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Krankenhaus-Morde - Niels H. soll mehr als 100 Menschen getötet haben

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Er wollte sich vor den Kollegen im Krankenhaus als Retter aufspielen: Der Krankenpfleger Niels H. aus Niedersachsen soll mehr als 100 Patienten getötet haben.

Archiv: Der Haupteingang des Klinikums Oldenburg, Niedersachsen, aufgenommen am 27.11.2014
Der frühere Delmenhorster Krankenpfleger Niels H. soll zwischen 2000 und 2005 insgesamt 106 Menschen getötet haben. Im Klinikum Delmenhorst soll er für 68 Tode verantwortlich sein, im Klinikum Oldenburg für 38. (Archivbild) Quelle: dpa

Der bereits verurteilte Patientenmörder Niels H. ist nach Abschluss aller toxikologischen Untersuchungen für mehr als 100 Todesopfer an den Kliniken Delmenhorst und Oldenburg verantwortlich. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Oldenburg am Donnerstag mit. Den Untersuchungen zufolge können ihm 62 Sterbefälle in Delmenhorst und 38 Fälle in Oldenburg zugerechnet werden.

Ermittler: Morde hätten verhindert werden können

In fünf der Oldenburger Fälle müssten allerdings noch weitere Untersuchungen erfolgen. Niels H. ist bereits wegen sechs Taten zu lebenslanger Haft verurteilt worden, unter anderem wegen zwei Morden. Die Staatsanwaltschaft will wegen der neuen Fälle voraussichtlich Anfang kommenden Jahres Anklage erheben. Niels H. hatte gestanden, Patienten eine Überdosis von Medikamenten gespritzt zu haben, um sie anschließend wiederbeleben zu können. Damit wollte er sich vor Kollegen als heldenhafter Retter beweisen. Mehr als 130 frühere Patienten der beiden Kliniken ließ die eigens dafür eingerichtete Sonderkommission der Polizei in den vergangenen drei Jahren ausgraben und auf Rückstände von Medikamenten testen.

Fest steht nach Ansicht der Ermittler, dass ein großer Teil der Morde hätte verhindert werden können. Schon am Klinikum Oldenburg gab es eine Statistik, die zeigte, dass während der Schicht von Niels H. die Sterberate und die Zahl der Reanimationen stieg. Das Klinikum Oldenburg trennte sich von dem verdächtigen Pfleger und stellte ihm sogar ein gutes Arbeitszeugnis aus. Eine Warnung an das Klinikum Delmenhorst blieb aus. Auch dort gab es bald Gerüchte, weil auffällig viele Patienten während der Schicht von Niels H. starben. Später lagen auch handfeste Beweise vor: Zwei frühere Oberärzte und der Stationsleiter werden deshalb wegen Totschlags durch Unterlassen vor Gericht stehen.

Vorwürfe von Patientenschützern

Von einem großen Versagen hatte die Deutsche Stiftung Patientenschutz gesprochen. Tätern werde es in Krankenhäusern und Pflegeheimen immer noch zu leicht gemacht. In vielen der bundesweit 2.000 Krankenhäusern seien die Kontrollmechanismen nicht verschärft werden.

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