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Kurden bitten Assad um Hilfe - In Syriens Norden werden die Karten neu gemischt

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Die Lage im Norden Syriens ist undurchsichtig: Kurden bitten syrische Regierungstruppen um Hilfe, von der Türkei unterstützte Kämpfer erklären ihre Angriffsbereitschaft.

Im syrischen Bürgerkrieg werden die Karten neu gemischt - darauf deuten die Ereignisse rund um das strategisch wichtige Manbidsch nahe der Grenze zur Türkei hin. Bislang wird die Stadt von Kurden kontrolliert. Die baten nun aus Sorge vor einer Offensive der Türkei die Truppen von Machthaber Baschar Al-Assad um Hilfe - eine Bitte, der die syrische Armee offenbar umgehend entsprechen wollte.

Strittig ist, wie weit die regierungstreuen syrischen Truppen dabei gekommen sind. Ein Armeesprecher erklärte im Staatsfernsehen, die Soldaten hätten in der Stadt die syrische Nationalflagge gehisst; der verbündete Iran gratulierte umgehend dazu. Dagegen widersprach das US-Militär: Die syrische Armee sei nicht in Manbidsch eingerückt, erklärte der Sprecher des US-amerikanischen Zentralkommandos, Oberstleutnant Earl Brown. Anderen Meldungen zufolge befinden sich Assads Soldaten in der Nähe der Stadt; Fernsehbilder zeigten die syrische Flagge auf den Dächern der Stadt.

Im Norden und Westen der Stadt

Der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge waren etwa 300 syrische Soldaten und regierungstreue Milizionäre im Norden und Westen der Stadt postiert. Sie bildeten demnach eine Art Pufferzone zwischen Manbidsch und pro-türkischen Kämpfern. Es wäre das erste Mal seit sechs Jahren, dass sich syrische Streitkräfte nahe der Stadt befinden, 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.

Während sich die Türkei mit offiziellen Reaktionen bislang zurückhielt, erklärten sich von der Türkei unterstützte syrische Kämpfer zu einem Angriff auf Manbidsch bereit. Das sagte ihr Sprecher Jussef Hammud. Die Kämpfer hätten ihre Stellungen an der Frontlinie nahe der Stadt verstärkt. Sie seien in Alarmbereitschaft und warteten auf das Signal für den Beginn der Schlacht, sagte er.

Die syrischen Kurden hatten die Regierung in Damaskus um Beistand gegen die Türkei gebeten: "Wir laden die syrischen Regierungstruppen ein, die Kontrolle über die Gebiete zu übernehmen, die wir ihnen entzogen haben, insbesondere von Manbidsch, und diese Gebiete gegen eine türkische Invasion zu verteidigen", erklärten die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG, die damit das Zweckbündnis mit dem syrischen Militär unterstrichen.

US-Militär ruft zu Mäßigung auf

Die US-geführte Militärkoalition forderte alle Seiten auf, die "Integrität von Manbidsch und die Sicherheit der Einwohner" zu respektieren. "Unsere Mission hat sich nicht geändert", fügte er hinzu. "Wir werden weiter unsere Koalitionspartner unterstützen, während wir einen freiwilligen und kontrollierten Rückzug unserer Kräfte vornehmen", sagte er.

Manbidschs Vizebürgermeisterin Nura al-Hamad sagte, die Regierungstruppen würden nicht selbst in die Stadt einrücken. Sie würden sich auf der Demarkationslinie zu den von der Türkei unterstützten Milizen positionieren. Soldaten aus den USA und Frankreich befänden sich weiterhin auf ihren Positionen in der Stadt und setzten ihre Patrouillen fort.

Karte von Syrien und der Türkei mit den Städten Afrin und Manbidsch
Die umkämpften Städte Afrin und Manbidsch
Quelle: ZDF

Erdogan hat Kurden mehrfach gedroht

Die YPG hatten Manbidsch 2016 erobert und damals die Kämpfer der IS-Terrormiliz aus der Stadt vertrieben. Dabei waren sie von der internationalen Anti-IS-Koalition unter Führung der USA mit Luftangriffen, Spezialkräften und Waffen unterstützt worden. Die YPG-Präsenz in der Stadt westlich des Euphrat war der Türkei von Beginn an ein Dorn im Auge, da sie ein unabhängiges kurdisches Gebiet an ihrer Südgrenze verhindern will. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte vor kurzem eine Militäroffensive angekündigt, um die YPG aus der Region zu vertreiben.

Das türkische Verteidigungsministerium erklärte am Freitag, die syrischen Kurden hätten "nicht das Recht", sich Beistand aus Damaskus zu holen. Syriens Verbündeter Russland hingegen begrüßte den Vorstoß der syrischen Armee. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, der Vormarsch trage zur "Stabilisierung der Lage" bei. Russland will Anfang Januar einen weiteren Syrien-Gipfel mit den Präsidenten des Iran und der Türkei einberufen.

Vergangene Woche hatte US-Präsident Donald Trump überraschend den Abzug der rund 2.000 US-Soldaten aus Syrien angekündigt, woraufhin Erdogan erklärte, die YPG würden nun aus der Region vertrieben. Wegen der US-Truppenpräsenz in Nordsyrien hielt sich Ankara bis zu diesem Zeitpunkt mit Angriffen zurück. Trumps nationaler Sicherheitsberater John Bolton kündigte unterdessen an, dass er im Januar in die Türkei und nach Israel reisen werde, um die Lage in Syrien zu erörtern. Ankara hat den US-Truppenabzug begrüßt, während Israel sich besorgt zeigt.

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