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Kostenloses Bauland für Moscheen? - Integrations-Versuch vertagt

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Kostenloses Bauland für Moscheen: Darüber wollte der Stadtrat heute im nordrhein-westfälischen Monheim entscheiden. Doch ein Streit blockiert das Vorhaben: Der Bürgermeister will, viele Monheimer wollen nicht. Ein Beispiel dafür, wie Integration gelingen - und woran sie scheitern könnte.


Die Schul-Aula am Berliner Ring ist bis auf den letzten Platz besetzt, 750 Menschen passen in den Saal. Lautsprecher übertragen die Informations-Veranstaltung in das Foyer, mehrere Hundert Monheimer kommen wegen Platzmangels erst gar nicht in das Gebäude.

"Warum die und ich nicht"?

Es gibt Diskussionsbedarf in Monheim, nachdem bekannt wurde, dass Bürgermeister Daniel Zimmermann den beiden Moschee-Gemeinden in Monheim kostenlos zwei Grundstücke überlassen will. "Dass sie alle hier sind, ist auch ein Zeichen dafür, dass wir in Monheim eine lebendige Demokratie haben!" Es ist einer der ersten Sätze, die Zimmermann an diesen Abend an seine Monheimer richtet. Viele im Saal antworten ihm mit hämischem Gelächter.

Es ist mangelnde Transparenz, die sie ihrem Bürgermeister Daniel Zimmermann von der lokalen PETO-Partei vorwerfen. Die Entscheidung, zwei Grundstücke im Wert von zusammen rund 850.000 Euro an die türkische Ditip- und die marokkanische Gemeinde zu verschenken, hätte Zimmermann selbstherrlich getroffen. Das ist am Rande der Veranstaltung immer wieder zu hören. Und auch die Frage: "Warum kriegen die ein Grundstück geschenkt, und ich nicht?"

Verfassungstreue und Toleranz

Zimmermann steht auf der Bühne, und erklärt an diesem Abend seine Sicht der Dinge. Gerade Transparenz sei dem Bürgermeister doch so wichtig. Das sei ein Kernpunkt seiner Idee. Denn es gehe darum, die beiden Moscheen aus den Hinterhöfen zu holen. Integration solle so sichtbar gemacht werden. Es handle sich auch um keine Schenkung, sondern über eine "zweckgebundene Überlassung unter Auflagen", argumentiert Zimmermann. So dürften die Gemeinden über den Baugrund nicht frei verfügen und sie müssten sich zu Verfassungstreue und Toleranz verpflichten. Würden diese Auflagen nicht eingehalten, gingen die Grundstücke zurück an die Stadt.

Und am Ende seines Vortrags macht der Bürgermeister auf die finanzielle Situation aufmerksam. Die Stadt Monheim verfügt über ein Eigenkapital von 450 Millionen Euro. "Jeder Bürger hat bei der Stadt praktisch ein Guthaben von 10.000 Euro", sagt Zimmermann. Er könne verstehen, dass sich ein Gelsenkirchener die Augen reibe, wenn eine Stadt Grundstücke kostenlos abgebe. Aber die Monheimer Perspektive sei halt eine andere.

Entscheidung vertagt

Dann ist die Diskussion eröffnet. Die Monheimer dürfen Fragen stellen und ja – auch mal Dampf ablassen. Ein Mann mit türkischem Akzent greift sich das Mikrofon. Er lebe jetzt seit 38 Jahren hier. "Ich gehöre zu Monheim, versteht ihr das denn nicht? Ich bin ein Monheimer Junge!" ruft er und erhält Applaus. "Es ziehen sich gerade tiefe Gräben durch Monheim. Herr Zimmermann, lassen sie doch einen Bürgerentscheid zu", schlägt ein anderer vor. Auch hier gibt es viel Beifall. Drei Stunden wird diskutiert, manchmal emotional, aber fast immer an der Sache. Anders als vor dem Gebäude: Sowohl rechte als auch linke Demonstranten nutzen das Thema für ihre Zwecke aus, um Stimmung zu machen. Drinnen geht es konstruktiver zu.

Am Ende der Informationsveranstaltung können die, denen das mit den Moschee-Plänen viel zu schnell ging, sogar mit einem kleinen Gefühl des Sieges nach Hause gehen: Die für heute Nachmittag geplante Entscheidung im Monheimer Stadtrat über die Zukunft der beiden Grundstücke ist nun verschoben worden. Vielleicht auf einen Termin nach den Sommerferien, im September.

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