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Webseite mit kritischem Angebot - Krankschreibung per WhatsApp - geht das?

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Über eine neue Internetseite kann man sich angeblich ganz einfach krankschreiben lassen. Technisch geht das - aber ob man es auch tun sollte? Vorsicht, sagt ein Jurist.

Smartphone und Taschentuch
Smartphone und Taschentuch: Wer sich fürs Krankschreiben aufs Handy verlassen will, sollte vorsichtig sein.
Quelle: imago

Wer als Angestellter krank ist und ein Attest braucht, musste bislang zum Arzt. Aber auch das soll jetzt online gehen. Und zwar auf au-schein.de. Dort wird die Krankschreibung über den Facebook-Nachrichtendienst WhatsApp angeboten.

Hierzu muss man auf der Seite au-schein.de lediglich ein paar Symptome anklicken, wie zum Beispiel "Nase verstopft", "Kopfweh" oder "Heiserkeit". Nach Abfrage persönlicher Daten und Überweisung von neun Euro erhält man zunächst über WhatsApp eine Bestätigung - und wenige Stunden später auch die Krankschreibung digital, unterschrieben von irgendeinem zugelassenen Arzt. Einige Tage später soll sie mit der Post nachkommen.

Letztes Jahr hatte der Ärztetag den Weg freigemacht für die sogenannte Telemedizin, also der Fernbehandlung von Patienten. Die meisten Bundesländer haben Landesgesetze bereits entsprechend geändert. Doch erlaubt die Telemedizin auch eine Krankschreibung, ohne dass Ärzte den Patienten auch nur gesehen haben? Die Hamburger Ärztekammer sieht das sehr kritisch. Ihr Präsident Pedram Emami hat nichts gegen die Telemedizin als solche. Er glaubt aber nicht, dass ein Arzt bei einem reinen "Klickmodell" vernünftig beurteilen kann, wie der Zustand des Patienten ist.

Sicherheitsmaßnahmen gegen Blaumacher

Der Gründer von au-schein.de, Can Ansay, sieht das anders. Er meint, dass computergestützte Entscheidungen von Ärzten die Rate von Fehldiagnosen sogar verringern würden. Konfrontiert mit dem Vorwurf, das Klicksystem sei leicht manipulierbar, entgegnet Ansay, ein Patient könne auch beim Arzt vor Ort flunkern, wenn er etwa Schwindel oder Kopfschmerz simuliere.

Bisher musste man für eine Krankschreibung zum Arzt. Doch nun gibt es einen neuen Weg – die Krankschreibung per WhatsApp. Viele sehen das allerdings kritisch.

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Mit dem Dienst kann man sich nicht zeitlich unbeschränkt krankschreiben lassen, sondern zweimal im Jahr für jeweils drei Tage. Das seien Sicherheitsmaßnahmen gegen die Verwendung der App durch Blaumacher, so Unternehmer Ansay. Wer schwere Symptome anklickt, bekommt kein Attest. Stattdessen erscheint die Aufforderung, dass ein Arzt konsultiert werden soll.

Der Anwalt rät: Vorsicht

Die interessante Frage, ob man mit einem solchen Attest überhaupt eine wirksame Krankschreibung aufweisen kann, beantwortet Rechtsanwalt Lars Behn eindeutig: Arbeitgeber müssten eine solche Krankschreibung nicht akzeptieren, da keine echte Untersuchung stattgefunden habe. Die im Streitfall üblicherweise geltende Vermutung, dass der Arbeitnehmer auch tatsächlich krank sei, würde daher nicht gelten.

Arbeitnehmer würden bei Vorlage einer solchen WhatsApp-Krankschreibung sogar ihre Lohnfortzahlung aufs Spiel setzen. Und im Streitfall müssten sie anderweitig nachweisen, tatsächlich krank gewesen zu sein. Erkennen können Arbeitgeber die Online-Krankschreibung an der Angabe "Tele-AU" im Arztadressfeld des Arztes.

So komfortabel eine Online-Krankschreibung ist, wer rechtlich auf der sicheren Seite sein will, muss bislang weiter zum Arzt. Denn das bloße Anklicken von Symptomen genügt wohl nicht den Mindestanforderungen an eine ärztliche Untersuchung. Sollte aber das Modell weiterentwickelt werden, etwa durch einen Videochat zwischen Arzt und Patient, werden sich Arbeitnehmer bequem von zu Hause ohne rechtliche Gefahren krankschreiben lassen können.

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