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Krieg, Folter und Hinrichtungen - Die tödliche Flucht über Libyen

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Von Libyen über das Mittelmeer nach Europa - die tödlichste Fluchtroute. Gefahr wartet nicht nur auf dem Meer. Tote in Haftlagern nimmt die Europäische Union in Kauf.

Archiv: Migranten in einem Gefangenenlager in Libyen am 17.05.2015
Ungezählt sind die Toten in den von Milizen geführten Gefangenenlagern. Dort sperrt die Einheitsregierung Migranten ein.
Quelle: picture alliance/AA

3.602 Migranten kamen dieses Jahr über Libyen nach Europa, 573 starben auf der Flucht über das zentrale Mittelmeer. Ungezählt sind die Toten in den Gefangenenlagern, in denen die Einheitsregierung Migranten einsperrt.

In dem Land herrscht Bürgerkrieg: Der abtrünnige General Chalifa Haftar kämpft mit seinen Milizen gegen die andere Seite, den Regierungschef Fayez al-Sarraj und seine Milizen. Das Auswärtige Amt schreibt in einer Reisewarnung: "Bewaffnete Gruppen mit zum Teil unklarer Zugehörigkeit treten häufig als Vertreter der öffentlichen Ordnung auf, sind jedoch nicht ausgebildet und wenig berechenbar."

Wie ist die Lage in libyschen Flüchtlingslagern?

Etwa 5.700 Migranten werden laut Flüchtlingshilfswerk der UN (UNHCR) in staatlichen Haftlagern festgehalten, in denen es zu massiven Menschenrechtsverstößen kommt. Wasser und Essen sind oft knapp, viele Lager sind unter privater Kontrolle.

Die interaktive Karte zeigt die Gefangenenlager, in denen die libysche Regierung Migranten festhält.

Schon 2017 warnte ein Bericht der deutschen Botschaft vor katastrophalen Zustände in den Lagern. Der Titel des Papiers: "Rückkehr aus der Hölle". Handyfotos und -videos belegen dem Bericht zufolge die "KZ-ähnlichen Verhältnisse" in Privatgefängnissen im Süden Libyens. Hinrichtungen, Folter, Vergewaltigung und Erpressung sind an der Tagesordnung, so der Bericht: "Augenzeugen sprachen von exakt fünf Erschießungen wöchentlich in einem Gefängnis – mit Ankündigung und jeweils Freitags, um Raum für Neuankömmlinge zu schaffen."

Immer wieder geraten die Migranten zwischen die Fronten im Bürgerkriegsland Libyen. Bei einem Luftangriff auf ein überfülltes Lager in der Nähe der Hauptstadt Tripolis wurden im Juli nach UN-Angaben 44 Menschen getötet, 130 Migranten verletzt. Die libysche Einheitsregierung prüft nun, die Lager aus Sicherheitsgründen zu schließen und die Migranten freizulassen.

Warum kommen die Menschen aus Libyen?

Vor allem für Menschen aus afrikanischen Staaten südlich der Sahara, etwa aus dem Niger, Nigeria, Sierra Leone und Mali, ist Libyen ein Transitland nach Europa. 767.000 Flüchtlinge, Asylbewerber und Vertriebene gibt es in Libyen. 268.629 Menschen sind Libyier, die im eigenen Land vertrieben wurden. Auch von ihnen wollen Menschen nach Europa.

Was ist über die Schlepper bekannt?

Von brutalsten Gewalterfahrungen der Migranten ist etwa in dem Botschafter-Bericht die Rede: Oft betrunkene Fahrer pferchten bis zu 30 Personen auf Pickups. Diese "würden in der Regel nicht anhalten, wenn jemand in der Wüste vom Fahrzeug fällt." Ein Video von verfärbten Leichen, die um einen liegengebliebenen Truck verteilt lagen, wurde den Botschaftsangehörigen gezeigt. Für die Fahrt über das Mittelmeer stellen die Schlepper den Migranten meist winzige Holz- oder Schlauchboote zur Verfügung, die für die Fahrt auf hoher See ungeeignet sind.

Wer ist die libysche Küstenwache?

Seit die EU und Italien keine eigenen Seenotrettungsmissionen mehr durchführen, wurde die Kooperation mit der libyschen Küstenwache ausgebaut. Weil das Land im Bürgerkrieg ist, besteht auch die Küstenwache aus Warlords und Milizen, die sich teilweise selbst am Menschenhandel beteiligen. Greifen sie die Migranten auf hoher See auf, bringt die Küstenwache sie in die Gefangenenlager, wo den Migranten massive Menschenrechtsverletzungen drohen.

Was macht die EU?

Italien und die EU unterstützen die libysche Küstenwache dabei, Bootsflüchtlinge abzufangen und in die Lager in dem Bürgerkriegsland zurückzubringen. 46 Millionen Euro gibt die EU für Ausbildung und Equipment der libyschen Küstenwache aus. Darunter Funkausrüstung, Satellitenkommunikationsgeräte und Überwachungssysteme.

Im Dezember 2018 beschloss die EU, weitere 45 Millionen Euro für ein Koordinierungszentrum für Seenotrettung auszugeben. Damit soll die Zusammenarbeit der italienischen und libyschen Küstenwache koordiniert werden.

Italien unterstützt die Küstenwache mit Ausbildung und Booten. Kürzlich hat die Regierung angekündigt, die Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache weiter auszubauen.

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