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Kostenstreit in der Bundesliga - Ein großes Geben und Nehmen

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Im heute.de-Interview spricht der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank über Kosten und Gewinn von Bundesligaspielen für die Stadt. Streit wie in Bremen? Fehlanzeige!

Archiv: Polizeieinsatz bei Bundesligaspiel am 16.04.2017 in Bremen
Polizeieinsatz bei Bundesligaspiel
Quelle: picture alliance/augenklick

heute.de: Wodurch vor allem entstehen der Stadt Frankfurt Kosten bei einem Bundesliga-Heimspiel von Eintracht Frankfurt?

Markus Frank: Der Einsatz der städtischen Kräfte kostet am Spieltag mehrere Tausend Euro. Da sind vor allem Mitarbeiter des Straßenverkehrsamtes mit der Verkehrsregelung beschäftigt. Dazu kommen Einsätze der Mitarbeiter des Ordnungsamts. Es wäre aber eindimensional, diese Kosten losgelöst zu betrachten. Denn es ist ein großes Geben und Nehmen: Für uns sind die Heimspiele der Eintracht nicht nur ein emotionaler Gewinn. Es kommen viele Menschen zu Besuch, schauen sich die Stadt an, kaufen ein, übernachten auch. Aktuell läuft es sehr gut für die Eintracht - und wovon wir in dem Zusammenhang am meisten profitieren, ist der Imagegewinn durch den Verein.

heute.de: Für sportlichen Erfolg gibt es aber nie Garantien und in weniger erfolgreichen Zeiten gab es aber auch Fan-Proteste und sogar Ausschreitungen an Spieltagen, auch im Stadi...

Stadt und Land sind gleichermaßen froh, dass sich der "Business Case" der Eintracht so gut entwickelt.

Frank: So etwas ist natürlich sehr ärgerlich, vor allem auch für die vielen Fans, die sich auf diese Spiele freuen. Denken Sie an die vielen Familien, die das Stadion mit ihren Kindern besuchen. Was die Kosten für die Polizeieinsätze anbelangt: Die trägt das Land Hessen. Stadt und Land sind gleichermaßen froh, dass sich der "Business Case" der Eintracht so gut entwickelt. Darin liegt nicht nur ein hohes emotionales, sondern aber auch wirtschaftliches Potenzial. Solange es ein gutes Miteinander zwischen Verein, Land und Stadt gibt, sind alle froh, die Eintracht Frankfurt zu haben. Wir als Stadt jedenfalls sind stolz und auch gerne bereit, unseren Beitrag zu leisten.

heute.de: Sie sind nicht zufällig Eintracht-Mitglied und haben eine Dauerkarte auf der Ehrentribüne, oder?

Frank: Nein, da müssen Sie sich keine Sorgen machen (lacht). Ich bin unabhängig und stehe gerade auch in intensiven Verhandlungen mit Eintracht Frankfurt über die Stadionmiete. Es liegt auf der Hand, dass jeder Mieter immer sagt, er müsse zu viel bezahlen - das ist bei der Eintracht nicht anders. Aber ich weiß den Faktor Eintracht für die Stadt einzuschätzen und erkenne an, dass der Verein ein Aushängeschild für Frankfurt am Main ist.

heute.de: Lässt sich irgendwie beziffern, welchen Gewinn die Stadt aus der Eintracht zieht?

Frank: Der Gewinn lässt sich nicht komplett aufrechnen. Neben den Steuereinnahmen und dem volkswirtschaftlichen Nutzen der Heimspiele durch Tourismus, Gastronomie, Einzelhandel und Hotellerie zum Beispiel kann man den Imagefaktor für eine Stadt nicht in Zahlen fassen. Wenn wir etwa an die emotionalen Bilder denken, die nach dem DFB-Pokalgewinn der Eintracht im vergangenen Jahr um die Welt gingen, dann ist so was nicht zu bezahlen. Das war auch eine sehr authentische und gigantische Stadtmarketingaktion, von der die Stadt in hohem Maße profitiert hat.

heute.de: Sie klingen fast wie ein Vereinssprecher…

Frank: Naja, wir müssen eben einfach das Ganze betrachten und da muss ich sagen: Eintracht Frankfurt ist insgesamt ein großer Segen für die Stadt. Es ist einfach gut, erfolgreiche Vereine in der Sportstadt Frankfurt am Main zu haben. Wir haben ja neben dem Fußball auch Eishockey und Basketball in der Bundesliga. Sport ist wie Kultur ein Bereich, in dem sich Menschen erfreuen und Energie schöpfen.

heute.de: Der Stadtstaat Bremen blickt nicht ganz so euphorisch auf die Bundesliga und möchte nicht weiter allein die Kosten für Polizeieinsätze rund um Risikospiele tragen. Können Sie den Argumenten der Bremer etwas abgewinnen?

Frank: Im Stadtstaat Bremen ist die Situation ja eine andere als bei uns. Bremen muss für die Polizeikosten aufkommen, Frankfurt nicht, weil hier wie gesagt das Bundesland gefragt ist. Aber natürlich ärgern sich alle, wenn im Fußballstadion was schiefgeht und es zu Ausschreitungen kommt. Um so etwas zu verhindern, leisten wir auch präventiv Fanarbeit. Die Stadt Frankfurt am Main beteiligt sich jährlich mit circa 60.000 Euro an Fanprojekten. Ich finde, das ist gut investiertes Geld.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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