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Autobauer Daimler im Sparfieber

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Neuer Chef stellt Strategie vor - Autobauer Daimler im Sparfieber

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Erstmals erklärt der neue Daimler-Chef Källenius öffentlich seine Strategie: Einen rigiden Sparkurs. Dabei legt er sich sowohl mit Betriebsräten wie auch mit der Führungsriege an.

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Daimler muss sparen - das meint zumindest der neue Chef. Dem Betriebsrat gefällt das gar nicht.
Quelle: Reuters

Umbruch, Unsicherheit, Unbehagen. Diese drei Wörter wabern durch die deutsche Automobilbranche, spiegeln wider, mit welchen Gefühlen deren Angestellte in die Zukunft blicken. Und so ruhten große Erwartungen auf dem ersten öffentlichen Auftritt von Daimlers neuem Chef Ola Källenius. Sehr beruhigend wirkten seine Worte bei den Kapitalmarkttagen in London da nicht.

Rigiden Sparkurs verordnet

Källenius verordnet dem Autobauer einen rigiden Sparkurs: Bis Ende 2022 will der Schwede in der Mercedes-Autosparte mehr als eine Milliarde Euro an Personalkosten einsparen. "Die Kostenbelastungen zur Erreichung der CO2-Ziele erfordern umfassende Maßnahmen zur Effizienzsteigerung in allen Bereichen unseres Unternehmens. Dazu gehören auch die Verschlankung unserer Prozesse und Strukturen“, sagte der Daimler Chef.

Auch bei den Forschungs- und Entwicklungsausgaben und bei den Materialkosten will Källenius sparen. Besonders kreativ scheinen diese Ideen nicht. Die Anleger zeigten sich enttäuscht: Der Kurs der Daimler-Aktie sackte ab. Schon vor der Grundsatzrede ließ der Betriebsrat durchsickern: Die neue Daimler-Spitze wolle 1.100 Führungspositionen weltweit streichen. Jeder zehnte Leitungsjob in Deutschland solle wegfallen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2029 zwar ausgeschlossen, aber Källenius hat offenbar einen anderen Spar-Plan: Alle deutschen Mitarbeiter sollen auf Tariferhöhungen und individuelle Entgeltsteigerungen verzichten.

Betriebsrat lehnt Lohnverzicht ab

Zu diesen Plänen wollte sich der Daimler-Chef heute nicht äußern. Denn hinter den Kulissen haben die Verhandlungen längst begonnen. In einer flammenden Rundmail an die Mitarbeiter lehnte Betriebsrat Brecht einen Lohnverzicht, ein reines "Kostenschrubben" kategorisch ab. Die Verantwortung für die Krise liege beim Management, nicht bei den Mitarbeitern.


Und nicht nur die neuen Sparvorgaben sorgen für Unruhe. Da ist noch ein anderes, heißes Thema vor allem für die deutsche Belegschaft. Die Frage, ob das Werk in Untertürkheim den E-Antrieb der Zukunft bauen darf, ist weiterhin offen. Die einflussreichen Arbeiterführer wollen ihn unbedingt im Stammwerk bauen, in der Keimzelle des Mercedes-Herstellers. Doch Konzernchef Källenius liebäugelt wohl eher mit günstigeren Zulieferfirmen. Da ist Streit programmiert, der schnell im Arbeitskampf enden kann.

Jetzt geht Arbeit erst richtig los

Fest steht also: nach seiner Strategie-Rede heute geht die Arbeit für den neuen Daimler-Chef erst richtig los. Und das Erbe seines schillernden Vorgängers Zetsche lastet schwer auf dem Mercedes-Hersteller. Da ist die Milliarden teure Dieselaffäre, da sind Produktionsprobleme in den USA , die Konzernaufstellung wirkt überbläht.

Dementsprechend holprig war Källenius' Start: Obwohl die Absatzzahlen stimmen, musste er

  • zweimal die Gewinnziele kassieren,
  • ein 870 Millionen Euro schweres Bußgeld einstecken,
  • und Hunderttausende Dieselfahrzeuge zurückrufen.

Angesichts dieser prekären Lage wäre alles andere als Sparen wohl die falsche Botschaft.

Kühl, knallhart und klug

Aber entscheidend wird sein, wie gut es Källenius gelingt Anleger und Mitarbeiter bei seinem Sparkurs mitzunehmen. Der Schwede gilt als zurückhaltend, als kühl, knallhart und klug. Jetzt zählen aber auch Fingerspitzengefühl und Kreativität, um Daimler zu wandeln - vom dicken Luxuskarossen-Hersteller hin zum zum smarten, grünen Mobilitätsanbieter.

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