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Kulturhauptstadt Valletta - Klein, aber oho

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Sie ist eine besondere europäische Kapitale mit vielen Superlativen: Valletta, Europäische Kulturhauptstadt 2018, hat nicht nur dicke Festungsmauern und viel Geschichte zu bieten.

Maltas Hauptstadt Valletta ist neben der niederländischen Stadt Leeuwarden in diesem Jahr europäische Kulturhauptstadt. Seit dem Mord an einer Journalistin im Oktober hatte Maltas Image mächtig gelitten.

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Beim Anblick der schnurgeraden Sträßchen und Hügel können schnell Erinnerungen an die berühmten "Straßen von San Francisco" wach werden. Doch ansonsten hat die Hauptstadt von Malta nichts mit der amerikanischen Metropole im Norden Kaliforniens gemeinsam. Alleine gut 150 Mal könnte man Valletta, bezogen auf die Zahl der Einwohner, in San Francisco unterbringen. Mit ihren rund 6.000 Einwohnern ist sie die kleinste Kapitale Europas. Und dennoch sind nun alle Blicke auf „il-Belt“ (die Stadt), wie die Malteser ihre Hauptstadt nennen, gerichtet.

Valletta das Freilichtmuseum

Heute eröffnet Valletta ihr Jahr als Europäische Kulturhauptstadt. Die Besucher erwartet sie mit einer Vielzahl an Superlativen: Valletta, vor 452 Jahren als Festungsstadt von Rittern des Malteserordens gegründet, ist die älteste, auf dem Reißbrett geplante Stadt Europas, umgeben von den dicksten Mauern des Kontinents. Gleichzeitig kann sie sich damit rühmen, Europas einzige Hauptstadt zu sein, die vollständig unter Denkmalschutz steht. Mehr als 300 historische Bauwerke zählt Valletta. 1980 erklärte die UNESCO die Altstadt als Gesamtmonument deshalb auch zum Weltkulturerbe.

Was vor allem die Touristen glücklich macht, die sich im "Freiluftmuseum Valletta" an Sehenswürdigkeiten wie dem Großmeisterpalast, der St. John’s Co-Kathedrale und den vielen Palästen erfreuen, ist gleichzeitig ein Stück weit Vallettas Leid: Zwar ist die Stadt das kulturelle und historische Zentrum des südeuropäischen Inselstaats im Mittelmeer, der politische Bereich wird jedoch zunehmend in das moderne Wirtschaftszentrum Sliema verlegt. Auch die Mehrzahl der ausländischen Konsulate hat sich inzwischen in der mit 20.000 Einwohnern nominell größten Stadt Maltas angesiedelt.

Hightech-Architektur trifft mittelalterliche Fassaden

Aufgrund des Denkmalschutzes dürfen in Valletta nämlich praktisch keinerlei baulichen Veränderungen an den jahrhundertealten Bauwerken der Barockstadt vorgenommen werden. Eigentlich. Denn 2010 wurden markante Eingriffe in die Altstadtarchitektur vorgenommen: Einem fiel das alte Stadttor zum Opfer, um Platz für das neue Parlamentsgebäude zu schaffen. Maßnahmen, die nicht nur auf Gegenliebe gestoßen sind. Und auch sonst hegen die Malteser selbst ein eher zwiespältiges Verhältnis zu ihrer Inselmetropole.

Ihr Status und ihre Schönheit freilich sind unbestritten. Kein Wunder, strömt das fast autofreie Valletta auch heute noch das urbane Flair einer Großstadt des 17. und 18. Jahrhunderts aus. Keine Selbstverständlichkeit, schließlich richteten deutsche und italienische Bomben während des Zweiten Weltkriegs, als die Insel einer der wichtigsten britischen Marinestützpunkte im Mittelmeer gewesen ist, erhebliche Schäden an. Doch wurden die Kriegslücken in Valletta nicht wie anderswo durch simple Neubauten ersetzt, sondern durch weitgehend originalgetreue Nachbauten, die den ritterlichen Charme erhalten haben.

Die Stadt als Gesamtkunstwerk

Wohnen mochte in den aus den mit dem allgegenwärtigen "Malta Stone", erbauten Gebäuden, der diese je nach Sonneneinstrahlung mal cremig-hell, mal goldschimmernd, mal gleißend erstrahlen lässt, in der Vergangenheit jedoch niemand. Keine Fahrstühle, veraltete sanitäre Installationen, viel zu wenig Parkplätze, lautete die Kritik. Doch die Zeiten ändern sich, auch dank der Kulturhauptstadtplanung. Als Valletta 2012 den Titel für die Kulturhauptstadt zugesprochen bekam, sahen die Behörden das als perfekte Gelegenheit, der Welt die Schönheit der Stadt zu zeigen und ihr neues Leben einzuhauchen.

"Wir haben die größten Investitionen seit Maltas Unabhängigkeit im Jahr 1964 gesichert, um die Stadt zu erneuern", so Jason Micallef, Leiter der Valletta 2018 Foundation, die sich um die Planung des Kulturjahres kümmert. Mehr als 50 Millionen Euro wurden seit 2013 in die Stadt gesteckt. Das Ergebnis: Trotz der mittelalterlichen Fassade und alten Gebäude sprüht Valletta inzwischen vor Leben. Kleine Cafés laden zum Verweilen ein und an jeder Ecke findet man Restaurants und Bars, die Tische im Freien aufgestellt haben. Auch Vallettas Veranstaltungskalender ist im Kulturhauptstadtjahr voll: mit mehr als 140 Projekten und 400 Events - von klassischer Oper über Performance und Design bis zu Musik, Tanz und Film.

Gemächliche Lebensweise, beliebtes Kreuzfahrerziel

Wie sich das auf die bislang eher gemächliche Lebensweise in Valletta, geprägt vor allem durch Teilnehmer an Englischkursen und geschichtlich interessierte Touristen auswirken wird, bleibt abzuwarten. Alleine der zunehmende Kreuzfahrttourismus, der gerade in den Sommermonaten vom wohl schönsten Naturhafen "Grand Harbour" im Mittelmeer tausende Menschen in die Stadt spült, verändert die Stadt. Die kritischen Stimmen mehren sich, unter Einheimischen wie unter Touristen. Nun verspricht der Leiter von "Valletta 2018" erst einmal das "größter Fest", das die Insel jemals gesehen hat.

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