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Kontowechsel wird populärer - Das Ende der Hausbank?

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Die Beziehung zur Hausbank - ein Bund fürs Leben? Das war lange Jahre bei den meisten Deutschen so: Sie blieben ihrer Bank treu. Doch weil die Geldhäuser immer stärker an der Gebührenschraube drehen, sind inzwischen immer mehr Kunden bereit, den Wechsel zu einer anderen Bank zu wagen.

Das Wechsel von einer Bank zur anderen geht inzwischen einfacher als früher: Seit Mitte September des vergangenen Jahres gilt ein entsprechendes Gesetz, das die Banken verpflichtet, ihren neu gewonnenen Kunden bei der Umstellung von Daueraufträgen, Lastschriften und Überweisungen zu helfen.

Das gilt für alle Banken innerhalb Deutschlands. Und das nutzen offenbar immer mehr Kunden. Der Anteil derjenigen, die innerhalb eines Jahres ihre Bankverbindung gewechselt haben, habe sich fast verdoppelt und liege inzwischen bei zehn Prozent, hat eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsunternehmens YouGov ergeben. Acht Prozent planen demnach einen Wechsel innerhalb der nächsten zwölf Monate, weitere 16 Prozent sind noch unentschlossen, könnten sich aber einen Wechsel innerhalb dieses Zeitraums ebenfalls vorstellen.

"Zeit der kostenlosen Girokonten ist vorbei"

Hauptgrund dabei sind für die Hälfte der Wechsler die Gebühren für das Girokonto. Dabei versuchen die Bankenlobbyisten ihre Kunden seit geraumer Zeit darauf vorzubereiten: "Die Zeit der kostenlosen Girokonten ist vorbei", hatte etwa Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes schon vor einem Jahr argumentiert. Auch Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, meint, die Zeiten einer Kostenloskultur seien vorbei.

Allerdings wollen das offenbar nicht alle Kunden einsehen: Die Zahlen jedenfalls sprechen für sich. Beispiel Postbank: Als die im vergangenen Jahr Gebühren eingeführt hatte, sank die Zahl ihrer Girokonten um 200.000 auf 5,05 Millionen. Viele dieser Kunden dürften zu einer Direktbank gewechselt haben - der Anteil derjenigen, die ihre Hauptbankverbindung bei einem Institut ohne Filialen haben, ist nämlich um drei Prozentpunkte auf 13 Prozent gestiegen. Die Marktanteile verschieben sich also. Neuen Schub dürften die Wechselwilligen zurzeit dadurch bekommen, dass viele Banken eine Gebühr fürs Geldabheben sogar am eigenen Automaten verlangen.

Schrumpfende Erträge wegen Niedrigzinsphase

Die Banken haben sich den Unmut der Kunden selbst eingebrockt, weil sie vor etwa zwei Jahrzehnten aus Wettbewerbsgründen die Gebühren für viele Dienstleistungen abgeschafft hatten. In der Niedrigzinsphase schrumpfen dann aber die Erträge, und das möchten die Institute zumindest über Gebühren zum Teil ausgleichen. Doch der Wettbewerb ist immer noch hart, deswegen bieten sich den Kunden andere Möglichkeiten. Sie werden gelockt mit Startguthaben, kostenlosen Kreditkarten oder Gutscheinen.

Hinzu kommt, dass im Zeitalter der Digitalisierung eine Veränderung leichter fällt. Denn der persönliche Draht zum Bankberater ist vielen offenbar nicht mehr so wichtig: "Man kann wohl kaum vom Wechsel der 'Hausbank’ sprechen", meint deshalb Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim. "Hausbank - das bedeutet, dass das Institut eine Beziehung zum Kunden aufgebaut hat, dass es weiß, welche Dienstleistungen es ihm anbieten kann. Und umgekehrt hat der Kunde auch bestimmte Erwartungen an die Bank."

Doch das gelte nicht mehr uneingeschränkt. Denn viele Verbraucher sind mit einem Standardangebot zufrieden: "Komplexe Bankprodukte wollen viele Kunden gar nicht mehr", sagt Burghof. Ein Umstand, den sich Direktbanken wie die ING-Diba zunutze machen, die mit wenigen einfachen Produkten die wesentlichen Bedürfnisse ihrer Kunden zu befriedigen suchen. Und damit offenbar auch gut fahren: Jährlich berichtet das Institut von neuen Kunden, 8,8 Millionen und damit drei Prozent mehr als 2015 waren es zuletzt.

Beratungsangebot geschrumpft

Hinzu kommt, dass auch viele traditionelle Banken ihr Angebot eingeschränkt haben. "Komplexe Bankprodukte bieten viele gar nicht mehr an - wegen der Regulierungsauflagen sind die Rechtsrisiken zu hoch geworden", erklärt Bankenexperte Burghof. Berater können wegen Fehlberatung schneller in die Haftung genommen werden. Das ist aus Kundensicht zu begrüßen. Doch die Geldhäuser entziehen sich diesen möglichen Risiken, indem sie weniger beratungsbedürftige Produkte anbieten.

Veränderungen sind also deutlich spürbar. Allerdings sind vier Fünftel der Kunden immer noch nicht zu einem Bankenwechsel bereit. Viele schätzen auch noch den Besuch in ihrer Filiale, und das macht sich etwa die Commerzbank zunutze. Eine Million neue Kunden hat sie innerhalb von vier Jahren netto gewonnen - und Commerzbank-Chef Martin Zielke möchte bis 2020 weitere zwei Millionen von seiner Bank überzeugen. "Marktanteile, die seit Jahrzehnten wie fest zementiert erschienen, geraten in Bewegung", sagte er im Herbst bei der Vorstellung seiner Strategie.

Die Filiale bleibt gefragt

Tatsächlich wollen viele Menschen ihre Bankgeschäfte nicht nur online erledigen, sondern bei Bedarf auch ihre Filiale aufsuchen können. Vor Online-Banking scheuten sich gerade viele ältere Menschen, sagt Bernd Nolte, Sparkassenexperte der Bankenberatung 4P Consulting. Sie vertrauten bei Überweisungen den Angestellten einer Filiale einfach mehr als dem Netz. "Selbst bei Barabhebungen ziehen viele Ältere eine persönliche Auszahlung an der Kasse einer Automatenabhebung vor." Auch für diese Kunden müssen die Banken also Lösungen anbieten.

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