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Kosovo-Konflikt - 20 Jahre Schwebezustand

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Vor 20 Jahren griff die Nato aktiv in den Kosovo-Konfilkt ein. Auch Deutschland stand damit erstmals seit 1945 wieder im Krieg. Die Folgen auf dem Balkan sind bis heute zu spüren.

Von Frieden sind die Menschen im Kosovo weit entfernt, 20 Jahre nach dem Krieg. Zwischen dem serbischen und dem albanischen Teil der Bevölkerung gibt es immer noch eine tiefe Kluft. Gegenseitige Vorwürfe, tief verwurzelter Nationalismus und Misstrauen belasten die Beziehungen. Von Versöhnung ist kaum etwas zu spüren.

20 Jahre sind vergangen, seit die NATO in den Kosovo-Krieg eingriff. Seitdem hat sich einiges getan, doch der Konflikt mit Serbien ist noch immer nicht gelöst.

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In Mitrovica wird dies besonders deutlich. Die Kleinstadt im Norden des Kosovo ist Sinnbild für die ethnisch geteilte Gesellschaft des Landes. Im Süden der Stadt leben Kosovo-Albaner, im Norden Serben. Bis heute trauen sich Kosovaren noch immer nicht in den serbischen Teil - und umgekehrt. "Du bist einfach nicht sicher, wenn du als Kosovo-Albaner in den Norden gehst. Ich würde aber natürlich wollen, dass Mitrovica nicht mehr geteilt ist und wieder eins wird. Wir müssen uns versöhnen, aber vergessen können wir natürlich nicht", meint Gentian Musaj, der eine kleine Bäckerei im albanisch geprägten Teil Mitrovicas betreibt.

Erster "humanitärer Kriegseinsatz" der Nato

Die Anspannung ist überall in Mitrovica deutlich spürbar. "Wir leben hier unter großem Stress. Jeder fürchtet, dass wieder etwas passieren könnte - etwas so Schlimmes wie damals", sagt eine junge Serbin. "Damals", das ist der 24. März 1999, als die Nato unter der Führung der USA begann, Serbien zu bombardieren - ohne UN-Mandat und ohne direkte Bedrohung eines Nato-Mitgliedstaates.

Archiv: Brücke im geteilten Mitrovica, aufgenommen am 07.10.2008
Brücke im geteilten Mitrovica (Archivbild). Bis heute trauen sich Kosovaren noch immer nicht in den serbischen Teil - und umgekehrt.
Quelle: dpa

Es war der erste "humanitäre Kriegseinsatz" des Militärbündnisses. Er sollte die Gräueltaten von Slobodan Milosevics Truppen im Kosovo beenden. 1.200 Kampfjets aus 14 Nationen flogen im Frühjahr 1999 Angriffe gegen die serbischen Truppen. Hunderte Dörfer wurden zerstört, Tausende Menschen verloren ihr Leben, Landstriche wurden verwüstet und die Landkarte am Balkan neu gezeichnet. Für die Kosovo-Albaner war es der Tag der Befreiung, für die Serben der Beginn der Niederlage im Kosovo-Krieg.

Nato Einsatz einer F-16, aufgenommen am 24.03.1999
Nato Einsatz einer F-16, aufgenommen am 24.03.1999
Quelle: AP

Der kosovarische Gemüsehändler Fazli Latifi wurde damals am Markt von Mitrovica von einer Granate getroffen. Trotzdem ist er froh über das Eingreifen der Nato: "Der Angriff war nur gerecht und erfolgreich. Ohne die Nato wären wir Kosovo-Albaner heute wohl alle nicht mehr am Leben." Wie Latifi sehen viele Kosovo-Albaner die Nato als Heilsbringer, als Wegbereiter für die Unabhängigkeit des Kosovo. Die Serben hingegen sind immer noch wütend über die Bomben der Nato und die Abspaltung der kosovarischen Provinz.

Damit die Lage ruhig bleibt, patrouillieren die KFOR-Truppen der Nato auch heute noch 20 Jahre nach Kriegsende täglich durch Mitrovica: "Wir sind hier, um frühzeitig Warnsignale zu erkennen. Wir sind in Kontakt mit der Bevölkerung in beiden Teilen der Stadt und versuchen, den Puls der Zeit zu spüren, um uns ein allgemeines Bild von der Situation zu machen. Wir arbeiten dafür, dass es gar nicht erst zu Ausschreitungen kommt", erklärt Oberstleutnant Luca Jarrell.

Auch nach 20 Jahren: Ringen um Landesgrenzen

Allerdings ist es der internationalen Gemeinschaft in 20 Jahren nicht gelungen, eine klare Situation im Kosovo zu schaffen. Seit 20 Jahren befindet sich das Land im Schwebezustand. Zwar hat das Kosovo 2008 seine Unabhängigkeit erklärt, diese wird jedoch von Serbien nicht anerkannt.

Und so geht das Ringen um die Landesgrenzen weiter. Allerdings braucht das Kosovo endlich Gewissheit über die eigene Souveränität, damit Investitionen ins Land fließen können, und Serbien eine Lösung des Kosovo-Konflikts für einen möglichen EU-Beitritt. Noch scheint ein ehrlicher Handschlag allerdings in weiter Ferne.

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