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Kroatiens Fußball - Im Schatten des Skandals

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Während die kroatische Nationalmannschaft sich bei der WM zu einem Titelfavoriten entwickelt, hat der kroatische Fußball mit Skandalen zu kämpfen.

Kroatische Fußballfans in Russland
Kroatische Fußballfans in Russland
Quelle: imago

Geheimfavorit - für die kroatische Nationalmannschaft ist dieser Begriff schon ein Stempel, mit dem sie vor fast jedem großen Fußballturnier versehen wird. Was bei dem Kader wenig erstaunlich ist. Luka Modric, Ivan Rakitic, Dejan Lovren oder Ivan Perisic - das Team ist gespickt mit Spielern, die ihr Geld bei namhaften Klubs wie Real Madrid, FC Barcelona, FC Liverpool oder Inter Mailand verdienen und dort zu den Leistungsträgern gehören.

Souverän durch die Gruppenphase

Doch die hohen Erwartungen, die in die Mannschaft gesetzt wurden, konnten die Stars bei den letzten Turnieren nicht erfüllen. Bei der WM 2014 in Brasilien musste sich Kroatien bereits nach der Vorrunde verabschieden. Bei der Europameisterschaft in Frankreich vor zwei Jahren erreichte Kroatien zwar das Achtelfinale, traf dort aber auf den späteren Titelgewinner Portugal.

Dass Kroatien bei der zurzeit in Russland stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft den Titel Geheimfavorit jedoch nicht unbegründet trägt, zeigte sich spätestens im zweiten Gruppenspiel gegen Argentinien. Mit 3:0 besiegte das von Zlatko Dalic trainierte Team die Südamerikaner um Lionel Messi. Durch den 2:1-Erfolg gegen Island am letzten Spieltag, herausgespielt mit einer B-Mannschaft, sicherte sich Kroatien den Gruppensieg. Kaum ein anderes Team absolvierte die Vorrunde so souverän.

Große Euphorie

Seitdem ist die Euphorie in dem 4,2-Millionen-Staat groß. Das Land fiebert dem heutigen Achtelfinale gegen Dänemark entgegen. Und das Selbstbewusstsein der Kroaten ist groß, was nicht nur an der bisherigen Leistung liegt. Für die Goldene Generation um den Real-Madrid-Star Luka Modric, die bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine die große Fußballbühne betrat, ist es nicht nur die letzte Chance auf einen großen internationalen Erfolg.

Es ist auch die letzte Möglichkeit, aus dem Schatten der WM-Mannschaft von 1998 zu treten, die damals in Frankreich Deutschland mit 3:0 besiegte und am Ende den 3. Platz belegte. Bis heute der größte fußballerische Erfolg für das kleine Land, das 1991 seine Unabhängigkeit erlangte. Und dass man dies in Russland erreichen möchte, erklärte die aktuellen Stars vor ihrer Abreise zur WM.

Der Fußball-Pate

Doch die aktuellen Erfolge fallen zusammen mit dem größten Skandal des kroatischen Fußballs, der den Namen eines Mannes trägt: Zdravko Mamic. Dieser war langjähriger Präsident des kroatischen Spitzenklubs Dinamo Zagreb und Vize-Präsident des kroatischen Fußballverbandes HNS. In seiner Heimat ist er jedoch auch bekannt als der "Fußball-Pate".

"Mamic symbolisiert den Nepotismus und die Korruption, die den kroatischen Fußball seit Jahren im Griff halten", erklärt Dario Brentin, Mitarbeiter des Südosteuropazentrums an der Uni Graz. Wie sehr dies der Fall ist, zeigen die Zahlen, die Mamic zum Verhängnis wurden. Mehr als 15 Millionen Euro soll er bei Spielertransfers von Spielern ins Ausland unterschlagen haben. Ermittlungsbehörden werfen ihm zudem vor, auch Steuern in Höhe von 1,6 Millionen Euro hinterzogen zu haben.

Aus diesem Grund wurde Mamic vor einigen Wochen zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Doch der Fußballfunktionär, der seine dunklen Geschäfte mit Hilfe seines Bruders Zlatko absolvierte, eines ehemaligen Bundesligaspielers, trat seine Strafe nicht an. Schon vor dem Auftakt des Prozesses beantragte Mamic die Staasbürgerschaft von Bosnien-Herzegowina, der Heimat seiner Eltern. Bevor er seine Haft antreten sollte, setzte er sich in das Nachbarland ab. Und da Bosnien-Herzegowina nicht der EU angehört, ist eine Auslieferung nach Kroatien unwahrscheinlich.

Zwielichtige Rolle der WM-Stars

Juristische Konsequenzen in dem Skandal drohen mit Luka Modric und Dejan Lovren auch zwei Stars der kroatischen Nationalmannschaft. Beide ehemalige Dinamo-Zagreb-Spieler schlossen mit Mamic Verträge ab, die ihm 20 Prozent ihrer Einnahmen einbringen sollten. Doch bei ihren Aussagen vor Gericht verstrickten sie sich in Widersprüche und konnten nicht beantworten, ob diese Verträge vor oder nach ihren Transfers geschlossen wurden. Nun drohen beiden Stars Anklagen wegen Falschaussagen.

Doch ob es soweit kommt, wird mit jedem Erfolg der Nationalmannschaft fraglicher. "Die Gefahr besteht, dass durch ein erfolgreiches Abschneiden bei der WM der Korruptionsskandal in den Hintergrund legt, der Wille zur Aufklärung erlahmt", so Brentin, der sich seit Jahren beruflich mit dem Fußball auf dem Balkan beschäftigt. Und dies hätte für Kroatien und den Fußball fatale Folgen. "Der Nepotismus beschränkt sich nicht nur auf Mamic oder Modric und Lovren. Der ist toxisch, da sind der ganze Verband und auch Politiker verwickelt", so der Wissenschaftler. Und mit einem WM-Erfolg könnte er es auch bleiben. Volkshelden hinter Gittern sind schwer vorstellbar.

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