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Einfühlsam oder unheimlich? - Biden für Kuss auf Hinterkopf am Pranger

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Noch vor Bekanntgabe einer möglichen Präsidentschaftskandidatur holt Joe Biden die Vergangenheit ein. Er soll Demokratin Lucy Flores 2014 auf den Hinterkopf geküsst haben.

Joe Biden
Quelle: AP

Er liegt in den Umfragen derzeit klar voran, seine Kandidatur wird von den US-Medien mit Spannung erwartet, und doch könnte es für Joe Biden jetzt schon eng werden, bevor er in das Präsidentschaftsrennen 2020 einsteigt. Der ehemalige Vize-Präsident von Barack Obama sieht sich seit dem Wochenende mit Vorwürfen konfrontiert, wiederholt Frauen unangebracht berührt, gestreichelt und geküsst zu haben.

Die Vorfälle sind, an und für sich genommen, nichts Neues. Memes von Joe Biden, wie er die Stirn eines jungen Mädchens küsst, oder seine Hände bestimmt auf die Schultern von Stephanie Carter, der Frau des damaligen Verteidigungsministers Ashton B. Carter, legt, um an ihren Haaren zu schnuppern, kursieren schon seit Jahren. Bisher wurden sie von der breiten Öffentlichkeit mit einem Augenzwinkern abgetan; "Creepy" Uncle Joe könne eben nicht anders.

Unangebrachte Geste eines fremden Mannes

Doch nun hat die Demokratin Lucy Flores ihre persönliche Begegnung mit Joe Biden im Jahr 2014 zum Anlass genommen, um seine mögliche Kandidatur in Frage zu stellen. In einem Artikel für das New York Magazine berichtet sie, wie Biden Backstage bei einem Wahlkampfauftritt in Nevada an ihren Haaren gerochen und ihr einen Kuss auf den Hinterkopf gedrückt habe. Eine intime Geste eines fremden aber mächtigen Mannes, die völlig unangebracht gewesen sei.

"Wenn ich mit Biden in einem Büro zusammengearbeitet hätte, hätte ich mich damals an die Personalabteilung gewandt. Aber im Wahlkampf ist nicht klar, was zu tun ist, wenn ein mächtiger Mann eine Grenze überschreitet", schreibt Flores. Auch aus diesem Grund hätte sie den Vorfall nur mit ihren Mitarbeitern besprochen, aber ansonsten für sich behalten.

Biden schickt Mitteilung

Da Joe Biden sich aber auf eine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2020 vorbereitet, sehe sie es als notwendig, sein Verhalten zu thematisieren.  In einem Interview mit CNN stellte Flores klar, dass sie Biden keine sexuelle Belästigung vorwirft, aber ihre Privatsphäre missachtet wurde: "Niemand erwartet vom US-Vizepräsidenten berührt, geküsst oder gestreichelt zu werden. Das ist nicht angemessen."

Biden hat sich zu den Anschuldigungen bisher nicht öffentlich geäußert, ließ jedoch in einer Aussendung per Twitter mitteilen, dass er nicht das Gefühl habe, sich jemals unangebracht verhalten zu haben: "Falls das (Anm. d. Red.: unangebrachtes Verhalten) suggeriert wird, werde ich mit Respekt zuhören. Aber das war nicht meine Intention."

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Vorsichtige Reaktionen

Verteidigt wird Biden auch von Stephanie Carter, die in einem Blog Post betont, dass sie sich niemals von Bidens Berührungen bevormundet gefühlt habe – im Gegenteil, seine Hände auf ihren Schultern bei der Vereidigung ihres Ehemannes als Verteidigungsminister seien ein Zeichen der Unterstützung gewesen.

Dass die Debatte für die Demokraten intern eine Gratwanderung ist, zeigen die Reaktionen von Bidens künftigen Mitstreitern. Es gäbe keinen Grund Flores nicht zu glauben, doch ob das sein Antreten infrage stelle, müsse Biden selbst beantworten, meinte etwa Elizabeth Warren vorsichtig.

Umdenken in Zeiten von #metoo

Der mediale Druck auf Biden nimmt jedenfalls zu. Vor allem junge, weibliche Wählerschichten, so wird von Bidens Team befürchtet, werden sich mit einem lapidaren Statement ohne Schuldeingeständnis nicht zufrieden geben, sondern verlangen ein langfristiges Umdenken von Politikern in Macht- und Führungspositionen.

Bisher hatte Joe Biden seine medial-transportierte Umgänglichkeit und Einfühlsamkeit immer zum Vorteil gereicht, doch in Zeiten von #metoo wird sich auch der ehemalige US-Vize an kritische Fragen gewöhnen müssen, ob sein Verhalten dem eines Präsidenten im 21. Jahrhundert entspricht.

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