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Konflikt um Pressefreiheit, Meinung und Kunst

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Chronologie - Konflikt um Pressefreiheit, Meinung und Kunst

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Der "Charlie Hebdo"-Anschlag war eine Zäsur im Konflikt zwischen islamischer und christlicher Welt. Ein Überblick von Rushdies "Satanischen Versen" bis zum Grande-Konzert 2017.

Das Cover des Comicromans "Wir waren Charlie".
Das Cover des Comicromans "Wir waren Charlie".
Quelle: DPA
  • 1988: Der britisch-indische Schriftsteller Salman Rushdie veröffentlicht sein Buch "Die satanischen Verse". In dem teilweise vom Leben Mohammeds inspirierten Roman hatte sich Rushdie auf eine islamische Überlieferung bezogen, wonach der Prophet in einem Moment nicht zwischen der Offenbarung Gottes und der Einflüsterung des Teufels unterscheiden konnte.
  • 1989: Der iranische Religionsführer Ayatollah Khomeini verurteilt Rushdie mit einer Fatwa zum Tode. Begründet wird der islamische Richtspruch damit, dass das Buch "gegen den Islam, den Propheten und den Koran" gerichtet sei.
Ein älterer Mann mit Brille, grauem Haar und Bart im nadelstreifen Anzug vor dunklem Hintergrund.
Sein Buch erzürnte die islamische Welt: Salman Rushdie.
Quelle: ap
  • November 2004: Der niederländische Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo von Gogh wird von einem niederländisch-marokkanischen Islamisten ermordet. Er begründet die Gewalttat vor allem mit van Goghs Film "Unterwerfung"; dieser handelt von vier islamischen Frauen, die über ihre Missbrauchserfahrungen sprechen.
  • September 2005: Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" veröffentlicht zwölf Mohammed-Karikaturen. Mit dem Bruch des islamischen Abbildungsverbots will sie das Recht auf Meinungsfreiheit demonstrieren. Zwei der Zeichner müssen nach Morddrohungen untertauchen.
  • Oktober 2005: Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen stellt sich auf die Seite der Zeitung und weist die Bitte um ein Gespräch von Botschaftern aus elf islamischen Ländern ab.
Demonstrationen vor der dänischen Botschaft in Damaskus (Januar 2006)
Die Wut entlädt sich: Demonstrationen vor der dänischen Botschaft in Damaskus im Januar 2006.
Quelle: Reuters
  • November/Dezember 2005: Eine Delegation dänischer Imame reist durch mehrere islamische Länder, um auf die Situation in Dänemark aufmerksam zu machen.
  • Januar 2006: Norwegens "Magazinet" druckt die Karikaturen nach; später folgen Zeitungen anderer Länder, darunter auch deutsche. "Jyllands-Posten" entschuldigt sich für die Kränkung religiöser Gefühle. In islamischen Ländern kommt es zu gewaltsamen Protesten.
  • September 2006: In einem Vortrag an der Universität Regensburg zitiert Papst Benedikt XVI. eine Aussage zur Rolle der Gewalt im Islam, die der byzantinische Kaiser Manuel II. Palaiologos (1350 bis 1425) während der Unterhaltung mit einem persischen Gelehrten machte. Die Rede führt zu heftigen Protesten in der muslimischen Welt.
  • September 2006: Eine Inszenierung von Mozarts Oper "Idomeneo" an der Deutschen Oper in Berlin wird aus Angst vor "gewalttätigen Aktionen" abgesetzt. In der Schlussszene waren die abgeschlagenen Köpfe von Mohammed, Jesus, Buddha und Poseidon präsentiert worden. Nach Kritik aus Kultur und Politik wird die Inszenierung im Dezember wieder aufgeführt.
Dänische Zeitungen mit Mohammed-Karikaturen
Die Message: "Wir lassen uns nicht drohen": Dänische Zeitungen mit den umstrittenen Mohammed-Karikaturen.
Quelle: dpa
  • Februar 2008: Die dänischen Sicherheitsbehörden decken Mordpläne gegen den Karikaturisten Kurt Westergaard auf. Als Reaktion darauf drucken dänische Zeitungen erneut dessen Karikaturen ab.
  • Januar 2010: Westergaard entgeht nur knapp dem Anschlag eines mutmaßlichen Islamisten. Er kann sich rechtzeitig in einen speziell gesicherten Raum retten und von dort die Polizei alarmieren.
Kurt Westergaard und Katty Salié
Karrikaturist Kurt Westergaard (hier mit der ZDF-Moderatorin Katty Salie) musste um sein Leben bangen.
Quelle: ZDF
  • Januar 2015: Bei einem Anschlag auf das Pariser Redaktionsbüro der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" werden zwölf Menschen erschossen, darunter fünf Karikaturisten. Zwei Tage danach überfällt ein weiterer Attentäter einen jüdischen Supermarkt, tötet vier Menschen und nimmt weitere als Geiseln.
Anklage gegen Verdächtige nach Charlie-Hebdo-Anschlag. Archivbild
In vielen Ländern der Welt solidarisieren sich die Menschen mit den Opfern des Anschlags auf die Satire-Redaktion. Ihr Motto: "Je suis Charlie" - "Ich bin Charlie".
Quelle: Fred Scheiber/EPA/dpa
  • Februar 2015: Bei einem Anschlag auf ein Kulturcafe und eine Synagoge in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen sterben zwei Menschen, weitere werden verletzt. Am Tag danach wird der größte norddeutsche Karnevalszug in Braunschweig wegen Hinweisen auf mögliche Terroranschläge abgesagt.
  • Mai 2015: Zwei Männer feuern auf ein Gemeindezentrum im US-Bundesstaat Texas, in dem Mohammed-Karikaturen ausgestellt werden. Die islamfeindliche American Freedom Defense Initiative hatte zu einem Mohammed-Karikaturenwettbewerb eingeladen. Sicherheitskräfte erschießen beide Attentäter.
Anschläge in Paris am 13. November 2015
Die Anschläge vom 13. November 2015 haben Paris tief verwundet.
Quelle: ap
  • November 2015: Schwer bewaffnete Angreifer stürmen die Konzerthalle "Bataclan" in Paris. Dort sterben mindestens 89 Menschen. Insgesamt kommen an dem Abend 130 Menschen in der französischen Hauptstadt ums Leben, über 680 werden verletzt. Im "Bataclan" war zu dem Zeitpunkt die Band Eagles of Death Metal aufgetreten. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bezeichnete das Konzert als Versammlung "Hunderter Götzendiener in einer perversen Feier".
  • Mai 2017: Kurz nach dem Ende eines Konzerts der US-Sängerin Ariana Grande detoniert ein Sprengsatz in der Manchester Arena. 23 Menschen sterben bei dem Anschlag in der nordenglischen Stadt. Der IS spricht im Hinblick auf die Veranstaltung von einem "schamlosen Konzertsaal" und einer "Versammlung von Kreuzfahrern". Grande erklärt wenige Stunden nach der Tat, ihr Herz sei gebrochen. Die jüngste Tote ist acht Jahre alt.
Gedenken an die Opfer des Anschlags in Manchester
Kerzen für die Opfer von Manchester.
Quelle: dpa
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