Sie sind hier:

Krise in Venezuela - "Du kannst noch so viel arbeiten, es reicht nicht"

Datum:

Die Menschen in Venezuela sind verzweifelt, viele fliehen. Sie haben die Hoffnung auf die Regierung und die Opposition verloren. Stimmen aus einem Flüchtlingslager in Cucuta.

Auf dem Betonboden des Basketballplatzes im kolumbianischen Cucuta endet für die venezolanischen Migranten erst einmal die Flucht
Auf dem Betonboden des Basketballplatzes im kolumbianischen Cucuta endet für die venezolanischen Migranten erst einmal die Flucht Quelle: Tobias Käufer

Der peitschende Regen treibt die Flüchtlinge auf den Basketballplatz. Im Minutentakt treffen die Venezolaner aus allen Ecken der Stadt ein. Hier ist der Boden zwar aus Beton, dafür aber gibt es wenigstens ein Dach über den Kopf. In der kolumbianisch-venezolanischen Grenzstadt Cucuta verfolgen die Migranten den Krisengipfel zwischen sozialistischer Regierung und konservativer Opposition mit Misstrauen. Auf ein positives Ende des Dialogs, der in diesen Tagen in der Dominikanischen Republik den innenpolitischen Konflikt lösen soll, wollen sie nicht mehr warten.

Laut Zahlen der kolumbianischen Migrationsbehörde hat sich die Zahl der in Kolumbien lebenden Venezolaner in den letzten 18 Monaten auf 450.000 erhöht. Mehrere Zehntausend kamen allein in den letzten Monaten über die Grenze.

 

Staatschef Maduro und die Opposition wollen wieder miteinander verhandeln. Unterhändler beider Seiten werden sich Anfang Dezember zu Gesprächen treffen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Gleich vier Ambulanzen stehen neben dem Sammellager für den Notfall bereit. "Eine bessere medizinische Versorgung als bei uns zu Hause", sagt Celvin Dumont (28). In Venezuela hat er in einer Auto-Werkstatt gearbeitet, um sein Studium zu finanzieren. Eigentlich fehlen ihm nur noch die Abschlussarbeit in Autoantriebstechnik und genau eine Million Bolivar, die er dafür an einer privaten Universität bezahlen muss.

Celvin Dumont
Celvin Dumont Quelle: Tobias Käufer

Angesichts eines Mindestlohnes von rund 177.000 Bolivar ein schier unerreichbares Ziel. "Ich habe einige Freunde in Bucaramanga", sagt Celvin. Dort will er versuchen, das Geld für das Studium zu verdienen. Autos waschen, polieren und darauf hoffen, dass er auf dem Schwarzmarkt einen so günstigen Kurs bekommt und so dank des vergleichsweise stabilen kolumbianischen Peso seine fehlende Studiengebühr zusammenbekommt.

Karte Venezuela

"In Venezuela funktioniert es einfach nicht mehr. Du kannst so viel arbeiten wie Du willst, aber es reicht vorne und hinten nicht." Die Hyperinflation von fast 1.000 Prozent frisst die kargen Einnahmen in Rekordzeit auf. Celvins Plan: "Studium abschließen und dann nach Peru, ich habe gehört, da suchen sie Leute vom Fach." Von den Krisengesprächen zwischen Regierung und Opposition erwartet er nicht viel: "Venezuela braucht einen radikalen Kurswechsel, doch den sehe ich nicht. Es wird sich nichts ändern."

Alberto Juarez
Alberto Juarez Quelle: Tobias Käufer

Auch Alberto Juarez (38) hat die Hoffnung aufgegeben. Er hat zwar ein eigenes Haus in Venezuela: "Aber was bringt mir das, wenn ich meine Kinder nicht ernähren kann." Juarez arbeitete in seiner Heimat bislang als Klempner und Fliesenleger. "Es gibt einfach keine Arbeit mehr und die, die es gibt, ist so schlecht bezahlt, dass Du dir vom Lohn nichts kaufen kannst."

Jetzt sucht er auf dem Betonboden von Cucuta nach einem Ausweg. Hier werden Kontakte ausgetauscht und Tipps weitergegeben. Wenn nötig, will er Autoscheiben putzen. "Die Lage in Venezuela ist einfach nur schrecklich, schrecklich, schrecklich. Irgendwie muss es weitergehen. Irgendwie muss ich meine Familie durchbringen." Hoffnung, dass es durch den Dialog zwischen Regierung und Opposition besser wird, hat er kaum: "Sie haben sich ja schon ein paarmal getroffen. Immer endete das ohne eine Verbesserung der Lage."

Auch Antonio Rodriguez (28) glaubt nicht an einen Durchbruch beim Krisengipfel. "Ich habe das Vertrauen in unsere Politiker verloren", sagt der ausgebildete Ingenieur für Sicherheitstechnik. "Die Regierung schöpft aus dem Vollen. Die leben auf teuren Haciendas und Fincas, feiern schöne Feste. Und die Opposition: Die macht sich aus dem Staub. Schauen sie, was mit dem Bürgermeister von Caracas passiert ist, der aus dem Hausarrest geflohen ist. Ist der hier, bei uns, bei den anderen venezolanischen Flüchtlingen. Nein, der fliegt doch gleich bequem weiter nach Madrid. Alle denken nur nach an sich." Rodriguez ist gemeinsam mit drei Kollegen aus dem gleichen Betrieb nach Cucuta gekommen. Alle beteuern, sie hätten eine technologische Ausbildung.

Antonio Rodriguez
Antonio Rodriguez Quelle: Tobias Käufer

Aber das Geld reicht wegen der Inflation nicht mal mehr zum Kauf der Grundnahrungsmittel. "Wir schauen uns das Drama jetzt schon seit drei, vier Jahren an. Es wird nicht besser, es wird immer schlimmer. Wir wollen hier in Kolumbien neu anfangen, von mir aus auch in einem anderen Land. Venezuela ist verloren, wenn sich da nichts Grundlegendes ändert." Der Opposition wirft Rodriguez Mutlosigkeit vor: "Keiner ist da, der mal bis zum Ende durchmarschiert. Irgendwann bleiben alle auf der Hälfte des Weges stehen."

Vielen Menschen in Venezuela fehlt es seit Monaten an den nötigsten Dingen wie Essen, Medikamente, Strom und Wasser. Doch wie konnte es zu dieser Situation kommen?

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.