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KI-Weltkonferenz Shanghai - Künstliche Intelligenz braucht Vielfalt

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Systeme Künstlicher Intelligenz können immer nur eine Sache gut. So etwas wie umfassende Weltsicht oder Bewusstsein fehlt ihnen. Doch daran wird intensiv geforscht.

Ein Roboter spielt Tischtennis auf der Konferenz Künstliche Intelligenz in Shanghai.
Ein Roboter spielt Tischtennis auf der Weltkonferenz Künstliche Intelligenz in Shanghai.
Quelle: dpa

Eine wirklich intelligente Maschine mit eigenem Bewusstsein zu bauen, ist ein alter Menschheitstraum. Mit Künstlicher Intelligenz (KI) soll er wahr werden. Doch mit den bisherigen Methoden klappt das nicht.

KI-Forscher wollen aus den Spezialanwendungen raus

Bisher können KI-Systeme immer nur in einem bestimmten Einsatzbereich erfolgreich arbeiten. Das Kreditbewertungssystem einer Bank kann einschätzen, wie schnell ein Kunde zahlungsunfähig wird. Lernen, wann ein Mensch bereit ist, eine Lebensversicherung abzuschließen, kann ein solches System nicht. Dafür muss es anders programmiert werden.

Ein für den Haushalt gebauter Roboter kann wunderbar mit dem Putzlappen umgehen und sogar ein Bier servieren. Um ein Auto zusammenzuschweißen, braucht er ganz andere Trainingsdaten und andere Verknüpfungssoftware.

Von den Miniwelten zur Gesamt-Weltsicht

In ihren Miniwelten arbeiten Systeme mit Künstlicher Intelligenz ganz erfolgreich. Aber die Wissenschaftler wollen die Künstliche Intelligenz gerade aus diesen Miniwelten herausholen. Lösungen dafür haben sie bisher aber nicht.

Auch auf der KI-Weltkonferenz in Shanghai gab es keine neuen Ansätze. Die Diskussion dort war eher enttäuschend. Aber insgesamt zeigt die wissenschaftliche Debatte deutlich, dass es derzeit auf die Kombination verschiedener Lernansätze für KI-Systeme ankommt.

Menschen lernen auf unterschiedliche Weise, diese Vielfalt brauchen wir auch in der KI-Forschung.
Ton Engbersen, Universität Groningen

"Menschen lernen auf unterschiedliche Weise, diese Vielfalt brauchen wir auch in der KI-Forschung", meint Ton Engbersen von der Universität Groningen, der viele Jahre intelligente Systeme für die IBM entwickelt hat.

Schon heute lernen Computersysteme mit unterschiedlichen Programmstrukturen. Die sind aber noch zu stark auf die jeweiligen Einsatzbereiche der KI-Systeme bezogen. Dabei lassen sich die Forscher von der Funktionsweise des menschlichen Gehirns inspirieren.

Menschliche Intelligenz bleibt das Vorbild

Will ein Kind etwa einen Ball fangen, dann greift es anfänglich oft daneben, gewinnt aber im Laufe der Zeit zunehmend an Sicherheit. Es lernt, den Ball zu fangen, und zwar über Fehlerrückmeldungen.

Das Kind sieht zum Beispiel, dass zwischen Ball und Hand noch eine zu große Entfernung liegt. In dem Fall eine Fehlerrückmeldung über den Sehsinn. Aber auch die Nerven in Arm und Hand leiten Informationen über den Fehlgriff an das zentrale Nervensystem weiter.

Die Kontaktstellen zwischen den biologischen Neuronen erhalten daraufhin eine andere Einstellung. So entstehen durch Versuch und Irrtum neue Verknüpfungsmuster, bis die Greifbewegung schließlich glückt und das Kind den Ball fängt.

Die Verknüpfung macht den Unterschied

Das Verknüpfungsmuster muss dabei die Gewichtungen zwischen Arm, Auge und Ball richtig setzen. Stimmen die Gewichtungen, glückt die Greifbewegung. Solche neuronalen Netze werden zunehmend durch Assoziativcomputer ergänzt.

Die Schaltmechanismen des menschlichen Gehirns werden dabei mit einem ziemlich komplizierten mathematischen Modell nachgebaut. Im Assoziativcomputer feuern die Synapsen auf der Festplatte. Mit dieser Technik sollen KI-Systeme aus Spezialanwendungen herausgelöst und eine allgemeine Weltsicht bekommen.

Effektive Kontrollsysteme und Lernverfahren, die mit Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik arbeiten, kommen dann noch hinzu. "Wir brauchen hier einen sehr breiten methodischen Ansatz", fordert Stefan Heumann von der Stiftung Neue Verantwortung.

Breiter Ansatz von Methoden notwendig

Die chinesische Staatsführung zumindest hat erkannt, dass technische Durchbrüche nur mit einem breiten Methodenansatz zu erreichen sind. Das ist als Parole auf der Weltkonferenz Künstliche Intelligenz in Shanghai deutlich propagiert worden.

Ob die europäische Forschungspolitik davon lernen kann, ist fraglich. Die KI-Konferenz in Shanghai war dafür wohl doch eine zu stark von chinesischen Entwicklern dominierte Veranstaltung, als dass es hier zu einem wirklichen Austausch hätte kommen können.

Künstliche Intelligenz: Systeme und Strategien

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