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Die Rekrutin auf der Hardthöhe - Vorantasten in unbekanntem Gelände

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AKK in Jordanien und im Irak: Auf ihrer ersten Reise beobachtet man eine Verteidigungsministerin, die noch eine steile Lernkurve hinlegen muss, bevor sie eine Linie vorgeben kann.

Annegret Kramp-Karrenbauer mit Bundeswehrsoldaten in Jordanien
Quelle: dpa

"Das nehme ich mit nach Berlin", sagt Annegret Kramp-Karrenbauer mehr als einmal bei ihrem ersten Besuch in einem Einsatzland der Bundeswehr. Die Visite in Amman und später auf der Al-Azraq Luftwaffenbasis, auf der die deutschen Tornados stationiert sind, die über Syrien und dem Irak nach den Überresten des sogenannten Islamischen Staates (IS) suchen, ist geprägt von Vorsicht.

Inzwischen liefern die deutschen Flugzeuge mehr als die Hälfte aller Aufklärungsergebnisse aus der Luft für die Koalition aus 75 Nationen, die sich zusammengeschlossen haben, den IS bis zum Schluss zu bekämpfen. Darauf könnte die Ministerin stolz sein, doch ihre Zufriedenheit blitzt nur selten durch. Man merkt Kramp-Karrenbauer an, wie vorsichtig sie agiert. Bloß keinen Fehler machen in der internationalen Diplomatie. Und bloß nicht mit einer falschen Äußerung wieder neues Porzellan in der heimischen Koalition zerschlagen.

Doch wenn der Stolz auf die Truppe -  die jetzt ihre Truppe ist - einmal durchblitzt, sind es ihre starken Momente. "Man vertraut uns", sagt sie zum Abschluss des ersten Besuchstages über die Gespräche, die sie mit dem jordanischen König Abdullah und dem Außenminister Ayman Safadi geführt hat. Und es wäre "ein Schlag, wenn sich Deutschland hier zurückziehen würde". Klar und schnörkellos.

Die Anfangsfehler der anderen

Die neue Verteidigungsministerin, die jetzt ziemlich genau einen Monat im Amt ist, scheint noch jeden Moment zu lernen. Wenn man sich zurück erinnert, ging es vielen ihren Vorgängern auf der Hardthöhe (wo noch immer der Hauptsitz des Ministeriums liegt) nicht anders. Ursula von der Leyen hatte Mühe, sich an die Dienstgrade zu gewöhnen, Franz-Josef Jung unterhielt Journalisten gerne mit Anekdoten aus dem letzten scharfen Nato-Alarm, als er noch Wehrpflichtiger war. Das war allerdings in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Und Peter Struck, der auch eher zufällig Minister wurde, freute sich eher an der Kameradschaft mit "meinen Jungs", wie er die Soldaten gerne nannte, als an strategischen Fragen der Sicherheitspolitik.

Bloß nichts falsch machen!

Kramp-Karrenbauer macht im neuen Amt bisher keine Fehler. Sie hat sich vorbereitet. Gespräche mit den Fachleuten im Ministerium, Lesestoff übers Wochenende, Vier-Augen-Gespräche mit ihren größten Kritikern aus der Koalition. Sie will verstehen, wie die Truppe und wie das politische Umfeld tickt.

Doch eigene Festlegungen, das Vorgeben einer Linie, vermisst man bisher bei der neuen Ministerin, für die nach eigener Wahrnehmung die internationalen Themen eigentlich kein Neuland sind, weil man darüber ja immer auch wieder im Koalitionsausschuss beraten habe. Aber eine eigene Haltung zum Mandat für den Syrien- und Irak-Einsatz muss man ihr regelrecht aus der Nase ziehen.

Erst auf Nachfrage sagt sie, dass sie "dafür ist, dass dieser Einsatz weiter geführt wird". Weil sie "persönlich der festen Überzeugung" sei, dass man hier das richtige mache. Vielleicht ist sie so zögerlich, weil sie ahnt, dass eine Festlegung der zuständigen Ministerin die Verhandlungen in der Koalition nur komplizierter macht. Dass zwei festgezurrte Positionen - die SPD gegen, die Union für den Einsatz - die Sache kein Stück voranbringen, sondern nur den nächsten Koalitionskrach heraufbeschwören würde.

Es läuft nicht rund für AKK

Und womöglich ist sie geprägt von den vielen, vor allem kommunikativen Pannen, die sie sich selbst in den letzten Wochen in ihrer Rolle als CDU-Vorsitzende geleistet hat. Als sie in einem TV-Interview die schwarze Null im Haushalt mit der Schuldenbremse verwechselte. Als sie mit einer missverständlichen Äußerung in einem Zeitungsinterview einen Parteiausschluss von Hans-Georg Maaßen zwar nicht forderte, aber eben auch nicht ausgeschlossen hatte.

Es läuft nicht rund für AKK. Und so ist sie nun hin- und hergerissen zwischen der Vermeidung eines neuen Koalitionskrachs mit der SPD und einer Situation, die die Bundeswehr aus Jordanien und dem Irak abziehen lässt und sich damit den Zorn des notorisch wütenden US-Präsidenten auf sich ziehen würde. Und der würde seine Triaden sicher nicht über der SPD niedergehen lassen.

Mehr zum ersten ausländischen Truppenbesuch der Verteidigungsministerin lesen Sie hier:

Annegret Kramp-Karrenbauer in Jordanien

Kramp-Karrenbauer in Jordanien - Auf Bewährungstour

Belastet vom Koalitionsstreit und beäugt von den Partnern reist Kramp-Karrenbauer nach Jordanien und in den Irak. Für die neue Verteidigungsministerin ein schwieriges Terrain.

von Mathis Feldhoff, Amman
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