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Neue Erreger sorgen für Unruhe - Risikofaktor Kuhmilch unter der Lupe

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Forschungen des Krebsforschers und Nobelpreisträgers Harald zur Hausen über Erreger in Kuhmilch und Rindfleisch haben aufhorchen lassen. Wir haben nachgefragt.

Milch wird in Glas eingeschenkt
Neue Forschungen zu Erregern in Kuhmilch werfen Fragen auf.
Quelle: zdf

Veröffentlichungen über Erkenntnisse zu neuartigen Erregern in Kuhmilch und Rindfleisch, die Risikofaktoren für die Entwicklung von Krebs sein können, haben bei Verbrauchern für Unruhe gesorgt. Darf ich noch Kuhmilch trinken oder sollte ich mich lieber vegan ernähren - und wie kann ich mich vor Darmkrebs schützen? Das hat viele unserer Nutzer in den sozialen Netzwerken umgetrieben. Wir haben im Deutschen Krebsforschungszentrum nachgefragt und die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Wie und wo wurde nach dem verantwortlichen Erreger gesucht?

Es gab Blut-Untersuchungen von Hunderten von europäischen Milchkühen, zusätzlich von zahlreichen Proben von kommerziell erhältlicher Milch und Milchprodukten aus Supermärkten. Außerdem erfolgte wurde eine Analyse Hunderter Blutproben von gesunden Menschen und Darmkrebs-Patienten.

Archiv: Eine Kuh streckt ihre Nase vor und eine Hand hält ein Glas Milch

Neue Studie - Darmkrebs: Mediziner warnen vor Kuhmilch

Den Rat, zum Schutz vor Darmkrebs nicht zu viel rotes Fleisch zu essen, gibt es schon lange. Wissenschaftler sind der Ursache auf der Spur - und warnen nun auch vor Kuhmilch.

Handelt es sich um eine neuartige Klasse von Erregern?

Die Erreger weisen große Ähnlichkeit mit Sequenzen spezifischer bakterieller Plasmide auf. Nach ihrem Auffindungssort wurden sie als "Bovine Meat and Milk Factors" (BMMFs) bezeichnet. Derzeit laufen Untersuchungen, ob die BMMFs in der Milch in so genannten "Milch-Exosomen" vorliegen, kleine Bläschen, die sich von der Zelle abschnüren. Die Natur dieser Erreger ist also bislang nicht eindeutig definiert. Sie stellen eine neue Klasse von Erregern dar, die in ihren Charakteristika zwischen Viren und Bakterien liegen und werden "Plasmidome" genannt.

Wie und wann infizieren sich Menschen mit den BMMFs?

Baby
Im ersten Lebensjahr entwickelt das Baby sein Immunsystem - Stillen unterstützt es dabei.
Quelle: dpa

Es ist bekannt, dass das Immunsystem des Menschen erst nach etwa einem Lebensjahr ausgereift ist. Daher ist zu vermuten, dass Säuglinge bereits frühzeitig beim Zufüttern mit Kuhmilch infiziert werden. Ist das Immunsystem ausgereift, liegt ein besserer Schutz gegen die Infektion vor.

Müssen wir nun Rindfleisch und Milchprodukte meiden?

Ein Verzicht dürfte beim Erwachsenen nur wenig Wirkung zeigen, da wir vermutlich bereits alle mit BMMFs infiziert wurden. Allerdings sollte man Säuglinge keinesfalls früh mit Kuhmilchprodukten füttern.

Sind die BMMFs in menschlichen Zellen aktiv?

Eine Vervielfältigung (Replikation) der BMMFs in menschlichen Zellen ist nachgewiesen. Dabei sind die Erreger auf zelluläre Proteine angewiesen, die bislang noch nicht bestimmt wurden. In mehreren Gewebebereichen sind die Erreger aktiv. Beim Darmkrebs zum Beispiel in der Darmschleimhaut.

Was bewirken die Erreger?

Computergrafik Darmkrebs
Darmkrebsvorsorge ist wichtig.
Quelle: imago

In Zellen, die mit den BMMFs infiziert sind, wurden höhere Entzündungswerte nachgewiesen, weil die Erreger durch ihre Wirkung in der Zelle Entzündungen begünstigen. Die Erreger wirken indirekt und die Menge macht das Gift - wenn jetzt viele Entzündungen zusammen kommen, dann wird eine Zelle auch anfälliger für Krebs. Chronische Entzündungsreaktionen werden seit langem schon als mögliche Ursache von Darmkrebs diskutiert, etwa als Basis für die Entstehung von alkoholbedingtem Magen- und Darmkrebs. Ob man auch mit BMMFs infiziert sein kann, ohne dass eine Entzündung auftritt, dazu gibt es keine Forschungsergebnisse.

Wie hoch ist das Krebsrisiko?

Derzeit wird geprüft ob das Überleben bei Darmkrebs mit der Menge an im Darmgewebe nachgewiesenem BMMFs korreliert.

Welchen BMMFs- Level habe ich - gibt es einen Test?

Derzeit gibt es keine solchen Tests. Es ist aber denkbar, sie zu entwickeln.

Wie könnte ich mich gegen Infektion mit den Erregern schützen?

Es ist davon auszugehen, dass Menschen sich mit den BMMFs im frühen Säuglingsalter infizieren – wenn ihr Immunsystem noch nicht ausgereift und leistungsfähig ist. Ab einem Alter von zwölf Monaten ist das Baby wahrscheinlich immunkompetent und kann viele Erreger abwehren. Bekannt ist, dass langes Stillen (über sechs Monate) Säuglinge vor der Infektion mit einer ganzen Reihe von Erregern schützen kann (Noroviren, Rotaviren, HIV). Ursache dafür sind bestimmte Zuckerverbindungen in der Muttermilch, die verhindern, dass die Erreger an die Rezeptoren der Zelloberfläche andocken, über die sie normalerweise ins Zellinnere gelangen.

Ist eine Impfung gegen BMMFs denkbar?

Denkbar wäre es, Rinder zu impfen und so die Übertragung der BMMFs auf den Menschen zu verhindern. Auch eine Schutzimpfung von Babys ist vorstellbar. Dazu gibt es Prüfungen.

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