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Zusammenführung per Lotterie - Koreaner sehnen sich nach Familientreffen

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Zehntausende Koreaner wurden während des Krieges in den 1950er Jahren auseinandergerissen, leben heute getrennt in Nord- und Südkorea. Einige sollen nun wieder zusammenfinden.

Jang Sa-in sucht seinen Bruder in Nordkorea
Jang Sa-in sucht seinen Bruder in Nordkorea
Quelle: ZDF

Jang Sa-in war noch ein Kind als vor seinem älteren Bruder getrennt wurde. Er war als junger Mann in den Korea-Krieg eingezogen worden. Galt lange Zeit als gefallen. Doch dann gab es einen Kontakt.  

Der 77-Jährige ist immer noch berührt, wenn er die Geschichte seines Bruders erzählt. Eigentlich hatte seine Familie die Hoffnung längst aufgeben. Seine Eltern starben in der Gewissheit, dass ihr älterer Sohn im Korea-Krieg zwischen 1950 und 1953 gefallen ist. Ein Schicksal, das viele koreanische Familien in diesem Bruderkrieg erleiden mussten. Doch 2008 erhält Jang Sa-in über eine Bekannte in China einen Kontakt zu seinem verschollen Bruder in Nordkorea. Sie versuchen sich zu treffen, das scheitert aber. "Ich konnte ihn nicht sehen, und dann schrieb ich meinem Bruder einfach einen Brief. Er schrieb zurück mit einem Foto. Dann wusste ich, dass er am Leben ist", erzählt Jang Sa-in.

Briefe werden über China geschickt

Bis heute ist für Jang Sa-in und andere Betroffene in der Regel kein direkter Kontakt über die abgeriegelte Grenze nach Nordkorea möglich. Briefe werden meist über China geschickt, das mit Nordkorea verbündet ist. Kein einfaches Unterfangen, denn man muss in China eine Kontaktpersonen bezahlen und vor allem wissen, dass seine Verwandten noch leben.

Zehntausende Familien fanden sich beim Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea getrennt von ihren Verwandten auf der anderen Seite der Demarkationslinie wieder und haben diese seither nicht mehr gesehen. Jang Sa-in versucht, seinen Bruder persönlich in China zu treffen: "Mein Mann ging nach China, um seinen Bruder zu finden, aber dann kam die Nachricht, dass er gestorben ist. Wir hatten eine schwere Zeit damals", sagt seine Frau Lee Myung-soon.

Lotterie entscheidet über Teilnahme an Treffen

Zum ersten Mal seit fast drei Jahren wollen Süd- und Nordkorea nun wieder Begegnungen zwischen Familien organisieren. Jeweils 100 Menschen aus beiden Ländern sollen Verwandte wiedersehen oder sich überhaupt zum ersten Mal treffen können. Das hatten Nordkoreas Staatsführer Kim Jong Un und Südkoreas Präsident Moon Jae In bei ihrem Gipfel Ende April vereinbart. Die Familientreffen sollen vom 20. bis 26. August in einem Kurort im nordkoreanischen Kumgang-Gebirge stattfinden.

Ausgewählt wurden die Teilnehmer in Südkorea durch einen Zufallscomputer. In Nordkorea spielt nach Ansicht von Beobachtern die Loyalität zur Regierung eine wichtige Rolle. Nun sollen die Ausgewählten informiert werden, die sich dann einem Gesundheitstest unterziehen müssen. Denn viele der Betroffenen sind meist 70 Jahre und älter.

Letzte Gelegenheit vor dem Tod

Jang Sa-in freut sich zwar, dass die Treffen wieder stattfinden. Es seien aber zu wenig Menschen, die eine Chance bekommen würden. "Im Moment bin ich verärgert. Weil die meisten Menschen in beiden Ländern hoffen, ihre getrennten Familien wiederzusehen. Aber es sind nur 100 Personen in Südkorea überhaupt erlaubt", sagt Jang Sa-in. Für die Bewerber solcher Treffen ist es in den meisten Fällen die letzte Gelegenheit, vor ihrem Tod noch einmal ihre Verwandten aus dem anderen Teil der koreanischen Halbinsel zu sehen.

Auch wenn sein Bruder inzwischen gestorben ist: Jang Sa-in will nicht aufgeben, seine Familie in Nordkorea zu treffen. "Ich hoffe, nun irgendwann meinen Neffen zu sehen. Wenn nicht, wäre auch ein Brief in Ordnung", sagt der 77-Jährige. "Aber für uns Ältere wird es wirklich immer schwieriger, eine Chance zu bekommen", ergänzt Jang Sa-in.

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