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Anfrage der Linksfraktion - Fehltage wegen psychischer Leiden verdoppelt

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Immer mehr Menschen melden sich wegen psychischer Probleme krank. Die wirtschaftlichen Kosten sind immens. Wer dafür verantwortlich ist - darüber gehen die Meinungen auseinander.

Archiv: Burnout-Patient schaut aus dem Fenster einer Klinik, aufgenommen am 01.04.2011
Bei Männern zwischen 60 und 65 wurden die meisten Krankentage aufgrund psychischer Probleme festgestellt.
Quelle: dpa

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Krankentage wegen psychischer Probleme mehr als verdoppelt. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, die dem ZDF vorliegt. Die Zahl ist demnach von rund 48 Millionen im Jahr 2007 auf 107 Millionen im Jahr 2017 angestiegen.

Die daraus entstehenden wirtschaftlichen Ausfallkosten haben sich laut dem Papier von 12,4 Milliarden Euro auf 33,9 Milliarden Euro fast verdreifacht.

Besonders ältere Männer betroffen

Männer kamen demnach auf eine deutlich höhere Zahl an psychisch bedingten Krankheitstagen als Frauen. Ältere Beschäftigte hätten sich häufiger aus psychischen Gründen krank gemeldet als jüngere. Bei Männern zwischen 60 und 65 habe es die meisten Krankentage gegeben. Auf 100 Versicherte kämen 434 Ausfalltage.

Auch die Zahl der Renteneintritte wegen verminderter Erwerbsfähigkeit sei aufgrund psychischer Störungen um gut 18.000 angestiegen. Die Zahlen basieren auf Sozialversicherungsdaten und Berechnungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Angaben für das Jahr 2018 liegen demnach noch nicht vor.

Wer muss handeln?

Die Bundesregierung sieht bei der Bekämpfung der Stressfaktoren in erster Linie die Arbeitgeber in der Pflicht: Gegen psychische Belastungen würden keine neuen Arbeitsschutzregeln helfen, heißt es in der Regierungsantwort. Ziel müsse es sein, Betriebe und Beschäftigte zu befähigen, das vorhandene Arbeitsschutzinstrumentarium, zu nutzen, "um Gesundheitsrisiken durch psychische Belastungen frühzeitig erkennen und durch eine menschengerechte Arbeitsgestaltung verhindern zu können."

Die Bundesregierung schaut Däumchen drehend zu.
Arbeitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Jutta Krellmann

Die arbeitspolitische Sprecherin der Linksfraktion kritisierte die Auffassung der Bundesregierung. Diese Haltung grenze an "vorsätzliches Staatsversagen", sagte Jutta Krellmann. Viele Arbeitgeber würden auf Verschleiß fahren, Beschäftigte würden über ihre Belastungsgrenze getrieben. "Die Bundesregierung jedoch schaut Däumchen drehend zu." Dabei sei es offensichtlich, dass die jetzigen Instrumente nicht ausreichten. Die Linke fordert stattdessen eine staatliche Anti-Stress-Verordnung und flächendeckende Arbeitsschutzkontrollen.

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