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Künstliche Intelligenz - "Roboter endlich als Freund sehen"

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Drei Milliarden Euro investiert der Bund bis 2025 in künstliche Intelligenz. "Ein paar Nullen mehr hätte ich mir gewünscht", sagt Gründer Sebastian Sujka. Und erklärt, warum.

Roboter "Robothespian" im Heinz Nixdorf Museumsforum in Paderborn
Künstliche Intelligenz wird die Arbeitswelt verändern. "Robothespian"
Quelle: dpa

Altenpflege-Roboter, Apps zur Krankheitserkennung, selbstfahrende Autos - was noch nach einem Science Fiction Film klingt, könnte mit künstlicher Intelligenz bald Realität werden. Künstliche Intelligenz (KI) gilt als die Zukunftstechnologie schlechthin, die wohl größte technische Revolution seit der Dampfmaschine. Das ist nun auch in der deutschen Politik angekommen, vor kurzem brachte der Bundestag die Strategie "Künstliche Intelligenz" auf den Weg. Drei Milliarden Euro investiert die Bundesregierung bis 2025 in den KI-Standort Deutschland, 100 Professuren sollen eingerichtet werde.

Drei Milliarden Euro - zu wenig

Klingt erstmal nach viel Geld, doch KI-Gründer haben sich von der jüngsten Strategie mehr erhofft: "Deutschland hat die Software-Welle verschlafen, jetzt haben wir endlich die Chance vorne mitzuspielen. Wenn man aber die Mittel sieht, mit den Unternehmen in den USA oder China unterstützt werden, hätte ich mir ein paar Nullen mehr gewünscht", sagt Sebastian Sujka. Der 34-Jährige hat vor vier Jahren xbird gegründet. Das Start-Up entwirft mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Software für Diabetespumpen und andere Medizingeräte.

Sebastian Sujka
Sebastian Sujka, Gründer von xbird, hätte sich mehr Investitionen erhofft.
Quelle: ZDF

Leben retten mit künstlicher Intelligenz, möglich machen das personalisierte Therapien bei chronischen Krankheiten wie Diabetes, kardiovaskulären oder neurologischen Erkrankungen. Ausgestattet mit Sebastian Sujkas Technik werten Messgeräte Bewegungsdaten, Schlaf- oder Ernährungsrhythmus aus - und zeigen dem Patienten, was er ändern kann, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Datenschutznation Deutschland - für Gründer nicht einfach

Seit vier Jahren arbeitet Sujka mit einem 14-köpfigen Team aus Informatikern und Medizinern an der Idee, bis die ersten Patienten die Technik nutzen konnten, dauerte es zweieinhalb Jahre. "We will save one million lives by 2020", steht auf der Website von xbird. Heute nutzen mehrere tausend Patienten seine Software, der Weg ist noch weit. Ein großes Problem sei vor allem Datenschutz. "Selbstverständlich muss man besonders im Gesundheitssystem mit sensiblen Daten verantwortungsvoll umgehen, aber in Deutschland könnte man schon von einer Überregulierung sprechen", findet er.

Ein Roboter spielt Tischtennis auf der Konferenz Künstliche Intelligenz in Shanghai.
Im Ausland setzt man stärker auf KI- wie hier in Shanghai.
Quelle: dpa

Auch der Branchenverband Bitkom sieht den Datenschutz als Herausforderungen für Gründer: "Das Datenschutzthema ist für Unternehmen deshalb so schwierig, weil die Datenschutzgrundverordnung künstliche Intelligenz nicht im Blick gehabt hat", erklärt Susanne Dehmel aus der Geschäftsleitung von Bitkom. "Manche Vorgaben sind daher bei KI-Anwendungen schwer umzusetzen, Unternehmen haben wenig Rechtssicherheit, es gibt beispielsweise keine klare Regelung, wann Daten als anonymisiert gelten". Die Juristin und KI-Expertin ist Mitglied der Enquete-Kommission des Bundestages zur KI. Von der Bundesregierung hatte auch sie sich mehr erhofft.

KI - in deutschen Unternehmen noch die Ausnahme

Fraglich ist außerdem, wie sich die künstliche Intelligenz auch außerhalb der Berliner StartUp-Szene in der deutschen Wirtschaft etablieren kann. Im Moment setzen nur vier Prozent der deutschen Unternehmen künstliche Intelligenz ein, vor allem im Mittelstand spiele die Technologie keine große Rolle, sagt eine Studie der Wirtschaftsberatungsfirma PwC. Damit KI sich in der deutschen Wirtschaft wirklich etablieren kann, müsse Forschung und Praxis zielgerichtet verbunden werden, sagt Susanne Dehmel von Bitkom.

In einzelnen Branchen funktioniere das schon gut, in München ist die Mobilitätsbranche im Digital Hub Mobility vernetzt. Ein guter Anfang, auf den laut Dehmel jetzt dringend aufgebaut werden muss. "Die drei Milliarden aus der KI-Strategie müssen gezielt in Leuchtturmprojekte gesteckt werden, es muss massiv  in Bildung und Fortbildung investiert werden, Maßnahmen wie 100 KI-Professuren sind da noch zu wenig", kritisiert die Expertin.  

Der Roboter als Freund

Trotz aller Kritik freut sich KI-Unternehmer Sebastian Sujka, dass künstliche Intelligenz endlich auf der politischen Agenda angekommen ist. Das könne ein Schritt hin zu einem KI-freundlicheren Klima in der Gesellschaft sein, "Roboter müssen endlich als Freund gesehen werden", wünscht sich der Gründer für die Zukunft. Natürlich sei besonders der Gesundheitsbereich sensibel. "Aber Ärzte stellen auch Fehldiagnosen, dass da mit zweierlei Maß gemessen wird, finde ich oft ungerecht". In seinem Start-Up kommt nur jeder Dritte aus dem deutschsprachigen Raum, viele Bewerbungen kommen aus dem Ausland, vor allem aus den USA. KI ist die Zukunft, davon ist Sebastian Sujka überzeugt. Deshalb will er expandieren - und ist gerade auf der Suche nach einem neuen Büro.

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