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Computer-Kreativität - Künstliche Intelligenz entwickelt Parfüm

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Parfümeure gehen einem der letzten Berufe mit magischen Momenten nach. Doch neue Duftnoten und Parfüms kommen künftig von Computern.

Parfümeur David Apel im Symrise-Kreativstudio in New York
Tiegel neben Computer: Parfümeur David Apel im Symrise-Kreativstudio in New York.
Quelle: Symrise

Dutzende von Tiegeln, eine Batterie von Reagenzgläsern, Stößel und Mörser, Kolben und Messbecher finden sich in den Labors der Parfümeure des Duftherstellers Symrise in New York. In denselben Labors stehen aber auch Gaschromatografen und Computer.

Und auf diesen Computern hat Philyra zum Beispiel zwei neue Düfte für die Parfümmarke O Boticário entwickelt. Philyra ist eine Software mit Künstlicher Intelligenz (KI) und einer riesigen Datenbank. 3.000 Rohstoffe, aus denen eine neue Duftnote für ein Parfüm gemischt wird, sind in dieser Datenbank hinterlegt.

Entscheidend ist die Rohstoff-Datenbank

"Philyra greift außerdem auf sämtliche Formeln und Rezepturen zurück, die je in unserem Unternehmen entstanden sind", erklärt Achim Daub, Vorstand des Parfümherstellers Symrise mit Sitz im niedersächsischen Holzminden. Dabei wählt die Software Rohstoffe für das neue Parfüm aus und entwickelt genau den Duftstoff, den ein Parfümhersteller in der nächsten Saison an den Markt bringen will.

"Der Kunde gibt vor, wie der Duft letztendlich riechen soll", erläutert Daub. Parfümentwicklung ist ein extrem zielgruppenorientiertes Geschäft. Die KI-Software Philyra wurde eingesetzt, um ein Parfüm für junge Menschen in Brasilien zu kreieren.

Dafür hat Philyra unter anderem Düfte, die in dieser Zielgruppe bisher sehr erfolgreich verkauft wurden, genauer analysiert. "Was Philyra im Hintergrund macht: Sie schaut sich alle existierenden Duft-Rezepte an und sieht Kombinationen, die in Parfüm-Rezepten gut funktioniert haben, und nimmt diese Kombinationen von zwei oder drei Rohstoffen als Baustein für ihre eigene Kreation", erklärt Daub.

Parfümentwicklung basiert auf Mustererkennung

Das ist klassische Mustererkennung. Aber die kombiniert Philyra mit anderen Methoden Künstlicher Intelligenz. "In einigen Fällen verwenden wir neuronale Netzwerke, in anderen Fällen Entscheidungsbäume, die wir auf Supercomputern mit Vektor-Architektur rechnen lassen", erklärt Softwareingenieur Richard Goodwin vom IT-Unternehmen IBM, das die Technologie für Symrise entwickelt hat.

So wie Menschen, die über eine natürliche Intelligenz verfügen, durch Erfahrung, Erfolg und Fehler lernen, so soll das auch in der Welt der Daten und Schaltkreise gelingen. Doch was genau verstehen wir eigentlich unter Künstlicher Intelligenz?

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Dabei werden auch Duftöle der Konkurrenz genauer in Augenschein genommen. "Das ist ein aufwändiger analytischer Prozess", urteilt Daub. Mit Gaschromatografen werden Parfümöle in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt.

"Da sieht man dann ganz genau, welche Inhaltsstoffe in welcher Konzentration verwendet wurden", sagt Daub. Philyra lernt also aus bestehenden Rezepturen und wandelt sie ab. "Philyra weiß, dass es auf die richtige Mischung ankommt", meint Softwareingenieur Goodwin. Die endgültige Entscheidung über die neue Parfümkreation ist aber immer noch dem Parfümeur vorbehalten. "Philyra soll den menschlichen Parfümeur ja nicht ersetzen, sondern unterstützten", sagt Daub.

Menschliche Parfümeure werden nicht arbeitslos

Die Software Philyra kreiert Parfüms
Mischung am Computer: Die Software Philyra kreiert Parfüms.
Quelle: Symrise

Hat Philyra eine neue Rezeptur für ein Parfüm zusammengestellt, wird die zum Laborcomputer geschickt. Der schickt entsprechende Befehle an die Abfüllroboter im Labor, und die mischen den neuen Duftstoff dann zusammen. "So kann innerhalb weniger Minuten vom Parfümeur angerochen werden", sagt Daub. Wenn der Parfümeur die von Philyra entwickelte Duftprobe begutachtet hat, fügt er noch weitere Inhaltsstoffe zu oder nimmt kleinere Änderungen an Philyras Rezept vor, bis der von ihm gewünschte Dufteindruck getroffen ist. "Die Parfümeure können dank Philyra viel kreativer experimentieren und werden durch die KI-gestützten Rezepturen auf ganz neue Ideen gebracht", fasst Goodwin die Erfahrungen der ersten Projekte zusammen.

Für eines wird Philyra schon in den nächsten Monaten sorgen: Die Misch-Roboter halten massenhaft Einzug in die Labors der Parfümeure. Sie rühren, mengen und schütteln die Duft-Rohstoffe nach den Anweisungen, die der Computer mit Künstlicher Intelligenz ihnen gibt.

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