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Krisenherd Honduras - Gewalt, Armut, Bandenkriminalität

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Das kleine mittelamerikanische Land kommt nicht zur Ruhe: Politische Krisen und Gewalt bestimmen den Alltag in Honduras und sorgen so für immer neue Fluchtbewegungen.

Flüchtlinge in San Pedro Sula, Honduras
Vom honduranischen San Pedro Sula aus machte sich die Gruppe aus mehreren tausend Menschen auf den Weg Richtung USA.
Quelle: reuters

Die Organisatoren nennen die Flüchtlingskarawane "Marsch der Hoffnung". Was vor gut einer Woche in San Pedro Sula begann, hat inzwischen weltweite Aufmerksamkeit erfahren. Mehrere tausend Menschen haben sich in der Stadt versammelt, die als eine der gefährlichsten der Welt gilt. Ihr Ziel: die Vereinigten Staaten. Inzwischen hat die Karawane Honduras verlassen, Guatemala durchquert und befindet sich zu großen Teilen bereits im Süden Mexikos auf dem weiteren Weg in die USA.

Land in der Dauerkrise

Honduras gehört zum bettelarmen Drei-Ländereck mit El Salvador und Guatemala. Die drei Länder zählen zu den einkommensschwächsten Nationen in ganz Lateinamerika und werden von Korruption, politischen Krisen und Instabilität erschüttert.

Honduras gerät diesmal besonders in den Blick: Seit mehreren Jahren steckt das Land in einer Dauerkrise. Zuletzt schaute die internationale Staatengemeinschaft 2009 nach Tegucigalpa, als der damalige Präsident Manuel Zelaya aus dem Amt entfernt wurde.

Militärs flogen den Linkspolitiker, der das zuvor an die USA gebundene Land von Washington abwendete, in einer Nacht-und-Nebelaktion aus dem Land. Zelaya sprach von einem Militärputsch, zahlreiche internationale Länder, darunter auch die USA, erkannten Zelaya anschließend weiterhin als rechtmäßigen Präsidenten von Honduras an. Doch da hatte das honduranische Parlament bereits Roberto Micheletti als Nachfolger Zelayas installiert.

Konflikt um Zelaya wirkt nach

Kritiker Zelayas, gegen damals auch schwere Korruptionsvorwürfe im Raum standen, sprechen dagegen bis heute von einer rechtmäßigen Entmachtung Zelayas, denn die Verhaftung durch das Militär sei aufgrund eines Befehls des Obersten Gerichtshofs erfolgt. Nahezu alle internationalen Institutionen haben die Entmachtung des frei gewählten Präsidenten Zelayas allerdings scharf verurteilt. Bis heute wirkt dieser Konflikt in die honduranische Innenpolitik nach.

Erst vor wenigen Monaten stand Zelaya erneut im Fokus der honduranischen Innenpolitik. Er unterstützte  die Kandidatur des Linkspolitikers Salvador Nasralla, der gegen den Amtsinhaber und rechtskonservativen Präsidenten Juan Orlando Hernandez antrat. Die Kandidatur von Orlando Hernandez war umstritten, denn sie wurde mit Hilfe einer Verfassungsänderung auf juristischem Wege ohne Referendum durchgesetzt. Menschenrechtsorganisationen und die katholische Kirche kritisierten das Vorgehen. Bis dato war eine Präsidentschaft auf eine Amtszeit beschränkt.

Bei den Wahlen Ende 2017 entwickelte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bei der Auszählung lag Nasralla lange vorne, ehe die Server der Wahlbehörde ausfielen. Später führte dann plötzlich Orlando Hernandez die Auszählung an. Wochen später wurde das amtliche Endergebnis verkündet.

Karte: USA - Mexiko - Honduras - Guatemala - El Salvador
Honduras gehört zum bettelarmen Drei-Ländereck mit El Salvador und Guatemala.
Quelle: ZDF/Thao Vu Minh

UN vermitteln zwischen den Lagern

Amtsinhaber Orlando Hernandez blieb dank eines knappen Wahlsieges im Amt. Im Land kam es zu Ausschreitungen und zu Protesten mit Toten und Verletzten. Die Vereinten Nationen hatten später in einem Bericht des Hohen Kommissariats für Menschenrechte das Vorgehen der Sicherheitskräfte scharf kritisiert. Die Polizei hätte exzessive und todbringende Gewalt angewendet, um die Proteste niederzuschlagen, zitierte die Tageszeitung "La Prensa" damals aus dem Bericht.

Die UN versuchen, zwischen den beiden Lagern zu vermitteln. Allerdings kam es im linken Lager zu Zerwürfnissen zwischen Nasralla und Zelaya, was die innenpolitische Lage zusätzlich verkomplizierte. Inzwischen stocken die Gespräche zwischen Regierung und Opposition, in der vergangenen Woche riefen die UN beide Seiten dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Derweil werfen die USA dem linken Lager von Nasralla und Zelaya vor, mit der Unterstützung der Migrantenkarawane gezielt eine politische Instabilität in Honduras hervorrufen zu wollen. Aus Washington hieß es, Venezuela und Kuba unterstützten die Organisatoren der Karawane, um unter anderem vom Massenexodus aus Venezuela abzulenken.

Menschenrechtler in ständiger Gefahr

Zelaya gilt zwar als ein enger Verbündeter des Regimes in Caracas und unterhält auch enge Verbindungen nach Havanna, trotzdem gibt es bislang keine konkreten Belege für diese Behauptung der US-Regierung. In Honduras stellte sich Nasralla in Zeitungskommentaren hinter die Organisatoren der Karawane, die Ausdruck der Perspektivlosigkeit im Lande sei.

Die schwierige innenpolitische Lage wird auch auf anderen Feldern deutlich, so schweben Menschenrechtsverteidiger in Honduras in ständiger Gefahr. Für weltweites Entsetzen sorgte der Mordfall "Caceres": Die mit dem renommierten Goldman-Preis ausgezeichnete Berta Caceres war im März 2016 in ihrem Haus erschossen worden. Viele ihrer Anhänger gehen von einem Auftragsmord aus, weil sich die Aktivistin gegen ein umstrittenes Staudammprojekt einsetzte. Der "Fall Caceres" ist allerdings nur die Spitze des Eisberges.

Honduraner wollen Gewalt durch Flucht entkommen

Wie in El Salvador und Guatemala sorgt neben der politischen Instabilität auch ein weiterer Faktor für eine dauerhafte Migrationsbewegung: die Gewalt der Jugendbanden Barrio 18 (auch Mara 18 genannt) und Mara Salvatrucha (MS-13). Die mafiaähnlich organisierten Banden erpressen Kleinunternehmer, sind im Drogenhandel und in der Organisierten Kriminalität aktiv.

Vor allem in den Armenvierteln bestimmen sie den Alltag. Wer sich einer Kooperation verweigert, wird mit dem Tode bedroht. Rund zwei Drittel der Menschen gelten als arm, ein Drittel der Bevölkerung lebt sogar in extremer Armut. Alle Versuche, das Land aus der Spirale der Gewalt und der Armut zu befreien, schlugen in den letzten zwei Jahrzehnten fehl. Viele Honduraner versuchen, durch Flucht der Gewalt der Banden zu entkommen.

In den USA leben rund eine Million Einwanderer honduranischer Abstammung. Ihre monatlichen Geldüberweisungen an Familienangehörige in Honduras gelten als der wichtigsten Devisenbringer. Laut offiziellen Angaben flossen im Jahr 2017 auf diesem Wege rund 3,7 Milliarden US-Dollar nach Honduras, das entsprach einem Zuwachs von 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und etwa 18,8 Prozent des Brutto-Inlandsprodukts. Für das Jahr 2018 wird eine Steigerung auf über 4 Milliarden US Dollar erwartet.

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