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Kuriose Kunstunfälle - Ist das Kunst oder kann das weg?

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Sie werden zweckentfremdet, weggeschrubbt oder übermalt. Immer wieder fallen Kunstwerke ungeschickten Besuchern, übereifrigen Putzfrauen oder sogar den Künstlern selbst zum Opfer.

HHole Installation in Mannheim
Das "Loch von Mannheim" wurde wegen einer Sanierung abgebaut - gegen den Willen der Künstlerin.
Quelle: dpa

Vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe geht es heute gleich zweimal um entfernte Kunstwerke. Verhandelt wird zum einen im Fall von Installationen in den Räumen einer Minigolf-Anlage, die im Zuge von deren Umgestaltung zerstört wurden.
Im anderen Rechtsstreit geht es um das "Mannheimer Loch". Die Klägerin, die Künstlerin Nathalie Braun Barends, fordert die Wiederherstellung zweier von ihr in der Mannheimer Kunsthalle hergestellten Installationen. Im Zuge einer Sanierung wurde das Werk kurzerhand abgebaut.
Mit diesem Schicksal ist die Künstlerin aber nicht allein. Ein Überblick über die kuriosesten Fälle.

"Ich habe den Penis kaputt gemacht"

Zerstörte Penis-Skulptur "I am not a toy" der Künstlerin Anna Maria Bieniek im Kunstpalais Erlangen
Zerstörte Penis-Skulptur "I am not a toy" der Künstlerin Anna Maria Bieniek im Kunstpalais Erlangen
Quelle: dpa

Nur eine kurze Lebensdauer hatte ein besonderes Ausstellungsstück im Kunstpalais Erlangen. Die Penis-Skulptur "I am not a Toy" der Künstlerin Anna Maria Bieniek stand nur eine Stunde, dann stolperte ein Mann während einer Ausstellungseröffnung Ende Oktober in Erlangen über das Kunstwerk und zerstörte es. Der obere Teil von einem der drei bunten, beweglichen Penisse aus Keramik zerbrach in mehrere Teile.

Überliefert ist übrigens auch der erste Kommentar des erschrockenen Unfallverursachers: "Ich habe den Penis kaputt gemacht." Doch die Künstlerin sieht auch die positive Seite: Wegen des Unfalls erhalte sie deutlich mehr Aufmerksamkeit, als es sonst passiert wäre. Den Penis hat sie übrigens ein wenig repariert, ein Loch darin aber gelassen.

Zum Ersten, zum Zweiten, geschreddert

"Going, going, gone ...", schrieb Banksy auf Instagram über die Schredder-Aktion seines gerade für 1,2 Millionen Euro versteigerten "Girl With Balloon".

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3 min
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Selbst Hand angelegt hatte Anfang Oktober der britische Graffiti-Künstler Banksy. Wenig bis gar nichts ist über das Phantom der internationalen Streetart-Szene bekannt, eines ist jedoch sicher: Spätestens seit er eines seiner Werke bei einer Sotheby's Auktion in London bewusst selbst zerstörte (oder es zerstören ließ), ist Banksy ein Superstar auf dem Kunstmarkt.

Kaum war der Hammer des Auktionators gefallen, erklang ein Piepsgeräusch und das gerade für 1,04 Millionen Pfund (rund 1,18 Millionen Euro) versteigerte Werk "Girl with Balloon" setzte sich in Bewegung. Durch den überdimensionierten Bilderrahmen hindurch kam das Kunstwerk in kleinen Streifen unten wieder heraus. Es hatte sich selbst geschreddert. Banksys Art, sich über die Mechanismen des Kunstmarktes lustig zu machen.

Der Dreck muss weg

"Behausung 6/2016" von Romana Menze-Kuhn
Die "Behausung 6/2016" von Romana Menze-Kuhn nachdem eine Putzfrau Teile der Rettungsfolie in die Tonne geworfen hatte.
Quelle: dpa

Zu einem folgenschweren Missverständnis kam es 2016 in der Mannheimer Philippuskirche. Dort hielt eine Reinigungskraft das Werk "Behausung 6/16" der Künstlerin Romana Menze-Kuhn schlichtweg für Müll. Teile der Installation landeten folgerichtig in der Tonne. Als sie die zu bizarren Formen gefalteten, goldfarbenen Rettungsfolien auf dem Fußboden des Gotteshauses sah, dachte sich die gewissenhafte Reinigungskraft nur eines: "Das muss weg."

Dass die Installation als Sinnbild für Menschen in Not auf der Suche nach einer Unterkunft gestanden hat, war für sie wohl nicht unbedingt auf den ersten Blick ersichtlich. Weil sich das Kunstwerk nicht mehr reparieren ließ, baute die Künstlerin die Mülltonne, in die ihre Kunst geworfen worden war, kurzerhand einfach mit in das Werk ein.

Oh Schreck, ein Fleck

Spuren der zerstörten Fettecke von Joseph Beuys
Spuren der zerstörten Fettecke von Joseph Beuys
Quelle: dpa

Reinigungskräfte, die Kunstwerke einfach wegwischen und entsorgen, das kommt immer wieder vor. Der berühmteste Fall ist wohl die Vernichtung von Joseph Beuys' "Fettecke" im Jahr 1986. Eine etwas übereifrige Reinigungskraft der Düsseldorfer Kunstakademie beseitigte die Installation, die Joseph Beuys für seinen Meisterschüler Johannes Stüttgen aus fünf Kilogramm Butter gefertigt hatte. Die Ereignisse um die "Fettecke" machten dieses Werk zu einer der bekanntesten Arbeiten des aus Krefeld stammenden Künstlers.

Abgespült

Lothar Schirmer mit einem Kunstwerk von Joseph Beuys
Lothar Schirmer mit einem Kunstwerk von Joseph Beuys - zwei SPD-Politikerinnen funktionierten es kurzerhand in eine Waschwanne zum Gläserspülen um.
Quelle: picture alliance/sz

Leidvolle Erfahrung mit dem Phänomen "Reinigungswahn vs. Kunst" machte Joseph Beuys bereits 1973. Zwei SPD-Politikerinnen zweckentfremdeten sein Kunstwerk "Badewanne" als Spülbecken. Bei einer Feier ihres Ortsvereins im Schloss Morsbroich im Leverkusener Stadtteil Alkenrath entdeckten sie die Installation, eine mit Fett, Mullbinden und Pflastern gefüllte Badewanne, die sich im Rahmen einer Wanderausstellung ebenfalls dort befunden hatte. Kurzerhand machten sie die vermeintlich dreckige Badewanne sauber, um in ihr Gläser darin zu spülen.

"Ich möchte lösen"

Rentnerin füllte Kreuzworträstel auf Collage von Arthur Koepke aus
Keine Hemmungen hatte eine Rentnerin und füllte das Kreuzworträstel auf einer Collage von Arthur Koepke einfach mal aus.
Quelle: dpa

Mit ihrer Kuli-Kritzelei in einem Kreuzworträtsel-Kunstwerk hat eine Rentnerin 2016 im Neuen Museum Nürnberg für Aufregung gesorgt. Zum Entsetzen des Aufsichtspersonals nahm die mit einem Kugelschreiber bewaffnete Besucherin den Hinweis des Künstlers Arthur Köpcke "Insert words!" etwas zu wörtlich. In noch offene Kästchen der Collage fügte sie die fehlenden Buchstaben ein. Doch anstelle eines Gewinns wartete zunächst eine Anzeige auf sie. Das Verfahren stellte die Staatsanwaltschaft schließlich aber ein. Das Kunstwerk konnte mit Lösungsmitteln gereinigt werden.

"Das kann ich doch besser"

Fresco wurde Rentnerin "ausgebessert"
Nicht ganz im Sinne des Erschaffers: In Spanien griff eine Kirchenbesucherin selbst zum Pinsel und "besserte" ein Jesus-Fresco "aus".
Quelle: ap

Fatal endete 2012 der Versuch einer Amateur-Restauratorin, ein altes Jesus-Fresko in einer spanischen Kirche aufzufrischen. In Eigenarbeit wollte die Rentnerin die beschädigte Wandmalerei restaurieren und übermalte sie - allerdings ohne Erlaubnis und ohne die nötige Fachkenntnis. Nach der misslungenen Restauration war die Malerei nicht wiederzuerkennen. In der spanischen Kleinstadt Borja wird man sich trotzdem nicht nur geärgert haben, denn mit ihrer (Verschönerungs-)Aktion erregte die Hobby-Malerin weltweit Aufmerksamkeit und lockte am Ende zahlreiche Touristen an.

Sturz in den Picasso

Für rund 140 Millionen Dollar wollte der US-Kunstsammler Steve Wynn sein Picasso-Gemälde "Le Rêve" 2006 verkaufen. Doch soweit kam es nicht. Kurz bevor der bis dahin teuerste Deal in Kunstkreisen zustande kam, rammte der Besitzer bei einer Art Abschiedsfeier für das Bild aus Versehen seinen Ellenbogen in die Leinwand. Das Resultat der peinlichen Zerstörungspanne: ein klaffendes Loch in der Leinwand und ein potenzieller Käufer, der abgesprungen ist.

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