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Kramp-Karrenbauer erwartet Gegenwind

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Deutschlandtag der Jungen Union - Kramp-Karrenbauer erwartet Gegenwind

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Die Kritik an der CDU-Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer nimmt zu - ihre Werte sinken, manche Auftritte irritieren. Der Deutschlandtag der Jungen Union kann ein Spießrutenlauf werden.

Die Junge Union will über die Forderung nach einer Urwahl des Unions-Kanzlerkandidaten entscheiden. Das sorgt für Unruhe in der CDU. Die Debatte könnte unangenehm für CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer werden.

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Deutschlandtage der Jungen Union sind selten ein Fest der Freude für die Vorsitzenden der Mutterparteien CDU und CSU. Doch was der aktuellen Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer derzeit an Wind ins Gesicht weht, hat echten Seltenheitswert in der CDU. Noch traut sich keiner, auch nicht die Spitzen der JU, der Vorsitzenden offen das Misstrauen auszusprechen. Aber versteckte Botschaften werden gerade zu Hauf geliefert.

In zwei Anträgen fordern die jungen Christdemokraten eine Urabstimmung über den zukünftigen Kanzlerkandidaten oder die zukünftige Kanzlerkandidatin. Tilman Kuban, JU-Vorsitzender und eigentlich noch nie ein großer Fan von AKK, betont zwar, dass "die Parteivorsitzende traditionell ein Zugriffsrecht" habe, aber eben nur ein Zugriffsrecht, nicht das Zugriffsrecht.

JU-Chef Kuban: Die Mitglieder mitnehmen

Tilman Kuban am 16.03.2019 in Berlin
JU-Chef Tilman Kuban will mehr Mitglieder einbeziehen.
Quelle: dpa

Es geht um die Macht in der CDU und da wird jedes Wort abgewogen. Die Junge Union hat es Kramp-Karrenbauer und ihrem Team nicht verziehen, dass das Konrad-Adenauer-Haus nach der vergeigten Europawahl in einer Wahlanalyse die Schuld gerade bei der JU und einen vermeintlichen "Rechtsruck" der Jugendorganisation gesucht wurde. Schon bei der Vorsitzenden-Auswahl vor einem Jahr hatte man sich mehrheitlich auf die Seite von Spahn und Merz geschlagen, somit gehörte auch die Junge Union damals zu den Verlierern.

Die CDU hat im Herbst nach acht Regionalkonferenzen die Nachfolge im Parteivorsitz geregelt und auch bei der Kanzlerkandidatur sollten wir die Mitglieder mitnehmen.
Tilman Kuban

Heute gibt man sich in der JU ganz offen und zumindest nach außen nicht nachtragend. Kuban will sich zwar nicht offen für oder gegen eine Urwahl aussprechen, aber allein das Spiel mit einer möglichen Nicht-Nominierung der Vorsitzenden scheint er zu genießen: "Die CDU hat im Herbst nach acht Regionalkonferenzen die Nachfolge im Parteivorsitz geregelt und auch bei der Kanzlerkandidatur sollten wir die Mitglieder mitnehmen", sagt er gegenüber heute.de.

Die Debatte über AKK ist nicht zu stoppen

Kramp-Karrenbauer erweist sich in diesen Tagen als Kämpferin, die einstecken kann. Noch vor einem halben Jahr hatte sie sich eine JU gewünscht "die Druck macht", ein Druck, "den ich als Vorsitzende gut aushalten kann." Jetzt muss sie mitansehen, wie die Junge Union die gesamte Phalanx ihrer innerparteilichen Konkurrenten auftreten lässt: Friedrich Merz, Jens Spahn, Armin Laschet und Markus Söder. AKK hält sich an den Rat, den ihr Angela Merkel mit auf den Weg gegeben hat: Wer ins Kanzleramt will, muss Angriffe auf sich selbst aushalten.

Und Merkel weiß, wovon sie spricht. Kramp-Karrenbauer bemüht sich, keine Angriffsfläche zu bieten. Als Verteidigungsministerin kann sie erste Erfolge vorweisen. Die deutschen Soldaten, die sie gerade erst im Irak, in Mali oder im Baltikum besucht hat, erleben eine zugängliche Ministerin. Aber auch in dem neuen Kabinettsjob liegen die großen Brocken erst noch vor ihr. Die gefährliche Debatte über ihre Art, die CDU zu führen, über Schnitzer und Pannen - ob im Karneval oder bei Rezo -, jedenfalls überstrahlt ihr Ministerdasein dies alles nicht. Und es gibt weder einen Hinweis darauf, dass sie es versucht - noch dass ihr das gelingen könnte.

Das Warten auf den "Erlöser"

Mit Friedrich Merz kommt ihr ärgster Widersacher gleich zu Beginn des Deutschlandtages. Allein die Ankündigung seiner Rede für den Freitagabend in Saarbrücken führt zu einer aufgeregten Stimmung. Merz, der sich nach seiner Niederlage auf dem Parteitag vor einem Jahr geweigert hatte, ein Parteiamt zu übernehmen, gilt vielen - gerade in der Jungen Union - als so etwas wie ein Heilsbringer. Eine Art "Erlöser", der, wenn er die Verantwortung übernehmen würde, die CDU quasi automatisch wieder in Richtung 40 Prozent bringen würde.

Dabei lässt Merz, zumindest öffentlich, kaum erkennen, ob er bereit wäre noch einmal gegen AKK in den Ring zu steigen. Und ob eine Urwahl der Kandidaten tatsächlich die CDU aus dem Tal führen könnte, ist auch nur eine Annahme. Denn nicht wenige, auch Kritiker von AKK, warnen vor zu viel Beschäftigung mit sich selbst. "So machen wir die Partei kaputt", sagen mehrere CDU-Spitzen in diesen Tagen.

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