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Historischer Korea-Gipfel - Alleinherrscher trifft Flüchtlings-Spross

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Moon Jae In und Kim Jong Un, die Protagonisten des koreanischen Gipfeltreffens, sprechen dieselbe Sprache. Aber das war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Ein Vergleich.

Moon Jae In und Kim Jong Un in einem koreanischen TV-Bericht
Moon Jae In und Kim Jong Un in einem koreanischen TV-Bericht. Quelle: ap

Am Freitag wollen Kim und Moon im Grenzort Panmunjom zusammenkommen. Es wäre das dritte Gipfeltreffen der Länder seit deren Spaltung im Jahre 1945. Da wäre diesmal auf der einen Seite Kim Jong Un, Machthaber Nordkoreas, der die dritte Generation einer absolut herrschenden Familiendynastie verkörpert. Ihm gegenüber steht der demokratisch gewählte südkoreanische Präsident Moon Jae In, ein Liberaler, dem es um eine Einbindung des Nordens geht. Die beiden führen Länder, deren sieben Jahrzehnte währende Trennung sich längst nicht nur an der weltweit am schwersten gesicherten Grenze festmacht.

Kim Jong Un, der "Geschätzte Oberste Führer"

Kim Jong Un sieht das Atomprogramm als vollendet an.
Kim Jong Un sieht das Atomprogramm als vollendet an. Quelle: Uncredited/KCNA via KNS/AP/dpa

Kim, auf Mitte 30 geschätzt, übernahm nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il Ende 2011 die Macht. Formal herrscht er in seiner Funktion als Vorsitzender der regierenden Arbeiterpartei. Zudem hat er eine ganze Reihe anderer Titel inne, etwa Vorsitzender der Kommission für Staatsangelegenheiten sowie Oberbefehlshaber der 1,2 Millionen Streitkräfte starken Volksarmee. In den Berichten der Staatsmedien wird seinem Namen stets die Würdigung als "Geschätzter Oberster Führer" vorangestellt. Tatsächlich herrscht Kim dank der Blutsbande mit seinem Großvater Kim Il Sung, dem Staatsgründer Nordkoreas.

Einige Experten hatten sich zunächst gefragt, ob Kim Jong Un in den Genuss der gleichen Machtfülle seines Vaters kommen würde, da er relativ wenig Zeit zur Vorbereitung auf die Führerrolle hatte. Sein Vater war 20 Jahre lang als Machthaber aufgebaut worden. Doch der junge Kim festigte erstaunlich schnell seine Macht, indem er eine Reihe von Hinrichtungen und Entlassungen ranghoher Funktionäre anordnete. In Erinnerung blieb vor allem die Hinrichtung seines mächtigen Onkels Jang Song Thaek im Jahr 2013.

Kims Vorbild ist offenbar sein Großvater und Dynastiegründer Kim Il Sung

Kim hat die sogenannte Byungjin-Politik initiiert, die zugleich auf nukleare Abschreckung und Wirtschaftswachstum setzt. Im Bestreben nach atomar bestückten Raketen mit einer Reichweite bis zum US-Festland hat er eine ungewöhnlich hohe Zahl von Atomwaffentests ausführen lassen. Unter seine Ägide fielen allein vier von bisher sechs solcher Versuche. Zugleich lässt er Elemente des Kapitalismus in dem kommunistischen Land zu, etwa Straßenmärkte.

In Regierungsstil und Gestus orientiert sich Kim offenbar an seinem Großvater. Seine Frisur und seine Gebärden erinnert an Kim Il Sung, ebenso seine Neigung zu regelmäßigen Ansprachen. Beobachter glauben, dass Kim Jong Un eine Nostalgie über eine Zeit heraufbeschwören will, in der es den Nordkoreanern wirtschaftlich besser ging als unter dem Vater - in dessen Ära hatte eine Hungersnot Hunderttausende Menschen dahingerafft.

Kim ist Absolvent der Kim-Il-Sung-Militäruniversität in Pjöngjang. Mehrere Jahre ging er in der Schweiz zur Schule. Er ist mit Ri Sol Ju verheiratet, einer Ex-Sängerin im Unhasu-Orchester in Pjöngjang.

Moon Jae In: Ehemaliger Menschenrechtsanwalt

Der Präsident von Südkorea, Moon Jae In. Archivbild
Der Präsident von Südkorea, Moon Jae In. Archivbild Quelle: Wolfgang Kumm/dpa

Moon, 65 Jahre alt, trat seine auf fünf Jahre beschränkte Amtszeit im Mai 2017 an. Er hatte eine Neuwahl für sich entschieden, nachdem seine konservative Vorgängerin Park Geun Hye über einen politischen Skandal gestürzt war.

Einst war Moon als Menschenrechtsanwalt tätig. Zudem arbeitete er früher für den Stabschef des 2009 verstorbenen Präsidenten Roh Moo Hyun, ebenfalls ein Liberaler, der 2007 den zweiten innerkoreanischen Gipfel mit Kim Jong Il abhielt. Moon betreute damals Vorbereitungen für jenes Treffen, bei dem eine Reihe von Versöhnungsprojekten in Gang gebracht wurden. Inzwischen liegen diese Initiativen auf Eis.

Treffen mit Trump vermittelt

Vor Moons Vereidigung zum Staatschef waren die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea äußerst gespannt: Pjöngjang reagierte aufgebracht auf Parks harte Linie im Umgang mit dem Atomprogramm des Nordens. In nordkoreanischen Medien wurde Südkoreas Präsidentin mitunter als "Prostituierte" und "Verräterin" genannt.

Einmal an der Macht, fand Moon dann zunächst wenig Spielraum für einen Abbau der Spannungen. Denn Kim forcierte 2017 das Tempo der Atomwaffentests. Und damit sah sich Moon gezwungen, sich den von Washington vorangetriebenen Bemühungen um drastische Sanktionen gegen den Norden anzuschließen.

Doch in diesem Jahr änderte sich die Lage dramatisch: Kim schickte nordkoreanische Athleten zu den Olympischen Winterspielen im Süden. Und Moon gelang es, ein für Mai oder Anfang Juni geplantes Treffen zwischen dem nordkoreanischen Machthaber und US-Präsident Donald Trump zu vermitteln.

Sohn nordkoreanischer Flüchtlinge

Moon ist ein Sohn nordkoreanischer Flüchtlinge, die nach Beginn des Korea-Krieges von 1950 bis 1953 an Bord eines US-Schiffes in den Süden flohen. Seine Familie ließ sich schließlich im Südosten Südkoreas nieder. Als kleiner Junge musste Moon einst für die Ausgabe von amerikanischer Maisstärke und Trockenmilch anstehen.

Nach Eintritt in die Kyung-Hee-Universität in Seoul 1972 wurde der Student ein prodemokratischer Aktivist, mehrere Monate saß er wegen Aufbegehrens gegen das diktatorische Gebaren von Parks Vater,
Präsident Park Chung Hee, in Haft. 1975 wurde Moon wegen seiner Aktivitäten als Dissident zwangsweise zum Dienst bei den Spezialeinheiten eingezogen. Moons Frau Kim Jung Sook ging einst auf dieselbe Universität wie ihr Mann. Sie versorgte ihn, nachdem er bei einer Kundgebung in den 70er Jahren von Tränengas getroffen worden war.

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