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Autonome Fahrräder, Mini-Busse - Diese Konzepte könnten das Auto aus der Stadt vertreiben

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Blechlawinen wälzen sich durch die Straßen. Schadstoffe und Lärm machen krank. Treibhausgase heizen das Klima an. Neue Konzepte sollen das Auto bald aus der Stadt verbannen.

Autonom fahrender Kleinbus Emily auf einem Berliner Campus
Kann autonom fahren: Der Kleinbus Emily - hier auf einem Berliner Campus. Experten schätzen, dass drei Mini-Busse 100 Pkw ersetzen können.
Quelle: ZDF

Das Dreirad fährt über das Magdeburger Hafengelände - allein, ohne Fahrer. Es dreht seine Kreise, zuckelt bei Höchst-Tempo 25 gemächlich vor sich hin - wie von Geisterhand gesteuert. Noch fährt das autonome E-Bike auf einem Testgelände. "Es ist schon so, dass wir mit dem autonomen Fahrrad das Stadtbild in Zukunft ein stückweit revolutionieren wollen", sagt Stephan Schmidt von der Universität Magdeburg. Er möchte mit seinem Projekt den Verkehr verbessern, Autofahrten ersetzen oder gleich das Auto ganz überflüssig machen.

Es ist schon so, dass wir mit dem autonomen Fahrrad das Stadtbild in Zukunft ein stückweit revolutionieren wollen.
Stephan Schmidt, Universität Magdeburg

E-Bike kommt auf Abruf

Wer zum Beispiel noch in der S-Bahn sitzt oder von zu Hause aus eine Fahrt braucht, soll per App das Fahrrad zu sich rufen, um dann einfach aufzusteigen und loszufahren: zum Einkaufen, zum Bahnhof - oder um seine Kinder von der Kita abzuholen. Gibt es eine Lücke im Bus- oder Bahnfahrplan, wäre das E-Bike ebenso parat. Gerade als Unterstützung des öffentlichen Systems ist der Einsatz denkbar, etwa in Stadtrandlagen, wo das Verkehrsnetz nicht so dicht ist wie in Innenstädten. Anders als beim autonomen Auto fährt das autonome Bike direkt am Stau vorbei, muss keine Umwege in Kauf nehmen.

Wird das Dreirad nicht mehr gebraucht, wird es per App "entlassen" - dann macht es sich von allein auf den Weg zum nächsten Kunden oder zurück in die Zentrale direkt in die Ladestation. Laserscanner, Kameras und Sensoren im Fahrrad sorgen für Orientierung, per GPS wird das Fahrrad geroutet. Schon in wenigen Jahren soll es in Verkehr gebracht werden - als Personen- oder Lastentransport auf Werks- oder Universitätsgeländen und im öffentlichen Verkehr. So soll ein solcher Fahrrad-Roboter, vorsichtig geschätzt, bis zu sechs Fahrten pro Tag erledigen - alles Touren, die viele Nutzer vorher eventuell mit dem Auto erledigt haben.

Billigparkland Deutschland

Ein Parkplatz frisst so viel Raum wie das Kinderzimmer meines Sohnes.
Lehrer Florian Fleischmann, "Initiative autofreier Wrangelkiez" in Berlin

Immer mehr Menschen wollen weniger Auto fahren oder gar kein Auto mehr besitzen. "Ein Parkplatz frisst so viel Raum wie das Kinderzimmer meines Sohnes", meint Lehrer Florian Fleischmann von der Initiative autofreier Wrangelkiez in Berlin. In seinem Stadtviertel ist fast täglich Stau. Platz in der Innenstadt ist rar und trotzdem parken viele Autofahrer noch wie selbstverständlich im öffentlichen Raum, auf Busspuren, stellen Kreuzungen zu. Deutschland ist Billigparkland. Ein Strafzettel ist nur unwesentlich teurer als so mancher Parkschein. Mobilitätsexperte Stephan Rammler meint: "Die Form der Automobilität, wie wir sie am Beginn des 20. Jahrhunderts geschaffen haben, unter ganz anderen Rahmenbedingungen, die ist heute obsolet geworden und nicht mehr funktional."

planet e. spricht im Interview mit Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA), über die Zukunft der Mobilität.

Beitragslänge:
4 min
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7.200 Kilometer - so lang wäre die Strecke, würden alle Autos allein aus Berlin hintereinander geparkt.
Uta Bauer, Deutsches Institut für Urbanistik

Das Deutsche Institut für Urbanistik (DlfU) beschäftigt sich mit der Parkraumproblematik in Berlin. Geografin Uta Bauer hat hochgerechnet: "7.200 Kilometer - so lang wäre die Strecke, würden alle Autos allein aus Berlin hintereinander geparkt. Das entspricht der Entfernung von Stockholm bis Lissabon - hin und zurück." Dabei machen besonders die SUVs Probleme: Sie benötigen noch mal 10 bis 20 Zentimeter mehr Platz in der Breite als ein normaler Wagen. Folglich werden gerade diese Platzfresser auf der Straße abgestellt, da viele Modelle gar nicht mehr ins Parkhaus passen. Auf der Straße geparkt verengen sie wiederum die Fahrbahn und verschärfen den Parksuchverkehr.

Mini-Busse statt Pkw

Immer mehr Apps, die Shuttle-Services anbieten, wollen Fahrten bündeln und so den Verkehr reduzieren. Sie ermöglichen Nutzern, individuelle Ziele anzufahren, und verbinden Ziele gleicher Richtung anderer Fahrgäste, die sich dann gemeinsam eine Fahrt im Shuttlebus mit sechs oder sieben Sitzen teilen. Die Kosten liegen zwischen Taxipreis und Busticket. Je mehr mitfahren, desto günstiger wird die Tour. Algorithmen der App berechnen die Strecken, die am besten zusammen passen. 

planet e. spricht mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer über die Zukunft der Mobilität.

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3 min
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100 Pkws können durch drei Minibusse ersetzt werden, weil diese geteilt werden und nie parken.
Tom Kirschbaum, Door2Door

Geschäftsführer Tom Kirschbaum von Door2Door prophezeit: "100 Pkws können durch drei Minibusse ersetzt werden, weil diese geteilt werden und nie parken. Einsetzbar ist der Minibus nicht nur im urbanen Raum, auch in ländlichen Gemeinden wird er erfolgreich getestet." Noch werden die Shuttle-Busse mit einem Fahrer besetzt, doch auch hier gehen viele Projekte schon Richtung autonome Shuttles.

Viele kleine Betriebe haben sich bereits von ihren Pkw verabschiedet - so groß waren der stressige Parkdruck und die Kosten zur Unterhaltung des Autos. Schornsteinmeister Skrobek etwa kann sein Lastenfahrrad mit seinen Arbeitswerkzeugen beladen und dann überholt er mit Tempo 20 die im Stau stehenden Autos im Verkehr. Zwei von drei Dienstwagen hat er mit drei neuen Lastenrädern eingespart. Die meisten Aufträge des Schornsteinfegers liegen im Umkreis von fünf Kilometern - eine typische Stadtstrecke. 50 Prozent aller Autofahrten sind so kurz. Er spart Zeit und kann so am Tag mehr Aufträge bearbeiten.

Verkehrsberuhigung in Metropolen

Viele europäische Metropolen haben den Verkehr neu gestaltet. Kreuzungen und vielbefahrene Verkehrsadern beruhigt. In Barcelona wurde das ehemalige Industrieviertel Poblenou zu einem Quartier, wo nun Leben auf der Straße stattfinden kann. Auf vollen, lärmenden Kreuzungen entstanden Zonen, wo Fußgänger und spielende Kinder nun Vorrang haben. Lieferverkehr darf in eine Richtung fahren, der restliche Verkehr wird um die Blöcke herumgeleitet. Mindestens 500 solcher Planquadrate sollen entstehen. 

Wir haben den Verkehr um 50 Prozent reduziert – ohne Verbote.
Adrià Gomila, Direktor für Mobilität in Barcelona

"Wir haben den Verkehr um 50 Prozent reduziert - ohne Verbote. Jeder, der mit dem Auto in diese Zone hineinmuss, darf auch in diese Zone hineinfahren", meint Adrià Gomila, Direktor für Mobilität in Barcelona. Allerdings müssen die Autofahrer sich hier den Radfahrern und Fußgängern unterordnen - nicht umgekehrt.

Die planet e.-Dokumentation in der ZDFmediathek:

Blechlawinen wälzen sich durch die Städte. Schadstoffe und Lärm machen krank. Treibhausgase heizen das Klima an. Müssen unsere Autos raus aus der Stadt? Sehen Sie hier die planet e. Dokumentation.

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28 min
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