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Wie Roboter Ai-Da funktioniert - Kunst oder Kokolores: Wenn Roboter zeichnen

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Führt der Zeichenroboter Ai-Da in die moderne Kunst des 21. Jahrhunderts? Oder stecken unter der Silikonhaut nur clever kombinierte Standards? Eine Analyse.

Roboterhand zeichnet mit einem Bleistift
Eine Software steuert Ai-Das Roboterarm, an dem ein Bleistift befestigt ist. Damit entstehen etwas krakelige Zeichnungen.
Quelle: dpa

"Ich mag menschlich aussehen, aber mein Kopf ist mit Silikon überzogen, meine Zähne und Zahnfleisch wurden 3D-gedruckt, in meinen Augen arbeiten integrierte Kameras und ich trage eine Perücke." Die Selbstbeschreibung der Künstlerin Ai-Da klingt erstmal befremdlich. Wenn man sich aber vergegenwärtigt, dass Ai-Da ein menschlich aussehender Zeichen-Roboter ist, wird einiges klarer.

Ai-Da ist eine Schöpfung des britischen Kunsthändlers und Galeristen Aidan Meller sowie der Kuratorin Lucy Seal, die in Zusammenarbeit mit der Uni Oxford den Kunstroboter erschufen. Dort läuft nun auch die Ausstellung "Unsecured Futures" ("Ungesichterte Zukunft"), auf der man Ai-Das Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen bewundern kann. Für Meller und Seal hat sich das Investment bereits gelohnt: Ai-Das Werke spielten bereits mehr als eine Million US-Dollar ein. Die "Künstlerin" ist noch bis zum 6. Juli anwesend und porträtiert auf Wunsch ihr Publikum.

Zeichnende Roboter? Wie funktioniert das?

Wie aber kann ein Roboter zeichnen? Das ist weniger kompliziert, als man auf den ersten Blick annimmt. Wie jeder menschenähnliche Roboter besteht Ai-Da aus Hard- und Software. Für das hollywoodreife Gesicht zeichnen sich die Robotik-Designer der HBO-Serie "Westworld" verantwortlich - und das sieht auf den ersten Blick menschlich und höchst fotogen aus. Um Ai-Da noch menschlicher erscheinen zu lassen, kann sie Kopf und Augen bewegen und sogar blinzeln.

Ihre Software entstand an den Universitäten Oxford und Leeds. Sie ermöglicht es dem Roboter, eine Person im Raum mit Kameras zu erfassen, die in ihren Augen montiert sind. Die Software steuert dann einen Roboterarm, an dem ein Bleistift befestigt ist. Damit entstehen etwas krakelige Zeichnungen, die durchaus Charme entwickeln.

Erst die Software macht die Kunst

Ob ausgerechnet Roboter die nächsten großen, identitätsstiftenden Kunstwerke der Menschheit erschaffen werden, sei dahingestellt. Eigentlich geht es nicht um Ai-Das menschenähnlichen Körper, sondern um die Software, die darin tickt. Zieht man alles Physische ab, also die Servomotoren, Silikonhülle, Augen-Kameras und den Zeichenarm, bleiben Kunst-Algorithmen übrig - und hier lohnt es sich, ein wenig genauer hinzuschauen.

Wer heute mit seinem Handy ein Foto nachbearbeitet, nutzt bereits "Kunst"-Software, zum Beispiel die Fotofilter auf Instagram. Diese Software orientiert sich an Augen, Mund und Nase und legt eine "künstlerische Schicht" über das Originalbild. Dabei gilt: Je ausformulierter ein Stil ist, desto einfacher kann der Computer ihn kopieren. Die kommerziell verfügbarer Software "StudioArtist" beispielsweise erstellt überzeugend Aquarelle, Pointillismus oder Outlines in Sekundenschnelle. Soweit also nichts Neues.

Auch die Programmroutine, menschliche Gesichter auf einem Videobild zu erkennen und vom Hintergrund zu isolieren, ist altbekannt. Gesichtserkennungs-Software gibt es seit Jahren, vor allem in der Überwachungstechnik. Verknüpft man nun beides geschickt, hat man seinen "Zeichenroboter". Das ist durchaus clever, aber noch nicht wirklich "intelligent".

Mit echter KI-Software wird’s schneller Kunst

Künstlerisch wird es erst, wenn man der Software eine weitere Komponente einpflanzt, nämlich die Möglichkeit zu lernen und kreative Entscheidungen zu treffen. Das ist durchaus machbar. So arbeitet der Münchner Künstler Mario Klingemann mit Algorithmen und umfangreichen Fotodatenbanken, aus denen der Computer selbständig Kunstwerke erschafft. Und holländische Wissenschaftler fütterten einen Computer mit Bildern des Alten Meisters Rembrandt van Rjin - und erzeugten so daraus ein neues Gemälde namens "The Next Rembrandt", das sogar Experten täuschte.

Ist der Hype um den Zeichenroboter Ai-Da also gerechtfertigt? Man ist geneigt, die Frage zu verneinen. Theoretisch könnten die Kunstwerke an jedem beliebigen Computermonitor entstanden sein, aber dann wäre der Flair des Exotischen wohl futsch. Denn menschlich aussehende Roboter konfrontieren uns damit, dass sie eines Tages die "besseren Menschen" sein könnten. Doch was semi-intelligente Kunstmaschinen von ihren menschlichen Kollegen unterscheidet, ist ihre fehlende Spontaneität, die Fähigkeit zu reflektieren, zu beurteilen, und vor allem - zu fühlen. Aber was (heute) noch nicht ist, kann ja (morgen) noch werden - vermutlich mit einem kleinen Softwareupdate.

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