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Politikexperte zu AKK - Korte: Chance auf Rückkehr von AFD-Wählern

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AKK gleich Merkel? Ein "Weiter so" sieht Politikexperte Korte durch die neue CDU-Chefin nicht. Es gebe die Chance, AfD-Wähler zurückzuholen. Auch Jens Spahn gehöre die Zukunft.

Archiv: Karl-Rudolf Korte am 12.11.2015 in Berlin
Politikexperte Karl-Rudolf Korte sieht keine Spaltung der CDU nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur Parteivorsitzenden.

heute.de: Kann unter Annegret Kramp-Karrenbauer ein Neuanfang gelingen?

Karl-Rudolf Korte: Jede neue Person bringt ganz andere Erfahrungen mit ein, einen anderen Führungsstil, andere Prioritäten. Dass sie jetzt "nur" Vorsitzende ist und nicht auch gleichzeitig noch Kanzlerin, verändert die Sache insgesamt. Ein "Weiter so" ist damit überhaupt nicht ableitbar.

heute.de: Was bedeutet die Wahl für die CDU?

Korte: Sie hat die Partei belebt. Sie hat neue Dialogformate und muss überlegen, ob sie die nicht dauerhaft übernimmt, wie etwa permanente Regionalkonferenzen. Es wird sich in der Politik etwas ändern, da bin ich ganz sicher. Die Partei kann interessanter werden, weil jetzt die Parteivorsitzende nicht gleichzeitig in Regierungsverantwortung ist. Sie ist viel freier, als das vorher der Fall war.

heute.de: Besteht die Gefahr, dass die Partei zerbricht?

Korte: Die Symbolik, dass alle drei Kandidaten noch einmal auf die Bühne kamen, spricht dafür, dass kluge Strategen daran arbeiten, die Partei nicht in zwei Teile zerbrechen zu lassen. Sondern wie eine Familie jetzt damit umzugehen. Die Partei hat so viel an strategischer Bravheit und eine parteiinterne Harmoniesucht, sie wird nicht zerfallen.

heute.de: Könnten AfD-Wähler nun zurückkehren?

Korte: Zumindest besteht die Chance. Wer den Konflikt mit der AfD auch als kulturellen begreift, kann neugierige Wähler auf jeden Fall zurückgewinnen. Da bin ich ziemlich sicher, denn zum Merkel-Malus gehörte, dass sie für den sogenannten Kontrollverlust 2015 persönlich verantwortlich gemacht wurde. Der ist nun weg, weil auch die Verantwortung gewechselt hat. Frau Kramp-Karrenbauer kann neu starten, und deswegen Protestwähler auch wieder zurückkommen, die früher mal CDU gewählt haben.

heute.de: Es gibt aber auch zwei Verlierer. Warum hat Merz nicht gewonnen?

Korte: Es gibt viele Gründe. Es gibt föderale Gründe, viele wollten nicht so viel Nordrhein-Westfalen haben. Es gab Verwunderung, dass Merz so lange auf seine Chance gewartet hat, während Kramp-Karrenbauer ein Ministeramt abgegeben hat, um der Partei zu dienen. Dann gab es Kommunikationsfehler. Seine markante Selbstgewissheit, die er manchmal gezeigt hat und falsch beantwortete Fragen - das hat doch einige abgeschreckt. Und seine Rede heute war heute nicht so optimal. Da war die von Kramp-Karrenbauer durchdachter.

heute.de: Wie geht es mit Spahn und Merz weiter?

Korte: Spahn ist der Mann der Zukunft. Er kann noch alles werden, er kann noch warten, er hat Zeit. Er bleibt Gesundheitsminister und geht als Favorit für die Zukunft aus dem Rennen. Herr Merz wird in seinen alten Beruf zurückkehren und punktuell für die CDU ins Rennen gehen.

heute.de: Der nächste Kanzlerkandidat ist er also nicht?

Korte: Das ist sehr unwahrscheinlich. Es ist aber nicht automatisch die Vorsitzende. Es kann ja sein, dass die Europawahlen, die Landtagswahlen dramatisch verloren werden. Dann kann eine Stimmung entstehen, dass ein Dritter ins Spiel kommen.

heute.de: Hält Merkel bis 2021 durch?

Korte: Sie ist protestantisch dienend geprägt, sie hat immer wieder öffentlich gesagt, dass sie nicht aus dem Amt geht, sondern bis 2021 auf die Koalition setzt, die sie ausgehandelt hat. Wir können nicht einfach einen Bundestag auflösen. Es gibt ein Selbstauflösungsrecht. Keiner der Mandatsträger möchte unter vier Jahren aus dem Haus rausgehen.

heute.de: Was war das für ein Abschied für Merkel?

Korte: Das war ein typischer Merkel-Abschied, sehr bescheiden, nicht inszeniert, etwas persönlicher in der Rede als sonst. Sie hat den Respekt, denn es hat bislang kein Kanzler geschafft, einen würdevollen Abschied hinzulegen, einen Nachfolger aufzubauen, all das ist gelungen. Klar, nach 18 Jahren wünschen sich viele eine Veränderung, uns es bleibt die Frage, ob man es nicht früher hätte machen können.

Das Interview führten Kristina Hofmann und Kevin Schubert.

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