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Konkurrenz für die Bahn - Der Flixtrain kommt

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Das Unternehmen ist gerade erst fünf Jahre alt geworden - aber schon enorm erfolgreich. Jetzt will Flixbus der Bahn nicht nur mit Bussen, sondern auch mit Zügen Konkurrenz machen.

Flixbus baut sein Fernreise-Angebot auf Schienen unter dem Namen Flixtrain aus. Das könnte echte Konkurrenz für die Deutsche Bahn bedeuten, schätzt ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller.

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Flixtrain nennen die Gründer von Flixbus ihr neues Angebot. Die Züge - grün wie die Fernbusse - werden vom 24. März an eingesetzt, dann soll die Strecke zwischen Hamburg und Köln über Düsseldorf und Essen bedient werden - zweimal täglich. Im April kommt die Strecke Stuttgart - Berlin über Hannover und Frankfurt hinzu, auf der zunächst zwei Züge verkehren, ab Sommer sollen es dann vier werden.

Beobachter hatten schon länger darauf gewartet, dass Flixbus diesen Schritt geht. Denn im August hatte das Unternehmen den damals insolventen Zugbetreiber Locomore übernommen, der auf der Strecke zwischen Stuttgart und Berlin verkehrte. Seit August fährt das tschechische Unternehmen LeoExpress auf dieser Strecke - allerdings bisher nur zwischen Donnerstag und Montag, ab Mitte April dann täglich. Diese Verbindung haben seit August 150.000 Fahrgäste genutzt.

Zur Weihnachtszeit schließlich hatte Flixbus für zwei Wochen auf der Strecke Hamburg - Köln einen Zug eingesetzt, den früheren Hamburg-Köln-Express (HKX). Betrieben wird diese Strecke vom Nürnberger Unternehmen BahnTouristikExpress. Die gesammelten Erfahrungen waren für die Flixbus-Betreiber offenbar ermutigend genug, nun ihr Zugangebot auszubauen. Denn die Crux bei Zügen - anders als bei Bussen: Es müssen viel mehr Sitzplätze gefüllt werden. Unter 500 bis 1.000 Passagieren lohne sich der Betrieb eines Zuges nicht, sagte Flixbus-Chef André Schwämmlein der Funke-Mediengruppe.

Rasches Wachstum auf der Schiene schwierig

Der Vertrieb aber war der wesentliche Grund für das Scheitern von Locomore und HKX. Vertrieb aber kann Flixbus, dieses System soll übertragen werden. Wie auch bei den Fernbussen plant Flixtrain nur die Strecken, vertreibt die Tickets und übernimmt die Abrechnung. Und es achtet auf die Qualitätsstandards. Mit diesem Modell hatten die Flixbus-Gründer es in den letzten fünf Jahren schon geschafft, fast zum Monopolisten aufzusteigen: Das Unternehmen hat mittlerweile einen Marktanteil von 90 Prozent und macht der Bahn innerhalb Deutschlands so schon große Konkurrenz.

Auf der Schiene dürfte das in der Form nicht gehen, denn hier ist Flixtrain auf die Trassen angewiesen, die sie bei der DB Netz beantragen muss. DB Netz ist ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, das in Deutschland die Rechte für die Nutzung des Schienennetzes vergibt. "Wir wollen Flixtrain langfristig als Angebot neben dem ICE- und Intercity-Verkehr der Deutschen Bahn etablieren", sagte Schwämmlein der Wirtschaftswoche. Doch der Ausbau dürfte wegen der längeren Antragsfristen auf die Trassen länger dauern - und man werde sich zunächst auf Deutschland beschränken. Grenzüberschreitender Verkehr sei wegen der unterschiedlichen Systeme sehr kompliziert, da setze man lieber auf den Bus, hatte der Flixbus-Chef der Funke-Mediengruppe erklärt.

9,99 Euro für die einfache Strecke

Flixtrain geht aber aggressiv an die Arbeit: Zum Einstieg lockt der Anbieter seine Kunden mit einem Schnäppchenpreis ab 9,99 Euro für die einfache Strecke. Wie viele solcher Billigtickets angeboten werden, ist noch nicht bekannt. Mittelfristig sollen die Preise für Frühbucher aber etwas steigen, allerdings unter denen der Deutschen Bahn bleiben. Schwämmlein erhofft sich schnell Zuspruch für die Züge, mit denen man ein anderes Publikum anspreche als mit den Fernbussen. Die grünen Flixtrain-Züge seien nicht so viel langsamer wie ein ICE der Deutschen Bahn, aber eben günstiger. Die ersten Angebote sollten eigentlich keine Panik im Bahntower auslösen, beruhigte der Flixbus-Chef die etablierte Konkurrenz. Die gibt sich noch ruhig: "Wir begrüßen weiteren Wettbewerb im Fernverkehr", sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Man habe den gesamten Markt im Blick und beobachte die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit.

Für das laufende Jahr möchte Flixtrain eine halbe Million Passagiere befördern. Auch wenn der Newcomer zunächst mit drei Zügen startet - die Deutsche Bahn betreibt allein 280 ICE-Züge -, dürfte der Marktführer den Einstieg von Flixbus in den Markt schon ernstnehmen. Denn die Züge werden in das bestehende Fernbusnetz integriert. Und Flixbus hat finanzstarke Partner für sich gewinnen können - General Atlantic etwa, Holtzbrinck Ventures und auch Daimler.

Mit Service-Angeboten wie kostenfreiem W-LAN an Bord der Fernbusse hat Flixbus den Standard erhöht und gerade jüngere Kundschaft an sich gezogen. Um mehr Kunden zu gewinnen, sollen künftig in den Bussen etwa Sitzplatzreservierungen für besonders begehrte Plätze eingeführt werden. Außerdem arbeite man an der Einführung eines Unterhaltungsprogramms, in dem die Kunden kostenlos Filme auswählen können. In diesem Bereich hätte die Deutsche Bahn noch einiges nachzuholen.

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