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Neuer Protest in Kiel - Nervosität vor der Anti-Kreuzfahrer-Demo

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Eine Initiative macht gegen die Kreuzfahrtschiffe mobil: Weil die Schiffe der Umwelt schaden, ist wieder eine Demo in Kiel geplant - die Behörden sind alarmiert.

Die Artania im Hafen von Kiel überragt die kleinen Segler bei Weitem.
Die Artania im Hafen von Kiel überragt die kleinen Segler bei Weitem.
Quelle: Leonard Schubert

Wenn die Kreuzfahrer an diesem Samstag vom Kieler Bahnhof zu ihren Dampfern eilen, dürften sie sich schnell mitten drin finden in einer großen Demonstration gegen ihre Art Urlaub zu machen und gegen die Schiffe, die sie in den nächsten Tagen durch die Ostsee schippern.

Ein Protest mit schwer kalkulierbarem Potential: An Pfingsten erlebten die Passagiere an Bord der "Zuiderdam", was so eine Protestaktion für Folgen haben kann: Spontan hatte eine Gruppe junger Demonstranten den Wulstbug des 291 Meter langen Kreuzfahrers besetzt, um das Schiff mit Schlauchbooten gekreuzt und einen Kran bestiegen - die überraschte Polizei brauchte Stunden, um dem Urlaubsdampfer den Weg frei zu räumen.

Archiv: Aktivisten blockieren am Pfingstsonntag das Kreuzfahrtschiff "Zuiderdam" im Kieler Hafen, aufgenommen am 18.06.2019
Aktivisten blockieren am Pfingstsonntag das Kreuzfahrtschiff "Zuiderdam" im Kieler Hafen.
Quelle: dpa

Gleiches soll sich an diesem Samstag, an dem gleich sechs große Passagierschiffe im Kieler Hafen festmachen, nicht wiederholen, versichern jedenfalls die Veranstalter der Kieler Demonstration. Auch Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) wünscht sich einen friedlichen Verlauf: "Wir wollen auch in Kiel, dass die Kreuzfahrer ökologischer und nachhaltiger werden, und jeder öffentliche Druck kann uns dabei helfen." Den reibungslosen Ablauf der Reisen hält Ulf Jahnke, Pressesprecher des Kieler Seehafens, am Samstag nicht für gefährdet.

Stopp für Kreuzfahrten gefordert

Den Aktivisten, die zur Demonstration aufgerufen haben, gehen die Maßnahmen für eine umweltschonende Kreuzfahrt noch lange nicht weit genug. Sie fordern "ein Ende der umweltzerstörerischen und ausbeuterischen Kreuzfahrt weltweit." Als Zwischenziel wünschen sie sich, dass "die Stadt Kiel ihre Subventionen für den Ausbau der Kreuzfahrt stoppt und keine weiteren Terminals gebaut werden." Zu hoch sei trotz Landstromanlagen und Abgasfiltern die Umweltzerstörung durch die Emissionen der Schiffe.

Wie es anders geht, zeigt das neueste Expeditionsschiff von Hurtigruten: Es ist das erste Kreuzfahrtschiff, das mit Batterietechnik an Bord fahren kann:

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Um auf die Auswirkungen von Kreuzfahrten aufmerksam zu machen, wollen die Demonstranten mit den Passagieren ins Gespräch kommen, die in Kiel an oder von Bord gehen werden. Sie fordern außerdem bessere Arbeitsbedingungen für die Angestellten der Schiffe.

Gastronomie befürchtet Einbußen

Die, die von den Touristen leben, sind davon nicht begeistert: Stefan Scholtis, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Schleswig-Holsteins fürchtet, anhaltende Demonstrationen könnten Passagiere und Reedereien langfristig aus dem Hafen vertreiben und Kiel als Wirtschaftsstandort schwächen: "Die Kreuzfahrttouristen sind essenziell wichtig für unsere Branche. Allein in der Gastronomie würde ein Wegfall der Kreuzfahrer Einbußen von bis zu 30 Prozent bedeuten."

Kiels Oberbürgermeister Kämpfer plädiert für internationale Maßnahmen gegen dreckigen Treibstoff. Die Kreuzschifffahrt zu beenden, ist für ihn keine Option. Stattdessen wünscht er sich weltweit ökologischere Konzepte für die Ozeanriesen, die verbindlich umgesetzt werden, sodass keine Wettbewerbsnachteile für Häfen oder Schiffe entstehen, die Geld in ökologische Maßnahmen stecken. "Ich habe ein großes Problem damit, dass auf offener See immer noch sehr viel Schweröl als Treibstoff genutzt wird, das mit sehr vielen Umweltschadstoffen belastet ist. Das kann aber nur international geregelt werden."

Das Aktionsbündnis "Initiative gegen Kreuzfahrtschiffe", das zur Demonstration unter anderem Vertreter von BUND, Greenpeace, NABU oder der Turbo Klima Kampfgruppe (TKKG) versammelt hat, kritisiert: Die zunehmende Masse an Kreuzfahrtschiffen führt zu mehr Emissionen - selbst wenn einzelne Schiffe durch Umstellung auf Diesel- oder Gasbetrieb weniger umweltschädlich sind.

Die Branche boomt

Die Branche erlebt einen Boom: 2018 waren mehr als zwei Millionen Deutsche auf Kreuzfahrten gegangen, im Jahr 2000 waren es gerade einmal 300.000, Tendenz steigend. Um den 30.000 Kreuzfahrern an diesem Samstag in Kiel eine störungsfreie Reise zu gewährleisten, haben Polizei und Hafenbehörde zahlreiche Einheiten mobilisiert.

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