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Siemens, Bayer & Co. - Teile und gewinne

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Dass Konzerne Teile ausgründen, wie jetzt Siemens die Medizintechnik Healthineers, gab es oft. Viele Abspaltungen waren erfolgreich. Eine Erfolgsgarantie ist das aber nicht.

Archiv: Ein Mtarbeiter von "Healthineers" bewegt ein medizinisches Gerät
Ab in die Eigenständigkeit: Ex-Siemens-Medizinsparte Healthineers Quelle: reuters

Siemens hat einige Erfahrungen mit Abspaltungen. Der Chiphersteller Infineon war einst die Halbleitersparte des Konzerns. Und für Licht im Unternehmen hatte bei Siemens lange Zeit Osram gesorgt - bis Siemens die Sparte 2013 an die Börse brachte. Beide Unternehmen agieren in ihrer Eigenständigkeit erfolgreich: Infineon ist ein stabiler Dax-Konzern, Osram agiert in der 2. Liga, dem MDax.

Börsengänge auch dank guter Konjunktur

Seit der Jahrtausendwende gab bzw. gibt es zwei Zeiträume, in denen die Geburt neuer Unternehmen aus Konzernmüttern heraus besonders angesagt war: zwischen 2004 und 2007 und seit 2013. Das ist wohl ein Zufall: Beides waren oder sind Phasen des wirtschaftlichen Aufschwungs, in denen solche Schritte grundsätzlich gut funktionieren können. "Die Logik ist klar: Die Konjunktur läuft gut, das wirkt positiv auf die Märkte - auch die Aktienmärkte. In einem solchen Umfeld kann man dann solche Börsengänge und Abspaltungen ganz gut realisieren", erläutert der Chefvolkswirt der Privatbank Julius Bär, David Kohl.

Infografik: Umsatz der Siemens AG nach Geschäftsbereichen
Quelle: Siemens

So löste die Deutsche Post 2004 Teile der Postbank aus dem Konzern. Nach einigen Jahren der Selbstständigkeit landete die Postbank schließlich unter dem Dach der Deutschen Bank. 2005 buchte Bayer seinen Aktionären Aktien der Spezialchemiesparte Lanxess ins Depot. Das Unternehmen schaffte zeitweise den Aufstieg in den Dax.

Wendiger und schlagkräftiger soll es sein

Befürworter kleinerer Unternehmenseinheiten argumentieren: Sie sind übersichtlicher, in ihnen können sich Mitarbeiter und Management besser auf ihre Kernaufgaben fokussieren und schnell auf veränderte Marktbedingungen reagieren. "Sind sie erst einmal abgespalten, können die Unternehmen selbst entscheiden, wo sie ihr Geld investieren wollen; sie sind so nicht mehr vom Wohl und Weh des Mutterkonzerns und dessen Entscheidungen abhängig", sagt der Börsenexperte und Autor Dirk Müller.

Diese Logik steckt auch hinter der jüngsten Welle von Konzernspaltungen, angefangen mit Osram im Jahr 2013. Bayer nutzte die Gelegenheit ebenso und entließ seine Kunststoffsparte Covestro in die Selbstständigkeit. Aus Sicht der Börse ist Covestro eine absolute Erfolgsgeschichte. Am kommenden Montag wird das Unternehmen in den Dax aufsteigen. Und der Wert der Aktien hat sich seit dem Börsengang verdreifacht.

Neue Aktien ins Depot gebucht

Covestro war in Form eines "Equity Carve-out" an die Börse gegangen - will heißen: Der Mutterkonzern verkauft einen Teil der Tochtergesellschaft und heimst den Emissionserlös ein. Üblicherweise behält die Mutter zunächst die Mehrheit der Aktien. Die meisten Abspaltungen aber sind "Spin-Offs" - dabei bucht der Mutterkonzern seinen Aktionären zum Börsengang für eine bestimmte Anzahl eigener Aktien eine des neuen Unternehmens ins Depot. Bei Lanxess ist man so vorgegangen, bei Osram war dies der Fall und auch die Uniper-Abspaltung von E.ON vor rund eineinhalb Jahren war ein solches Spin-Off.

Dabei stellte sich der Erfolg der neuen Aktien meist nicht sofort ein. Denn gerade beim Start des neuen Unternehmens können einige Investoren mit dem unverhofften Neuzugang im Depot nichts anfangen. Fondsgesellschaften beispielsweise, die Indizes wie den Dax abbilden, haben für Aktien, die nicht in dem Index gelistet sind, keine Verwendung - sie stoßen sie ab. Deswegen kann es passieren, dass es nach dem Start mit dem Kurs erst einmal bergab geht.

Weitere Abspaltungen in Planung

Auch für die Mitarbeiter der Neulinge steht oft erst einmal eine Zeit der Umstrukturierung an - was oft mit dem Verlust von Arbeitsplätzen einhergeht. Das neue Management versucht sozusagen aufzuräumen, um als eigenständiges Unternehmen effizienter, schlagkräftiger zu sein. Auf lange Sicht, meint Dirk Müller, profitierten dann aber auch die Mitarbeiter: "Die Gewinne bleiben erst einmal im neuen Unternehmen und können dort investiert werden, wo es nötig ist. Das kommt letztlich dann auch den Mitarbeitern zugute."

Den Aktionären auf jeden Fall. Auf lange Sicht zumindest, denn da entpuppen sich viele Abspaltungen letztlich eben doch als gute Partien. Auch die Deutsche Bank wird ihre Vermögensverwaltung abspalten und an die Börse bringen. Schon in der kommenden Woche soll es soweit sein, mit der nächsten Abspaltung - und einem Börsengang in Milliardenhöhe.

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