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Diplomaten ringen um Kontrolle - Krieg der Kampfmaschinen

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Kampfroboter, die allein entscheiden, wen sie erschießen. Raketen, die vollautomatisch Radaranlagen zerstören. Über solche Waffensysteme verhandeln 75 Staaten in Genf.

Kampfroboter
Vertreter aus mehr als 75 Ländern verhandeln in Genf über den Umgang mit sogenannten Killerrobotern. Quelle: picture-alliance/ dpa

Standortübungsplatz Traunstein-Kammer des Gebirgsjägerbataillons 231: Normalerweise führen hier drei Gruppenführer mit ihren Soldaten die Befehle ihres Zugführers aus. Doch bei den Gebirgsjägern ist probeweise ein vierter Gruppenführer hinzugekommen.

Der ist für unbemannte Systeme zuständig. Das sind zurzeit zwei autonome Bodenfahrzeuge und zwei Drohnen. Geübt werden immer wieder zwei Szenarien des sogenannten vernetzten Gefechtsfeldes: eine knappe Stunde Marsch und Feindkontakt mit Scharfschützen.

Per Sensoren und Drohnen die Schützen orten

Beim Marsch fährt ein autonomes Fahrzeug dem Gebirgsjägerzug voraus und klärt die Lage. Fällt ein Schuss, erkennt das Bodenfahrzeug mit seinen Sensoren automatisch die Position des Schützen und schickt ein oder zwei Drohnen dorthin, um aufzuklären, wer denn da geschossen hat.

Unbemannte, vollautomatische Waffensysteme könnten in Zukunft ihre Ziele selbst suchen und töten. Rüstungshersteller argumentieren mit dem Schutz von Soldaten, Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Entwicklung.

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Die Gruppenführer des Zuges können auf ihren Tablets die Bilder der Infrarot- oder Wärmekameras der Drohnen sehen. Eingeblendet werden die genauen Standortdaten der Drohnen und des Bodenfahrzeugs sowie die berechneten Koordinaten der feindlichen Schützen. Anhand des Lagebildes befehlen dann die zuständigen Gruppenführer, wie die feindlichen Schützen bekämpft werden. Die Entscheidung über den Angriff fällt hier also noch der Mensch.

"Autonome Waffen wählen ihre Ziele selbstständig aus"

An der Grenze Nordkoreas zu Südkorea ist das ein wenig anders. Hier patrouillieren Kampfroboter, deren Kameras und Sensoren Menschen erkennen und auf sie schießen können. Damit sollen nicht nur angreifende Truppen abgewehrt, sondern auch die eigenen Landsleute an der Flucht in den Süden gehindert werden. Die Schussfreigabe muss allerdings zuvor ein menschlicher Grenzsoldat eingestellt haben. Die vollautomatische Funktion sei bei diesen Kampfrobotern nicht aktiviert worden, beeilt sich ein Sprecher der nordkoreanischen Grenzkommandantur zu beteuern.

Überprüft werden konnte das durch Waffeninspekteure der Vereinten Nationen bisher nicht. "Autonome Waffen wählen ihre Ziele selbstständig aus und greifen sie automatisch an, ohne menschliches Eingreifen", erläutert Neil Davison vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz. Eine international gültige Definition autonomer Waffensysteme fehlt aber bisher.

Abgrenzung zu autonomen Waffen fällt schwer

So sieht auch die israelische Armeeführung ihre Harpy-Rakete nicht als autonomes Waffensystem. Harpy kann Funksignale auswerten, auf dieser Basis eine Radaranlage erkennen und sie selbstständig zerstören. "Der Angriffsmodus muss aber vor dem Raketenstart freigeschaltet worden sein", wendet ein israelischer Armeesprecher ein. Deshalb handelt es sich bei Harpy im Verständnis der israelischen Militärs nur um ein teilautonomes System.

"Die Übergänge sind da fließend", warnt Thomas Küchenmeister von der internationalen Kampagne gegen Killerroboter vor einer Verharmlosung durch die Militärs. So weisen denn auch die meisten Vertreter der 75 Staaten, die sich nun eine Woche lang in Genf treffen, um über ein Verbot autonomer Waffensysteme zu verhandeln, darauf hin, dass bisher nur teilautonome Waffensysteme eingesetzt werden.

Die Unterscheidung zwischen vollständig autonomen und nur teilautonomen Waffensystemen fällt nicht immer leicht. So sind bereits Kampfroboter einsatzbereit, denen biometrische Daten verschiedener Menschen eingespeist werden.

Diplomaten ringen um Kontrolle

Sie begeben sich dann selbstständig auf die Suche. Haben sie einen solchen Menschen identifiziert, kommt es für die Militärs darauf an. Muss ein Mensch den Tötungsbefehl bestätigen, gilt solch ein Kampfroboter nur als teilautonomes Waffensystem. Entscheidet die Software des Kampfroboters dagegen ohne menschliches Zutun, dass sie die Zielperson erschießt, hätten wir es in der Diktion der Militärs mit einer autonomen Waffe zu tun.

In Genf wird nicht nur über ein Verbot vollständig autonomer Waffensysteme gestritten, sondern auch darüber, was mit teilautonomen passieren soll. "Die Verhandlungssituation ist da nicht immer ganz übersichtlich", bewertet der indische Diplomat Amandeep Gill, der der UN-Arbeitsgruppe vorsitzt, die Lage in Genf.

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