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"Die Vielen": Kunst zeigt Haltung - Kulturschaffende setzen Zeichen für Toleranz

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Sie setzen sich ein für eine offene Gesellschaft. Bundesweit zeigen Kulturschaffende Haltung und solidarisieren sich. Es ist ihre Antwort auf ein spürbar raueres Klima.

"Die Vielen" - eine bundesweite Bewegung
"Die Vielen" - eine bundesweite Bewegung
Quelle: "Die Vielen" - eine bundesweite Bewegung

Am Berliner Friedrichstadt-Palast sah man sich im Oktober 2017 nach einer Äußerung des Intendanten Berndt Schmidt gegen die AfD mit Hassmails, Mord- und sogar einer Bombendrohung konfrontiert. Ebenfalls in der deutschen Hauptstadt wurde das Deutsche Theater im vergangenen Jahr zur Zielscheibe der rechtsextremen "Identitären Bewegung", die dort eine Aufführung störten. Das Klima in der Kulturszene ist spürbar rauer geworden. Kunst- und Kultureinrichtungen, die sich weltoffen zeigen, werden bedroht und unter Druck gesetzt.

Für eine offene Gesellschaft

Seit 2017 wehren sich Kunst- und Kulturschaffende gegen eine stärker werdende Einflussnahme von Rechtsaußen auf ihre Arbeit. "Wir wollen dafür sorgen, dass die Freiheit der Kunst unangetastet bleibt", betont Holger Bergmann. Der Kurator, Mentor und Geschäftsführer des "Fonds darstellende Künste" hat als Antwort auf einen altliberalen, antidemokratischen und vereinfachenden Diskurs vor zwei Jahren den kulturpolitisch engagierten gemeinnützigen Verein "Die Vielen" ins Leben gerufen.

Egal ob Museen, Schauspiel- und Opernhäuser, freie Theater, Kulturvereine, Verlagshäuser, Ateliers, Clubs oder Galerien: Die Beteiligten treten ein für ein Zusammenleben mit offenen Grenzen. Sie solidarisieren sich mit allen Aktiven der Kunst- und Kulturlandschaft und deren Institutionen, die von rechtspopulistischen und rechtsextremen Positionen attackiert oder in Frage gestellt werden. Sie setzen sich ein für eine offene, vorurteils- und diskriminierungsfreie Gesellschaft.

Mehr als eine Positionierung gegen rechts

Und doch hat jede der "Die Vielen"-Erklärungen ihren eigenen Charakter. "Uns war es wichtig, dass jede regionale Gruppe und jede Stadtkulturlandschaft eigene Themen setzt und dazu ihre eigene Erklärung formuliert", unterstreicht Holger Bergmann. Die Initiative will der "Die Vielen"-Vereinsvorsitzende dabei nicht nur als bloße Positionierung gegen Rechtsaußen verstehen. "Die Vielen" sind für ihn mehr: "Unser Ziel ist es, Diskussionen in Gang zu bringen. Denn Kunst- und Kultureinrichtungen sind wichtige Labore, um über die Fortentwicklung unserer demokratischen Gesellschaft nachzudenken."

Auch für Marc Grandmontagne ist es an der Zeit, als Akteure des öffentlichen Lebens entsprechend Position zu beziehen. Der Geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins mahnt: "Es ist unser Auftrag, die Ursachen dessen, was in der Gesellschaft passiert, zu spiegeln, zu hinterfragen und zu erforschen. Wir dürfen eine solche Aktion der Solidarität aber nicht als Anlass nehmen, um uns in einem Gefühl der Stärke zurückzulehnen."

Politische Macht des Theaters nutzen

Gerade aufgrund der gesellschaftlichen Verwerfungen, gehe es darum, Brücken zu bauen und nicht neue Gräben zu ziehen. Für Grandmontagne ist es eine herausfordernde Daueraufgabe, die unter anderem auf der Bühnenvereins-Jahreshauptversammlung im Juni ein Schwerpunktthema sein wird. Er hebt hervor: "Wir als Kunst- und Kulturschaffende müssen selbstkritisch darüber nachdenken, wie wir unseren Beitrag leisten können, damit Menschen über ihre Positionen miteinander ins Gespräch kommen und ihre Themen auf der Bühne zur Verhandlung kommen."

Wichtig ist Holger Bergmann dabei Kontinuität und ein langer Atem: "Wir brauchen weder Aufgeregtheit noch ein übereiltes Handeln, sondern kluges und schlaues Nachdenken, um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen." Insbesondere die anstehende Europawahl hat Ansgar Haag dabei im Blick. Der Intendant des Meininger Staatstheaters gehört zu den Unterzeichnern der "Thüringer Erklärung" der "Die Vielen". Er sagt: "Es ist wichtig, dass die deutsche Theaterlandschaft, die von ihrer Struktur her einzigartig in der Welt ist, beim Zusammenhalt des derzeit auseinanderdriftenden Europas ihre politische Macht nutzt."

"Wir sind viel mehr"

Die Erklärung der "Die Vielen" ist für ihn ein Manifest der Geschlossenheit für die gesamte Theaterlandschaft, in Thüringen und natürlich weit darüber hinaus: "Forderungen sind hier: Keine Kürzungen in den Theateretats, auch wenn eine politische Partei dies vorschlägt und keinen politischen Einfluss auf die Gestaltung der Spielpläne, auch nicht durch finanziellen Druck, der eine höhere Platzausnutzung erzwingt und damit zeitgenössisches oder politisch-aktives Theater verhindert."

Für Professor Holger Felten, Präsident der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, sind die Erklärungen ohnehin eine Selbstverständlichkeit: "An einer Hochschule wie der unseren kennt man die Frage der Ausgrenzung nicht. Kunst darf niemals an eine religiöse, sprachliche oder ethnische Grenze gebunden sein." Sein Appell: "Dieses Selbstverständnis muss das mitunter holzschnittartige Schwarz-Weiss-Denken ablösen, das sich auch in der Politik verfestigt hat. Wir sind viel mehr, als diejenigen, die ihre vermeintlichen Wahrheiten laut herausschreien."

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