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Pfleger soll fünf Patienten ermordet haben

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Parallelen zum Fall Niels Högel - Pfleger soll fünf Patienten ermordet haben

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Im Saarland soll ein Krankenpfleger Patienten lebensbedrohliche Medikamente verabreicht haben, um sie anschließend reanimieren zu können. Fünf davon starben beim Versuch.

Ein Krankenpfleger geht über einen Flur in einem Krankenhaus
Der 27-Jährige war als Krankenpfleger in einer saarländischen Klinik beschäftigt. (Symbolbild)
Quelle: dpa

Der Fall erinnert an Niels Högel: Ein ehemaliger Krankenpfleger soll im Saarland fünf schwerstkranke Patienten getötet haben. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ermittelt nach eigenen Angaben wegen fünf Morden und zwei versuchten Morden gegen den Mann, der derzeit eine Haftstrafe wegen Betrugsdelikten verbüßt.

Staatsanwaltschaft: Beschuldigter wollte selbst reanimieren

Es steht der Verdacht im Raum, dass er Patienten mit Medikamenten in lebensbedrohliche Zustände versetzte, um sie dann wiederzubeleben. Laut Staatsanwaltschaft wurden inzwischen sieben Patienten einer Klinik in Völklingen exhumiert, die zwischen März 2015 und März 2016 verstarben. In sechs Fällen wurden verschiedene, nicht von Ärzten verschriebene Wirkstoffe mit potenziell tödlicher Wirkung gefunden. Darunter war das ebenfalls von Högel verwendete Ajmalin.

Es bestehe der Verdacht, dass der Beschuldigte "in der Absicht handelte, bei den Patienten einen reanimationspflichtigen Zustand herbeizuführen, um anschließend selbst Reanimationsmaßnahmen durchführen zu können", erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Saarland Heilstätten GmbH (SHG) zeigte sich in einer Stellungnahme erschüttert. Der Beschuldigte sei vom 1.1.2015 bis 30.4.2016 als Pfleger in der operativen Intensivstation der Klinik beschäftigt gewesen. Vorausgegangen sei eine fristlose Kündigung am 30.3.2016 wegen "illoyalen Verhaltens" gegenüber dem Arbeitgeber, teilte ein Sprecher mit. Der Pfleger habe eine Klage dagegen eingereicht, dann sei das Arbeitsverhältnis mit einem gerichtlichen Vergleich beendet worden. Der Beschuldige selbst schweige zu den Vorwürfen.

Ermittlungen schon vor drei Jahren eingeleitet

Ermittlungen begannen schon vor mehr als drei Jahren kurz nach den mutmaßlichen Taten im Juni 2016. Damals sei der nicht näher identifizierte Beschuldigte an einem frühen Morgen auf einer internistischen Intensivstation eines Krankenhauses in Saarburg erschienen und habe sich als Notarzt der Uniklinik Homburg ausgegeben, der an einem Patienten eine spezielle Untersuchung vornehmen müsse. Dabei hatte er eine Notarztjacke sowie einen Defibrillator bei sich. Er gelangte nicht bis zu dem Patienten, sondern wurde stattdessen von der Polizei festgenommen.

Deren Nachfragen in Homburg ergaben, dass der Mann dort nicht als Arzt, sondern als Pfleger auf einer Intensivstation arbeitete und in jener Nacht nicht zu seiner Schicht erschienen war. Es stellte sich dabei ferner heraus, dass gegen den Verdächtigen seitens der Klinik bereits interne Ermittlungen liefen. Es bestand demnach der Verdacht, dass er einer Patientin ein Medikament verabreicht hatte.

Keine Hinweise auf ähnliche Fälle in Wiesbaden und Frankfurt

Der Mann war demnach von Januar 2015 bis März 2016 an der Klinik in Völklingen beschäftigt, danach von Anfang Mai bis Mitte Juni 2016 kurzzeitig am Universitätskrankenhaus Homburg. Weitere Details zu dem Fall und den Abläufen nannte die Staatsanwaltschaft nicht.

Der 27-Jährige war nach Auskunft der Staatsanwalt Saarbrücken zuvor in Kliniken in Wiesbaden und Frankfurt beschäftigt gewesen. Die zuständigen Ermittlungsbehörden in Hessen würden über die neuen Erkenntnisse informiert. Es gebe vorerst keine konkreten Hinweise auf ähnliche Taten in Wiesbaden und Frankfurt - das dortige Wirken des Beschuldigten müsse aber geprüft werden.

Parallelen zu Högel-Morden

Der Fall erinnert an den Krankenpfleger Niels Högel, der wegen der Tötung von insgesamt 91 Intensivpatienten an zwei Krankenhäusern in Niedersachsen eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes verbüßt. Er hatte zwischen 2000 und 2005 massenhaft Patienten eigenmächtig Medikamente verabreicht, um lebensbedrohliche Zustände auszulösen und sie anschließend wiederzubeleben. Viele Opfer starben dabei. Die Vorwürfe gegen Högel kamen erst schrittweise und teilweise mit jahrelanger Verzögerung ans Licht.

Insgesamt gab es drei Prozesse gegen ihn, der letzte endete im Juni mit einer Verurteilung wegen 85-fachen Mordes. Es wird vermutet, dass Högel noch weitaus mehr Menschen tötete. Entsprechende Verdachtsmomente lassen sich aber nicht mehr konkretisieren - unter anderem weil viele frühere Patienten feuerbestattet wurden und eine Obduktion unmöglich ist.

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