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Krypto-Mining - Wenn der PC im fremden Auftrag rechnet

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Auf einer neuen Webseite zapft UNICEF Australien die Rechenleistung von Surfern an, um für den guten Zweck Kryptogeld zu schürfen. Die Methode boomt auch im kriminellen Untergrund.

Archiv: Kryptowährung, Symbolbild
Quelle: colourbox.de

Der australische Zweig des Kinderhilfswerks UNICEF hat einen neuen Weg gefunden, um bei Internetnutzern Spenden einzusammeln. Wer die UNICEF-Webseite "The Hope Page" besucht, wird gebeten, dem Hilfswerk einen Teil seiner PC-Rechenleistung über den Browser zur Verfügung zu stellen. Die Rechenleistung wird genutzt, um die digitale Währung Monero zu "schürfen".

Hilfe für Flüchtlingskinder in Bangladesch

"Allein dadurch, dass Sie diese Seite besuchen, helfen Sie, Flüchtlingskinder in Bangladesch mit Wasser, Nahrungsmitteln und Impfstoffen zu versorgen", heißt es auf "The Hope Page". Wer spenden will, legt über einen Schieberegler fest, wie viel Rechenleistung er abgeben möchte. Zwischen 20 und 80 Prozent der Leistung können zur Verfügung gestellt werden. Die Rechenleistung wird geteilt, bis der Nutzer die Webseite schließt.

Digitale Währungen wie Monero oder Bitcoin werden nicht von einer staatlichen Zentralbank ausgegeben, sondern in komplizierten Rechenprozessen über das Internet erzeugt. Experten sprechen von Mining - "schürfen". Dabei gilt: Je mehr Einheiten einer Kryptowährung bereits in Umlauf sind, desto komplizierter und aufwändiger ist es, neue Bitcoins oder Moneros zu errechnen.

Rechenleistung wird gebündelt

Die Leistung vieler Einzelrechner kann gebündelt und zum Schürfen digitaler "Münzen" benutzt werden. Das macht sich UNICEF Australien auf "The Hope Page" nun zunutze. Zum Einsatz kommt eine Software, die von der Firma Coinhive entwickelt wurde. Sie wird in die Webseite eingebunden und zapft die Rechenleistung der Surfer an. Die geschürften Moneros werden auf speziellen Börsen im Netz in Dollar umgetauscht und kommen dem Hilfswerk zugute.

Für den spendenwilligen Surfer ist dieses Verfahren bequem. Er spendet quasi nebenbei und spart sich die Überweisung des Spendenbetrags. Wenn er an seinem Rechner nicht gerade anspruchsvolle Aufgaben wie die Bearbeitung von Videos erledigt, spürt er die fehlende Rechenleistung kaum. Stichproben zeigen, dass sich derzeit zwischen 5.000 und 11.000 Nutzer gleichzeitig auf der UNICEF-Seite aufhalten und Rechenleistung abgeben.

Teure Spenden

Experten der Computerzeitschrift "c’t" haben untersucht, welche Stromkosten beim Schürfen von Moneros anfallen. Das Ergebnis lässt aufhorchen. Das Testsystem der Experten erwirtschaftete pro Stunde 0,0000088 Moneros - umgerechnet gerade einmal 0,16 Cent. Dabei fielen Stromkosten in Höhe von drei Cent an. "Das Mining im Browser ist offenbar höchst ineffizient", sagen die Experten. Die Spenden an UNICEF werden somit teuer erkauft. Für den spendenwilligen Nutzer wäre es billiger, direkt an das Kinderhilfswerk zu spenden.

Auch Betreiber werbefinanzierter Webseiten experimentieren mit dem Krypto-Mining. Sie wollen sich dadurch eine zusätzliche Einnahmequelle erschließen. So etwa das US-Online-Magazin "Salon". Nutzer, die ihren Werbeblocker eingeschaltet haben, werden gebeten, entweder den Werbeblocker auszuschalten oder Rechenleistung zum Schürfen von Moneros freizugeben. Über die Testphase ist dieses Projekt bisher noch nicht hinausgekommen.

Vorsicht, Cryptojacking!

Während die legale Verwendung des Krypto-Minings offenbar nicht recht vom Fleck kommt, boomt das illegale Mining. Cybergauner haben eine neue Einnahmequelle entdeckt und schieben ihren Opfern Programme zum Schürfen von Kryptowährungen unter. Diese Schadprogramme kommen per E-Mail oder zusammen mit anderen, an sich nützlichen Programmen in den Rechner. Zudem werden Webseiten so manipuliert, dass Surfer ohne ihr Wissen Rechenleistung mit Cybergaunern teilen.

Immer mehr Kriminelle setzten statt auf Erpressungstrojaner auf Schadprogramme zum heimlichen Schürfen von Digitalwährungen, sagen Sicherheitsexperten und sprechen von "Cryptojacking", ein Kunstwort aus den Begriffen "Crypto" und "Hijacking". "Crypto" steht für die Verwendung von Krypto-Mining-Software und "Hijacking" für das Entführen fremder Rechner.

Wie kann man sich schützen?

Cybergauner nutzen Sicherheitslücken in Programmen und im Betriebssystem, um ihre Krypto-Miner unter die Nutzer zu bringen. Wer seine Software und sein Antivirenprogramm auf dem neusten Stand hält, tut schon viel für seinen Schutz. Zudem sollte man keine Software aus dubiosen Quellen laden. Gegen das heimliche Schürfen beim Besuch manipulierter Webseiten schützt die Browser-Erweiterung "No coin", die für Google Chrome und Firefox erhältlich ist.

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