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Künstliche Intelligenz - Algorithmen fürs Ohr

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Seit Erfindung des Tonstudios rüsten Musiker und Produzenten technisch kräftig auf. Der neueste Schrei: Künstliche Intelligenz. Computer komponieren vieles - aber auch Hits?

Wellenform eines Musikstücks
Wellenform eines Musikstücks Quelle: colourbox.de

Teuer kann das Album "I AM AI" der US-Sängerin Taryn Southern nicht gewesen sein - immerhin wurde es komplett von der künstlichen Intelligenz "Amper Music" komponiert, arrangiert und eingespielt. Die Künstlerin suchte am Computer lediglich Musikstil, Instrumente, Tempo aus. Den Rest erledigte der Computer. Und wie klingt das? Gar nicht schlecht. Die Single "Break Free" liegt irgendwo zwischen "Menschen Leben Tanzen Welt" und gefälligem Pop. Also nicht anders als das, was sonst in den Charts läuft.

Für die Musikindustrie ist künstliche Intelligenz natürlich ein gefundenes Fressen. Hits auf Knopfdruck wünscht sich wohl jeder Labelchef; ganz ohne zickige Musiker, lästige Kreativblocks und teure Produzenten. Wenn Computer heute besser Schach spielen als Menschen, warum sollten sie dann nicht auch bessere Musik komponieren?

Heimstudios rüsten auf

So simpel ist die Sache aber nicht. Denn Musiker und Produzenten nutzten seit Erfindung des Tonstudios immer die modernste Technik, die ihnen zur Verfügung stand - neu ist das Thema "Coolere Musik durch bessere Technologie" also nicht. Neu ist nur, dass die Musikprogramme inzwischen so ausgefeilt sind, dass man mit einem mittelmäßigen PC zu Hause ein gut klingendes Album produzieren kann. Selbst, wenn man sonst keine Note spielen kann.

Der Musiksoftware-Hype begann 1997 mit "Auto-tune". Auto-tune ermöglichte es Produzenten, allen Sängern und Sängerinnen, die den Ton nicht treffen wollten, nachträglich einen kleinen Software-Schubs auf die richtige Tonhöhe zu geben. Den Effekt, den man auch so einstellen kann, dass er unerträglich künstlich klingt, kann man gut in Chers "If You Believe" nachhören.

Inzwischen ist man eine Runde weiter. Das kostenlose Programm "Alter Ego" ersetzt zwar keine Sängerin, aber Background-Chöre kann man damit prima zusammenbasteln. Auch wenn die Stimmen noch nicht menschlich klingen, kann man gesungenen Text gut verstehen.

Band trifft Bach: Wenn der PC komponiert

Aber nicht nur Sängern droht, durch Software abgelöst zu werden. "Band-in-a-Box", ursprünglich als Begleitautomatik für Solomusiker gedacht, komponiert anständige Pop, Rock, Gospel- und richtig gute Jazz-Stücke. Und das mit allem Schnickschnack: Mit ein paar Klicks wechselt man den Stil des Solisten von Miles Davis zu George Shearing - und die Melodien klingen erstaunlich "richtig".

Die so entstandenen Stücke müssen dann noch nachbearbeitet werden  - vor allem das Schlagzeug klingt sehr maschinell. Die Algorithmen machen auch vor der Klassik nicht halt. "Tonica fugata" setzt aus kleinen Melodien Präludien, Partiten, Kanons und komplexe Fugen im Stil eines Johann Sebastian Bach - "Die Kunst der Fuge" fürs traute Heim, sozusagen. Das Programm übernimmt knifflige kompositorische Aspekte wie den Kontrapunkt und ist auch in der Lage, etwas freier zu komponieren, damit das eigene Bach-inspirierte Werk nicht klingt, als stamme es aus einer Nähmaschine. 

Generell gilt: Je formalisierter eine Musikrichtung, desto eher treffen die Kompositions-Programme den Geschmack. Das gilt für Jazz, Techno, Country und ganze Epochen klassischer Musik. Denn je ausformulierter die Stilrichtung, desto weniger "Überraschungen" mögen Hörer - und um so einfacher wird es für die Software, Gefälliges zu erzeugen.

Musiktechnologie wird vernetzt und smarter

Alle diese Programme sind bereits auf dem Markt - doch wie geht es weiter? Wohl durch den konsequenten Einsatz von künstlicher Intelligenz. Dabei geht es weniger um PR-Stunts wie bei Taryn Southern, sondern vielmehr um Komfort und Arbeitserleichterung beim Musikmachen.

Ein Beispiel aus der Praxis ist "Neutron 2" des US-Hersteller iZotope, die tief in die KI-Trickkiste gegriffen haben. Die Software erleichtert es Produzenten, eine bessere Ausgangsbasis für den Mix zu bekommen. Neutron 2 analysiert die Spur, die bearbeitet werden soll, stellt fest, um welches Instrument es sich handelt und stellt den Sound so ein, dass man beim Abmischen eine gute Ausgangsbasis hat. Das kann Stunden monotoner Arbeit ersparen.

Dabei greift die Software auf eine Datenbank tausender Songs zurück, die mit Machine Learning analysiert wurden. Im Test funktioniert das richtig gut - um daraus einen Hit zu machen, braucht es allerdings immer noch eine Menge menschliches Fingerspitzengefühl.

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