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Debatte über Verbot - Kopftuch an Schulen: Zahlen, bitte!

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Immer wieder wird es diskutiert: ein Kopftuchverbot. In Österreich soll es künftig für Grundschülerinnen gelten. Nun debattiert auch Deutschland. Allerdings fehlen harte Fakten.

Grundschülerinnen in Österreich sollen kein Kopftuch tragen dürfen. Das Parlament in Wien hat beschlossen, künftig "das Tragen weltanschaulich oder religiös geprägter Bekleidung, mit der eine Verhüllung des Hauptes verbunden ist", zu verbieten. Durchgesetzt haben das Gesetz Abgeordnete der konservativen ÖVP und der rechten FPÖ.

Persönlicher Eindruck als Grundlage

Der absolut richtige Ansatz auch für Deutschland, findet die SPD-Politikerin Leni Breymaier. "Ich habe doch nicht mein Leben lang für Gleichberechtigung gekämpft, damit sich das Rad jetzt allmählich zurückdreht", sagt sie energisch. "Wenn ich vom Willy-Brandt-Haus zum Reichstag fahre, komme ich an einer Schule vorbei. Da sehe ich kleine Mädchen, die ganz sicher noch nicht die Geschlechtsreife erlangt haben. Und die tragen ein Kopftuch. Das haben die sich doch nicht selber ausgesucht."

Innerhalb ihrer Partei ist Breymaiers Haltung umstritten - auch deshalb, weil sie als Symboldebatte betrachtet wird, angeheizt vom politisch rechten Spektrum. Denn eines fehlt in dieser Debatte: belastbares Zahlenmaterial. Das muss auch Breymaier einräumen: "Ich habe den Eindruck, es wird mehr. Es sind jetzt mehr als vor fünf Jahren, und es waren vor fünf Jahren mehr als vor zehn Jahren. Und auch, wenn es keine Erhebungen gibt: Wehret den Anfängen, sage ich dazu." 

Es gilt Religionsfreiheit

Und es gibt ein weiteres Problem: die Religionsfreiheit. Unter anderem deshalb ist man auch innerhalb der CDU uneins, wie mit dem Vorstoß aus Österreich umzugehen ist. Dort stellt sich die Regierungskoalition auf verfassungsrechtliche Probleme ein. Das könnte in Deutschland auch blühen, sagt Marcus Weinberg, familienpolitischer Sprecher der CDU, mit Verweis auf die vom Grundgesetz garantierte freie Ausübung der Religion.

Seine Parteifreundin Annette Widmann-Mauz, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, wirbt dagegen für das Abklopfen aller Optionen. "Es ist absurd, dass kleine Mädchen ein Kopftuch tragen", sagt sie. Deshalb müsse man "alle Maßnahmen prüfen - vom Gespräch mit den Eltern bis hin zum Verbot."

Kaum relevant an Grundschulen

Die Option "Gespräch mit den Eltern prüfen" hat Maresi Lassek mehrfach durchlaufen und positiv beschieden. Viele Jahre leitete sie eine Grundschule, inzwischen ist sie Vorsitzende des Grundschullehrer-Verbandes. "Es gab immer wieder einzelne Mädchen an meiner Schule, die ein Kopftuch trugen. In den Fällen haben wir versucht, mit den Eltern zu reden. Bei manchen geht das gut, an andere kommen Sie nicht ran. Jede muslimische Familie ist anders", erzählt sie. Ein Kopftuchverbot für Mädchen sei in ihrem Verband bisher kein Thema gewesen: "Wir sind in engem Kontakt mit Schulen in schwierigen Bezirken und befassen uns intensiv mit ihren Problemen. Aber dass uns zugetragen wurde, dass es ein virulentes Problem ist, dass Mädchen Kopftuch tragen - das war noch nie der Fall. Diese Schulen haben ganz andere Probleme."

Ein Kopftuchverbot für Grundschülerinnen – in Österreich auf den Weg gebracht, aber noch längst nicht gesetzlich verankert, und auch in Deutschland umstritten. Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es: Genauso wenig wie hier weiß man in Österreich, wie viele Kinder ein solches Gesetz überhaupt betreffen würde. Es gibt nirgendwo belastbare Zahlen. Der Diskussion allerdings tut dies offensichtlich keinen Abbruch.

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