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Referendum über Unabhängigkeit - Erdogan droht Kurden im Nordirak mit Öl-Blockade

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Die Auszählung des Unabhängigkeitsreferendums der Kurden im Nordirak hat begonnen. Beobachter erwarten eine große Mehrheit für die Abspaltung vom Irak. Die Wahlbeteiligung war hoch - trotz heftigen Widerstands der irakischen Regierung und der Nachbarstaaten. 

Kurdenpräsident Massud Barsani steht seit Tagen unter massivem Druck von allen Seiten, die angesetzte Abstimmung über die Unabhängigkeit der autonomen Kurdenregion im Nordirak abzusagen. Die Kurden wollen dennoch an ihrem Vorhaben festhalten.

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Bei dem Volksentscheid in der kurdischen Autonomieregion wird mit einer überwältigenden Zustimmung für die Unabhängigkeit gerechnet. Vor den Wahllokalen bildeten sich am Morgen lange Schlangen von euphorischen Wählern in traditioneller Kleidung. "Wir werden unsere Unabhängigkeit durch die Urnen erhalten, und ich bin sehr glücklich, der erste Wähler zu sein", sagte der 40-jährige Dijar Omar vor einem Wahllokal in Suleimanijeh, der zweitgrößten Stadt der Kurdenregion, wo insgesamt 5,3 Millionen Menschen zur Wahl aufgerufen waren.

Der Kurdenführer Massud Barsani hatte die Abstimmung im Juni angesetzt und trotz massiven Widerstands der Zentralregierung in Bagdad sowie der Türkei und Irans daran festgehalten. Vermittlungsbemühungen blieben erfolglos.

Iran schließt Grenzen zum Nordirak

Wegen des Referendums machte Iran heute seine Grenzen zum Nordirak dicht - "auf Wunsch des irakischen Außenministeriums", teilte ein Regierungssprecher in Teheran mit. Schon am Sonntag hatte Iran den Luftraum zum Nordirak geschlossen und alle Flüge nach Suleimanija und Erbil bis auf weiteres gestrichen.

Auch die Türkei kündigte die Schließung der Grenze zur Kurdenregion im Nordirak an. Der Übergang Habur werde in beide Richtungen geschlossen, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan in Istanbul. Zudem drohte er den Kurden mit dem Stopp ihrer lebenswichtigen Ölexporte. "Anschließend werden wir sehen, an wen sie (ihr Öl) verkaufen. Der Hahn ist bei uns. Sie sind erledigt, sobald wir ihn zudrehen", sagte Erdogan.

Türkei droht mit Militärintervention

Er drohte außerdem mit einer militärischen Intervention nach dem Vorbild des türkischen Einmarsches in Syrien. "Wir können eines Nachts ganz plötzlich kommen", sagte der türkische Präsident. So sei die Türkei auch in Syrien verfahren. "Wenn es sein muss, werden wir nicht davor zurückschrecken, auch im Irak solche Schritte zu unternehmen." Das Referendum nannte Erdogan "null und nichtig". Die Türkei werde das Ergebnis der "illegalen" Volksabstimmung nicht anerkennen.

Die Türkei ist der wichtigste Handelspartner der irakischen Kurden, die zum Export ihres Erdöls auf die Pipeline ins türkische Ceylan angewiesen sind. Bisher unterhielten sie freundschaftliche Beziehungen zu Ankara. Die türkische Regierung fürchtet aber ebenso wie Iran, dass sich ihre eigene kurdische Minderheit durch das Referendum im Nordirak in ihrem Streben nach Unabhängigkeit ermutigt fühlt.

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