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"Die werden die Beute auseinandernehmen"

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Kunstraub in Dresden - "Die werden die Beute auseinandernehmen"

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Der Kunstraub aus dem Grünen Gewölbe wirft viele Fragen auf. Was können die Täter mit der Beute anfangen? Warum waren die Juwelen nicht versichert? Hier die wichtigsten Antworten.

Nach dem Einbruch ins Dresdner Residenzschloss sichert die Polizei weiter Spuren und fahndet nach den Tätern. Unklar ist, wie die Tat trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen gelingen konnte.

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Was können die Diebe mit ihrer Beute anfangen?

Die Brillant- und Diamantgarnituren sind für die Täter quasi unverkäuflich. Der Kunstversicherer Stephan Zilkens fasst zusammen: "Die Diebe haben nur eine einzige Chance: Sie werden ihre Beute auseinandernehmen. Das heißt: Die Steine neu schleifen, damit der antike Schliff nicht mehr erkennbar ist. Nur dann können sie sie im weltweiten Netz von Juwelieren verkaufen."

Den ominösen Kunstsammler, der für Geld einen Raub beauftragt – den gibt es nur im Fernsehen
Stephan Zilkens, Kunstversicherer

Dass die Täter versuchen werden, Lösegeld für die Juwelen zu erpressen, hält Zilkens für unwahrscheinlich. "Die Stücke sind nicht versichert, gehören dem Freistaat Sachsen. Sachsen müsste also Hehlerware ankaufen - das ist verboten."

Aber könnte nicht auch ein reicher Kunstsammler dahinter stecken, der schon immer genau diese Juwelen in seinen Besitz bringen wollte? Zilkens winkt ab: "Den ominösen Kunstsammler, der für Geld einen Raub beauftragt – den gibt es nur im Fernsehen".

Raub im Grünen Gewölbe: Ein Überwachungsvideo der Polizei Sachsen zeigt die Täter.

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Warum waren die Juwelen nicht versichert?

Kulturgüter aus öffentlichen Museen sind im Prinzip nicht versichert, Schäden über die sogenannte Staatshaftung gedeckt. Für öffentliche Museen ist die Staatshaftung attraktiv, da sie keine Versicherungsbeiträge entrichten müssen. "Das ist so üblich", sagt Kunstversicherer Stephan Zilkens. "Wollen Sie beispielsweise Kunst und Juwelen im Wert von einer Milliarde versichern, müssen Sie mit einer Prämie von 150.000 bis 300.000  Euro jährlich rechnen. Das lohnt sich für die meisten staatlichen Museen nicht."

Leihgaben hingegen seien meistens versichert. Auch der Grüne Diamant aus der Dresdner Sammlung, der zur Zeit im Metropolitan Museum of Art in New York gezeigt wird, ist für die Präsentation in Übersee versichert. Sobald er an seinen angestammten Ort zurückkehrt, entfällt der Schutz - dann haftet wieder der Staat.

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Wie hoch ist der Schaden?

Nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden handelt es sich weniger um einen materiellen Schaden als um eine kulturhistorische Katastrophe. In Geld lasse sich die Dimension des Desasters nicht messen, sagt Generaldirektorin Marion Ackermann. Sie lehnt es ab, von Werten in "Milliardenhöhe" zu sprechen.

Vielmehr sind durch den Raub in dem vom Kurfürsten August dem Starken (1670-1733) angelegten Staatsschatz Lücken gerissen worden. Die Bestände seien nicht mehr in dem Maße vollständig wie sie historisch überliefert wurden.

Warum haben die Wachleute den Coup nicht vereitelt?

Die Wachleute waren nicht bewaffnet. Es sei üblich, dass das Sicherungspersonal nicht selbst eingreift, sagt der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Eckart Köhne. "Die Täter gehen manchmal auch mit großer Brutalität vor und die Wachleute sind ja keine ausgebildeten Einzelkämpfer".

Es gehe darum, möglichst schnell die Polizei zu holen. "Es ist sicherlich nicht so, dass man da Menschen braucht, die Helden spielen. Menschenleben muss man definitiv schützen."

Wie steht es um die Sicherheit in Museen?

"Wir sind eben kein Banksafe."
Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes

Museen stecken im Zwiespalt zwischen Sicherung der Objekte und Zugang für die Öffentlichkeit. "Wir sind keine Banktresore", betont der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Eckart Köhne, im ZDF-mittagsmagazin. "Wir sollen für ein Publikum offen sein" - entsprechend könne man stets nur einen Kompromiss zur Sicherheit finden. Die Sicherheitsvorkehrungen in Dresden hätten auf jeden Fall funktioniert: "Die Polizei war in fünf Minuten da". Es sei ein "so schneller Raub" gewesen, dass die Täter nicht gestellt werden konnten.

Die kriminelle Energie der Diebe sei vergleichbar mit der bei einigen Vorfällen der vergangenen Monate . "Und man kann sich eben nicht gegen alle Risiken sichern", so Köhne. Je teurer und seltener die Objekte seien, desto besser seien sie auch geschützt. Aber letztlich "ist die Sicherheit immer so, wie der Zustand des jeweiligen Gebäudes". Dabei arbeiteten die Museumsträger jeweils zusammen mit Bauämtern, Baubehörden und zuständigen Stellen. "Da ist es schon so wie bei einem Eigenheim, dass man natürlich auch nicht alle zwei Jahre ein Update machen kann."

Die Museen in Deutschland stecken im Zwiespalt zwischen Sicherung der Objekte und Zugang für die Öffentlichkeit. "Museen sind keine Banktresore", so der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Eckart Köhne.

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Wie lange bleibt das Grüne Gewölbe geschlossen?

Direktor Dirk Syndram sagte dem MDR, er rechne damit, dass die Schatzkammer "längere Zeit" zu bleibe. Der Tatort ist derzeit noch nicht freigegeben, die Polizei sichert weiterhin Spuren. Eine umfassende Bestandsaufnahme ist erst nach Ende der Spurensicherung möglich. "Sobald der Tatort freigegeben ist, werden wir die Sachen schnellstmöglich bergen und wissen, wie viel von den knapp 100 Objekten, die insgesamt in der Vitrine waren, nicht mehr da sind", sagte Syndram.

Die Suche nach DNA der Diebe sei jedoch nicht einfach in einem Museum, in dem ständig Betrieb ist, so ein Polizeisprecher. Die anderen Museen im Residenzschloss sollen am Mittwoch wieder öffnen.

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