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"Hochagressive Stimmung" - Verletzte bei Zusammenstößen in Chemnitz

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Die Stimmung in Chemnitz bleibt nach den Ausschreitungen am Wochenende auch am Abend explosiv. Die Polizei versucht zwei Demonstrationen auseinanderzuhalten - und tut sich schwer.

Rechte Kundgebung am Montag in Chemnitz: Die Polizei versucht Zusammenstöße mit Gegendemonstanten zu verhindern.
Rechte Kundgebung am Montag in Chemnitz: Die Polizei versucht Zusammenstöße mit Gegendemonstanten zu verhindern.
Quelle: ap

Nach der tödlichen Messerattacke auf einen Deutschen und gewalttätigen und ausländerfeindlichen Ausschreitungen am Wochenende in Chemnitz hat es am Montagabend bei Zusammenstößen zwischen rechts- und linksgerichteten Demonstranten mehrere Verletzte gegeben. Wie die sächsische Polizei bestätigte, wurden die Verletzten zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht, nachdem Kundgebungsteilnehmer der beiden Versammlungslager mit "Feuerwerkskörpern und anderen Gegenständen" geworfen hätten, teilte die Polizei mit.

Wegen mehrerer Vermummungen hielt die Polizei den Zug der rechten Bürgerbewegung Pro Chemnitz an, wie sie weiter mitteilte. Einige Rechtspopulisten sollen zudem "nach ersten Hinweisen" den Hitlergruß gezeigt haben.

Tausende Menschen auf beiden Seiten

Bis zum Montagabend hatten sich mehrere tausend Menschen in der sächsischen Stadt versammelt, um an Protestdemonstrationen teilzunehmen. Allein an der von Rechten getragenen Kundgebung beteiligten sich nach Schätzungen weit mehr als 2.000 Menschen.

Nachdem mehrere Böller explodierten und eine Rakete aus den Reihen der rechten Demonstranten gezündet wurde, setzte sich ein Marschzug in Bewegung. Auf der anderen Seite der viel befahrenen Hauptstraße hatten sich mehr als 1.000 Gegendemonstranten zusammengefunden. Die Polizei versuchte mit einem Großaufgebot von Beamten und Fahrzeugen, beide Lager zu trennen. Wasserwerfer wurden aufgefahren, um bei einer weiteren Eskalation die Lage unter Kontrolle zu halten.

Auch in den sozialen Netzwerken ruft die sächsischen Polizei die Menschen zur Besonnenheit auf:

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Nicht nur die Polizei, sondern auch Stadt und Landespolitik hatten den Montag über zur Besonnenheit aufgerufen. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer mahnte auf Twitter eine umfassende Aufklärung der Vorgänge vom Wochenende an und verurteilte ebenso wie Innenminister Roland Wöller (beide CDU) Stimmungsmache von Rechts. Auch die Bundesregierung kritisierte die Gewaltbereitschaft einiger Demonstranten scharf.

Auf den gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen folgen Proteste, die teilweise in Gewalt ausarten. Am nächsten Tag werden wegen der Messerattacke Haftbefehle erlassen: Gegen einen Iraker und einen Syrer.

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Polizei: Etwa 50 Gewaltbereite am Sonntag

Am Sonntag hatte es zwei Demonstrationen als Reaktion auf eine tödliche Messerattacke am Rande des Stadtfestes gegeben. Gegen die beiden mutmaßlichen Täter, einen 22-jährigen Iraker und einen 23-jährigen Syrer, wurde am Montag nach Angaben der Staatsanwaltschaft Chemnitz Haftbefehl erlassen. Gegen die Männer werde wegen des Verdachts auf gemeinschaftlichen Totschlag ermittelt. Sie sitzen in Untersuchungshaft. Über das Motiv für die tödliche Auseinandersetzung wurde am Montag nichts bekannt. Mittlerweile hat die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden hat die Ermittlungen übernommen.

Am Rande des Festes war es nach Polizeiangaben in der Nacht zum Sonntag zu einer "Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen unterschiedlicher Nationalitäten" gekommen. Dabei wurde ein 35-jähriger Deutscher getötet. Zwei weitere 33 und 38 Jahre alte Männer sollen schwer verletzt worden sein. Die Polizei hatte die beiden Verdächtigen noch in der Nacht festgenommen, ohne zunächst ihre Nationalitäten zu nennen.

Mehrere Anzeigen zu Angriffen auf Ausländer

Als Reaktion auf den Vorfall zogen am Sonntag nach Aufrufen in sozialen Netzwerken laut Polizei rund 800 Menschen durch die Innenstadt. Laut Polizei waren darunter etwa 50 Gewaltbereite. Auf im Internet kursierenden Videos ist zu sehen, wie Teilnehmer "Wir sind das Volk" und "Das ist unsere Stadt" skandieren. Ein Video zeigt eine Attacke auf einen ausländisch aussehenden Mann. Laut Polizei hatten die Gewaltbereiten in der Menschenansammlung das Sagen. Polizisten seien aus der Gruppe heraus mit Flaschen und Steinen beworfen worden, die Beamten hätten Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt, um der Lage Herr zu werden.

Der Chemnitzer Polizei lagen am Montag nach Angaben von Polizeipräsidentin Penzel drei Anzeigen zu Angriffen auf Ausländer während der Ausschreitungen vor. Unter anderen seien am Sonntag eine 15 Jahre alte Deutsche und deren 17-jähriger afghanischer Begleiter attackiert und verletzt worden. Später sei ein 18 Jahre alter Syrer geschlagen worden. Zudem sei ein 30-jähriger Bulgare von einem Unbekannten festgehalten und bedroht worden. Penzel forderte die Bevölkerung auf, eventuell vorhandenes weiteres Filmmaterial von der tödlichen Attacke oder den anschließenden Ausschreitungen den Ermittlern zur Verfügung zu stellen.

"Neue Dimension der Eskalation"

Für die Bundesregierung sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin: "Solche Zusammenrottungen, Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft, oder der Versuch, Hass auf den Straßen zu verbreiten, nehmen wir nicht hin." In Deutschland sei kein Platz für Selbstjustiz und für "Gruppen, die auf den Straßen Hass verbreiten wollen, für Intoleranz und für Extremismus".

Der sächsische Innenminister Wöller sprach bei einem Besuch in Chemnitz von einer neuen Dimension der Eskalation. Es kursierten Spekulationen, Falschmeldungen und regelrechte Lügen im Netz. Auch der stellvertretende sächsische Ministerpräsident Martin Dulig (SPD) sagte, Selbstjustiz, Mutmaßungen und Gerüchtemacherei seien nach der tödlichen Attacke fehl am Platz. Das Gewaltmonopol liege beim Staat. Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) sagte, sie hoffe auf die Besonnenheit derer, die trauern.

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