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In Mosambik droht ein neuer Bürgerkrieg

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Islamistischer Terror - In Mosambik droht ein neuer Bürgerkrieg

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Im rohstoffreichen Norden Mosambiks spitzt sich die Gewalt zwischen Islamisten und Regierungstruppen zu. Schon seit 2017 überfallen Aufständische dort Dörfer und töten Menschen.

Archiv: Al-Shabaab verübt immer wieder Anschläge in Somalia.
Al-Shabaab-Anschag in Somalia (Archivbild)
Quelle: dpa

Mindestens 52 Tote, erschossen oder enthauptet im Dorf Xitaxi im Norden Mosambiks, bei einem Massaker Anfang April. Die Täter: radikal-islamistische Aufständische. Das Massaker, das erst vor kurzem bekannt wurde, war eines der brutalsten in dem seit Oktober 2017 schwelenden Konflikt in der Provinz Cabo Delgado.

"Al Shabaab" fasst Fuß

Die mosambikanische Regierung, die bisher keine klare Aussage zu den Aufständischen machte, hat danach erstmals von einer Beteiligung des Islamischen Staates (IS) gesprochen. Denn der IS hatte in der Vergangenheit immer wieder eine Verbindung nach Mosambik für sich beansprucht - wie die Beziehungen tatsächlich aussehen, bleibt unklar.

Klar ist aber: Der April dieses Jahres ist nach Angaben der NGO ACLED (Armed Conflict Location & Event Data Project) der Monat mit den meisten Todesopfern in dem Konflikt, in dem schon über 1.000 Menschen gestorben sind.

Im überwiegend muslimischen Nordmosambik sind die Aufständischen unter dem Namen "Al Shabaab" bekannt. Die Gruppe ist laut einer Studie des mosambikanischen Forschungsinstituts für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (IESE) als radikal-religiöse Bewegung entstanden und hat sich seit Ende 2014 schrittweise politisiert und militarisiert.

Kampf um Erdgas und Rubine

Der Wissenschaftler Joseph Hanlon, der sich seit vielen Jahren mit Mosambik beschäftigt, spricht von einem neuen Bürgerkrieg in Cabo Delgado. "Es geht um einen gewaltsamen Konflikt zwischen zwei Gruppen im selben Land und oft wird in der Forschung die Schwelle von 1.000 Todesopfern genannt." All das sei in Mosambik gegeben, erklärt Hanlon.

Im Mittelpunkt des Streites stünde vor allem die ungleiche Verteilung des Reichtums, meint er. Mosambik, das erst 1975 von Portugal unabhängig wurde, zählt zu den ärmsten Ländern der Erde - trotz reicher Vorkommen an Erdgas und Rubinen.

Islamismus als Label

Der Islamismus ist nach Hanlons Einschätzung eher ein Mittel, um außerhalb Mosambiks Geld und Kämpfer einzuwerben. Mit einer fundamentalistischen Auslegung muslimischer Lehren wollten sich die Aufständischen außerdem von den lokalen Eliten absetzen - diese sind ebenfalls seit Jahrhunderten vor allem muslimisch geprägt.

Und die Eliten wiederum sind politisch an der regierenden Frelimo orientiert, die seit der Unabhängigkeit 1975 kontinuierlich ihren Machtanspruch durchgesetzt hat.

Welche Rolle aber die innenpolitische Dimension Mosambiks in dem Konflikt spielt, ist schwierig zu beurteilen: So beschuldigt die Oppositionspartei Renamo die von der Frelimo-Regierung entsandten Soldaten Anfang April vor der Insel Ibo Parteimitglieder ermordet zu haben. Augenzeugen unterstützten im Gespräch mit dem Nachrichtenportal Zitamar diese Sicht der Dinge - andere Quellen sprechen von einem Unfall.

Hochangespannte Lage

Gesicherte Informationen sind in dem sich tagtäglich entwickelnden Konflikt schwierig zu bekommen. Journalisten, die in Cabo Delgado recherchieren, werden immer wieder verhaftet. Die Gewalt in Cabo Delgado breitet sich nach Meinung von Forscher Hanlon gerade aus.

Ob die Corona-Krise den Aufständischen dabei in die Hände spielt, ist schwer abzusehen. Bisher gibt es etwa 80 bestätigte Fälle und laut Hanlon wird viel davon abhängen, ob die Pandemie sich in dem weitflächigen Land ausbreiten kann. Noch gebe es keine Meldungen darüber, dass Aufständische dort als Helfer auftreten, wo der Staat fehlt.

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