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Krieg im Weltraum - Die neue Allmacht

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Mit ihrer "Space Force" blasen die USA zur Aufrüstung im All. Doch China will die amerikanische Vormachtstellung brechen - mit Weltraum-Waffen, die wie Science-Fiction klingen.

Satellit im Weltall (Illustration)
Satelliten können Militärs auf der Erde unterstützen - oder andere Satelliten angreifen.
Quelle: AP

Im Sommer 2018 war es noch eine Ankündigung, die für einige vielleicht verrückt klang, für andere nur lächerlich: Präsident Trump sagte, er wolle eine "Space Force" schaffen, einen neuen Arm der Streitkräfte, der sich auf den Einsatz im Weltraum konzentriert. Die abendlichen US-Talkshows machten sich darüber lustig. Streitkräfte fürs All? Das klang nach Science-Fiction oder zumindest nach Komödie. Aber ein dreiviertel Jahr später werden die Pläne konkreter: Laut US-Verteidigungsministerium soll die Space Force einmal 15.000 Bedienstete haben, plus einer nicht genannten Zahl an zivilen Beamten. Auch wegen dieser neuen Weltraumstreitkräfte will Trump die Verteidigungsausgaben erhöhen.

Tatsächlich ist der Weltraum über der Erde, in dem Tausende Satelliten kreisen, höchst wichtig wie sensibel für die Militärs. So dienen Satelliten etwa nicht nur der Kommunikation der Truppen. Aufklärungssatelliten können mit einer Verzögerung von wenigen Minuten weit herangezoomte Bilder der Erde machen. GPS dient derweil nicht nur Einheiten zur Ortung, sondern auch Raketen-Systemen zur Navigation. "Moderne Streitkräfte sind zunehmend  von Satelliten und der Inrastruktur im All abhängig. Wenn diese Funktionen unterbrochen werden, dann haben moderne Streitkräfte ein großes Problem", sagt Götz Neuneck vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. "Wenn es beispielsweise tatsächlich zu einem Krieg zwischen den USA und China kommen würde, dann könnten die Chinesen versuchen, die Satelliten-Kommunikation der Amerikaner zu unterbrechen", so Neuneck.

Satelliten mit Energie-Waffen und Störsendern

Denn dass sie hoch über der Erde kreisen, macht Satelliten nicht unangreifbar. Der US-Militärgeheimdienst Nasic schreibt in seinem Bericht "Competing in Space", dass China und Russland dabei sind, "raffinierte Anti-Satelliten-Waffen zu entwickeln, zu testen und weiterzuverkaufen, die Systeme im von den USA und von Verbündeten kontrollierten Weltraum bedrohen." China habe bereits Einheiten, die im Umgang mit Anti-Satelliten-Raketen trainiert werden - und auch Russland sei wahrscheinlich an der Entwicklung solcher Fähigkeiten, so der Bericht. China habe demnach schon 2007 einen eigenen, kaputten Satelliten mit einer Anti-Satelliten-Rakete abgeschossen.

Russland sei dabei, so heißt es in dem Bericht, Energie-Waffen zu entwickeln, die auf Flugzeugen angebracht werden und die Raketenabwehr-Sensoren von Satelliten außer Gefecht setzen sollen. Auch Satelliten selbst sollen einmal zur Waffe gegen andere Satelliten werden können. Konzepte dazu sehen ganz unterschiedliche Wirkungsweisen vor. Der Militärgeheimdienst Nasic nennt dabei Satelliten, die Laser tragen, solche, die Chemikalien versprühen oder mit Störsendern ausgestattet sind. Ebenso denkbar seien Satelliten, die mit Absicht mit anderen Satelliten zusammenstoßen, um sie zu zerstören.

Hacker-Satelliten oder zur Wartung?

Wesentlich effizienter ist es jedoch, Satelliten zu hacken. Doch wie kann ein Hacker das schaffen? "Man kann sich das so vorstellen: Satelliten brauchen regelmäßige Updates, wie etwa Informationen zum eigenen Status, um gegebenenfalls Anpassungen durchzuführen", sagt Patrick O‘Keeffe vom Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel. "Wenn man in diese Datenströme reinkommt, kann man dem Satelliten falsche Informationen geben, die zu Systemänderungen führen - mitunter bis zur Abschaltung." Das sei gut möglich und die Wahrscheinlichkeit sogar sehr hoch, dass es schon stattfindet, sagt O’Keeffe. Das hänge vor allem mit der veralteten Software zusammen. "Das, was jetzt im Weltraum ist, ist sicherheitsmäßig zehn Jahre alt." Selbst bei sicherer Software könnte ein Hack zudem auch über einen anderen Satelliten passieren. China habe vor kurzem einen Satelliten an einen anderen angedockt und Daten übertragen. "Offizielles Ziel war es, den Satelliten zu warten und mit Updates die Lebensdauer etwas zu erhöhen", so O’Keeffe. Auf die gleiche Weise könnte aber auch ein Satellit gehackt werden.

Im Moment dominieren noch die USA den Weltraum. Die US-Wissenschaftlervereinigung für Abrüstung und Umweltschutz "Union of Concerned Scientists" schätzt die Zahl der aktiven Satelliten auf knapp 2.000. Russland hat demnach über 152 Satelliten, China 284 und die USA 849. Von diesen 849, so die Schätzung, werden 167 vom amerikanischen Militär genutzt.

China auf der Überholspur

Doch China holt seit Jahren gewaltig auf. 2018 schickte die Volksrepublik sogar mehr Raketen ins All, die Satelliten transportierten, als die USA. "Zwar haben die USA noch die meisten Satelliten im Orbit, aber die Frage ist, was können die?", sagt O‘Keeffe. Denn die Satelliten der USA seien meist sehr alt, die der Chinesen hingegen frisch ins All geschossen. "Die USA sind dabei, abgehängt zu werden", so O‘Keeffe. Auch hat China 2016 erst ein hochmodernes Raketenstartgelände auf der Insel Hainan eröffnet. Hier soll eine neue Generation von noch größeren Trägerraketen starten. Auch ein eigenes GPS-System hat China schon - wie neben den USA auch Russland und die ESA.

Die chinesischen Anstrengungen laufen darauf hinaus, die Dominanz der Amerikaner im Weltraum zu brechen. Auch Russland hat ein bedeutendes Weltraumprogramm. Dazu kommen Newcomer wie Indien und Japan - und private Player wie Elon Musks Firma Space X. Deren Raketen sollen landen können und damit wiederverwendbar sein, ein Kostenfaktor, der das Geschäft verändern könnte.

UN-Abrüstungskonferenz gegen Wettrüsten

Die Ankündigung der USA, in eine "Space Force" zu investieren, könnte die Anstrengungen der anderen Länder noch vergrößern. "Die USA forcieren mit Trumps Ankündigung und Milliardeninvestitionen die Ängste Chinas und Russlands", sagt Neuneck. "Trump stößt die Tür zu einem neuen teuren und gefährlichen Offensiv-Defensiv-Wettrüsten mit Russland und China auf."

Derzeit treffen sich darum Experten auf der UN-Abrüstungskonferenz in Genf, um darüber zu beraten, wie ein Wettrüsten im All zu verhindern sei. Eigentlich gibt es schon seit 1967 einen Weltraumvertrag. Der verbietet Atomwaffen und Militärbasen im All, doch all die militärischen Neuerungen der letzten Jahre kennt er nicht. Zu erwarten, dass die Konferenz einen unterschriftsreifen Vertrag ausarbeiten könnte, sei aber zu viel verlangt, meint Neuneck. Doch sie könne vertrauensbildende Maßnahmen vorschlagen, damit Normen und rechtliche Prinzipien geschaffen werden, nach denen man sich richtet. "Die Expertengruppe wird kaum die Möglichkeit haben, ein Weltraum-Wettrüsten zu stoppen, zumal viele Entwicklungen geheim sind. Aber sie können versuchen, mehr Regeln und mehr Rationalität rein zu bringen." Denn es sei eigentlich ein Gebot der Vernunft, dass der Weltraum eine Domäne aller Menschen sei, in die man keine Waffen bringen darf.

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