "Heute weiß zwar niemand mehr, was die Strafe ist, wenn du dir drinnen eine Zigarette anzündest, aber trotzdem macht es niemand. Genau das wollen wir erreichen: Rauchen soll nicht mehr normal sein." 

In den nächsten Wochen will der Rotterdamer Stadtrat entscheiden, ob das Nichtraucherprojekt an den Start gehen darf.

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