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Not in der Notaufnahme

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Krankenhäuser am Limit - Not in der Notaufnahme

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Überfüllte Notaufnahmen, zu wenig Betten, Mangel an Pflegekräften - in Hamburg beraten Mediziner derzeit unter anderem, wie sie mit dem Stress in Kliniken besser umgehen können.

Eine Notarztjacke hängt im Schockraum einer Notaufnahme.
Bis zu 80 Notfall-Patienten in einer Schicht: 70 Prozent der Ärzte haben Anzeichen für Burn-Out.
Quelle: DPA

Unter der Woche habe er noch Zeit, mit den Patienten zu sprechen, teilweise auch mit den Angehörigen. Dann merke Markus L. (Name von der Redaktion geändert) sofort, wie viel Spaß ihm seine Arbeit in der Notaufnahme machen kann. Der Patient sei dankbar und er glücklich. Eigentlich eine Win-Win-Situation. Leider aber eher die Ausnahme in Deutschlands Notaufnahmen.

In einer 24-Stunden-Schicht habe ich locker 30 Patienten in der Notaufnahme. In der Spitze auch mal 80.
Markus L. (anonym), Unfallchirurg in Ausbildung

Denn immer mehr Patienten sollen in immer kürzeren Zeitintervallen behandelt werden. Der Druck auf die Mediziner, vor allem auf die Assistenzärzte, steigt. Das ist auch der Grund, weshalb Markus L. anonym bleiben möchte. Der 30-Jährige macht derzeit seinen Facharzt zum Unfallchirurgen und Orthopäden. Dass sein Job anstrengend werden würde, wusste er.

Wie intensiv seine Schichten, vor allem die während der Bereitschaft sind, konnte er sich nicht ausmalen. "In einer 24-Stunden-Schicht habe ich locker 30 Patienten in der Notaufnahme. In der Spitze auch mal 80", berichtet Markus. Das Dienstzimmer, wo er sich während seiner Bereitschaft auch mal ausruhen sollte, sieht er kaum bis gar nicht.

70 Prozent der Mediziner mit Anzeichen für Burn-Out

Kevin Schulte arbeitet als Arzt in der Inneren Medizin in Kiel. In einer Studie hat er gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtsfürsorge junge Ärztinnen und Ärzte bis 35 Jahre zur Arbeitsbelastung befragt und Alarmierendes herausgefunden.

70 Prozent der befragten Mediziner weisen Anzeichen für einen Burn-Out auf, 22 Prozent geben in der Studie an, bereits Medikamente genommen zu haben, um mit dem Stress klar zu kommen.

Kevin Schulte wünscht sich mehr Zeit für seine Patienten. "Wir haben uns ein Hamsterrad geschaffen. Unsere Medizin lässt derzeit außen vor, dass wir verstehen müssen, was der einzelne Patient gerade an Hilfe braucht und wir nicht wie in einer Autowerkstatt immer das Gleiche tun, das Gleiche anwenden."

Zwischen Virusinfekt und Verkehrsunfall.

Beitragslänge:
6 min
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Lage deutlich zugespitzt

Eine gewisse Anzahl an Patienten kommt in die Notaufnahme, weil es komfortabel ist, wir gute Öffnungszeiten haben.
Kevin Schulte, Arzt für Innere Medizin in Kiel

Zur Wahrheit in Deutschlands Krankenhäusern gehört aber auch, dass die Patienten selbst zum hohen Aufkommen in den Notaufnahmen beitragen. Nicht alle Menschen müssen sofort behandelt werden – trotzdem suchen immer mehr den direkten Weg in die Notambulanz.

"Eine gewisse Anzahl an Patienten kommt in die Notaufnahme, weil sie die Strukturen gar nicht kennen, weil es komfortabel ist, wir gute Öffnungszeiten haben. Aber auch, weil der Bedarf in einer älter werdenden Gesellschaft zugenommen hat. Die Lage hat sich deutlich zugespitzt", so Kevin Schulte.

Notarzt per Videoschalte als Lösung

Ein Modell, welches Kliniken entlasten soll und gleichzeitig dem Ärztemangel in ländlichen Gebieten entgegenwirken soll, ist die so genannte Telenotfallversorgung. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald läuft gerade das Testprojekt "Land-Rettung".

Ein Telenotarzt soll die Sanitäter bei ihren Einsätzen per Videoschalte aus der Zentrale unterstützen. Das wiederum wirke sich auch positiv auf die Notaufnahmen in den Kliniken aus, die dadurch entlastet werden können. So gibt es bestimmte Situationen, wo die Sanitäter den Patienten direkt im Rettungswagen – unter ärztlicher Anleitung des Telenotarztes – behandeln können.

Telenotarzt bald im Regelbetrieb?

"Unterzuckerung ist da ein gutes Beispiel. Wir dürfen dem Patienten Glucose geben, er muss dadurch nicht mehr ins Krankenhaus", erzählt die Notfallsanitäterin Nicole Spiekermann. Auch der ärztliche Leiter Lutz Fischer kann das bestätigen: "Unser System führt zur Entlastung in Notaufnahmen."

Das Projekt soll bis März noch weiterlaufen. Dann wird entschieden, den Telenotarzt in den Regelbetrieb aufzunehmen. Es kann also Wege geben, die angespannte Situation in der Notfallmedizin zu entlasten. Am Ende müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, bei denen es nicht zur Ausnahme wird, für den Patienten ausreichend Zeit zu haben.

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