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Studie zu Hormon-Wirkstoffen - Chemische Cocktails auf Haut und Haaren

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Die Sonne glüht - Schutz vor Sonnenbrand bietet da die Sonnencreme. Doch wer denkt, er tut seinem Körper damit Gutes, irrt unter Umständen. Denn jedes dritte Körperpflegeprodukt, darunter auch Sonnenschutzmittel, ist laut einer Studie mit hormonell wirksamen Stoffen belastet.

Eine Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat ergeben, dass knapp ein Drittel der Körperpflegeprodukte hormonell wirksame Chemikalien enthalten. Von den insgesamt 62.559 ausgewerteten Produkten, darunter auch Haarwachs, Lippenstift und Zahnpasta, enthalten 18.542 (29,6 Prozent) hormonell wirksame Stoffe. "Wir waren überrascht, dass so viele Produkte belastet sind", sagt Jurek Vengels, Projektleiter des Kosmetik-Checks, gegenüber heute.de.

Künstliche Hormone stören Entwicklung

Zudem befinden sich in 20 Prozent der getesteten Kosmetika zwei oder mehr Schadstoffe. "Das ist bedenklich", urteilt Vengels. "Ein belastetes Produkt ist noch harmlos, aber die Masse macht's", weiß er. Wer Duschgel, Parfüm und Make-up mit künstlichen Mitteln nutzt, mutet seinem Körper einen möglicherweise gefährlichen Hormoncocktail zu.

Dabei können die Schadstoffe vor allem Föten, Kleinkinder und Pubertierende in ihrer Entwicklung beeinträchtigen. Die Weltgesundheitsorganisation bringt die Stoffe mit Krankheiten in Verbindung, die in der westlichen Welt immer häufiger auftreten. Darunter ein Rückgang der Spermienqualität und -anzahl, Brust-, Prostata- und Hodenkrebs sowie eine verfrühte Pubertät bei Mädchen.

"Wir fordern deshalb von den Herstellern, dass sie so schnell wie möglich auf hormonell wirksame Stoffe verzichten", verlangt Vengels. Zumal einige Konzerne das längst umsetzten. "Bei den Naturkosmetik-Anbietern gab es nur vereinzelt belastete Produkte, das waren sehr wenige", berichtet er.

"Aber auch bei den konventionellen Herstellern tun sich Welten auf", konstatiert der Projektleiter. Gerade in den Produkten der Marktführer L'Óreal und Beiersdorf hat der Umweltverband mit 45 und 46 Prozent überdurchschnittlich oft hormonell wirksame Stoffe gefunden. Dagegen sind bei der Drogeriekette dm nur 17 Prozent der Eigenprodukte betroffen. "Die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Herstellern zeigen uns, dass man auf die Stoffe verzichten kann", sagt Vengels.

Umweltverband fordert Politik zum Handeln auf

Verbrauchern empfiehlt der Umweltverband Naturkosmetik - und rät im Zweifel zum Blick auf die Inhaltsangabe. Allerdings ist sich Vengels bewusst, dass sich "niemand diese Schadstoff-Namen merken und im Geschäft vergleichen kann". Der BUND hat deshalb die kostenlose "ToxFox-App" für das iPhone entwickelt. Die ermittelt aus einer Datenbank, ob ein Produkt frei von Schadstoffen ist.

Um diesen Check unnötig zu machen, fordert der BUND nun auch die Politik zum Handeln auf. Der Einsatz von hormonell wirksamen Stoffen in Kosmetikprodukten solle verboten werden, so wie das bei einigen Stoffen in Dänemark bereits der Fall ist. Solange das noch nicht geschehen ist, müssten die Hersteller ihrer Verantwortung gerecht werden und die Stoffe freiwillig aus ihren Produkten verbannen.

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