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Neue Studie - Ladenhüter E-Auto

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Kostet viel, kommt nicht weit, schlecht zu laden – so die gängige Kritik an E-Autos in Deutschland. Argumente, die eine aktuelle Studie auf den Prüfstand stellt.

Ladestationen für E-Autos
Ladestationen für E-Autos Quelle: imago

Wie viele E-Fahrzeuge derzeit in Deutschland angemeldet sind? Das Kraftfahrt-Bundesamt wird Anfang März die neuen Zulassungszahlen herausgeben. Nach dem letzten Stand Januar 2017 waren es gerade mal 34.022 elektrisch betriebene Autos. Experten rechnen jetzt mit etwa der doppelten Menge. Kanzlerin Merkels Aussage, bis 2020 eine Million E-Autos auf Deutschlands Straßen zu haben, scheint da eher wie ein Wunsch, realistisch ist das wohl kaum.

Vor allem drei Gründe werden immer wieder angeführt, warum der Stromer spärlich verkauft wird. Der hohe Verkaufspreis, die geringe Reichweite, das schlechte öffentliche Lade-Netz. Dabei gehören viele dieser Argumente in den Bereich der Mythen, wie die heute veröffentlichte Gemeinschaftsstudie des "Borderstep Instituts", des "Institutes für Zukunftsstudien und Technologiebewertung" und "adelphi" zeigt.

Bezahlbar und ausreichend

Dass E-Fahrzeuge erschwinglich sein können, zeigen Hersteller wie Tesla, eGo Life oder der gewerblich einsetzbare Poststreetscooter. Vor allem ausländische Anbieter, die bei uns teilweise noch völlig unbekannt sind, bieten E-Fahrzeuge in der Kleinwagenklasse an, die bezahlbar sind.

Noch zu teuer sind dagegen E-Fahrzeuge, die quasi umgebaute Verbrenner sind, zum Beispiel der aktuelle E-Golf. Immerhin wollen der VW-Konzern, Daimler und BMW in den kommenden Jahren etliche reine E-Modelle auf den Markt bringen. Volkswagen plant 2025 sogar einen jährlichen Absatz von mindestens zwei Millionen E-Fahrzeugen.

Neben dem Kaufpreis wird auch die geringe Reichweite des Stromers kritisiert. Dabei fährt die überwiegende Mehrheit der Deutschen ihren PKW durchschnittlich nur rund 40 bis 50 Kilometer am Tag. Beim Zweitwagen sind es sogar noch weniger Tagekilometer. Auf der anderen Seite schreitet die Entwicklung und Forschung bei Batterien mit Riesenschritten voran.

Batterien im Fokus

So wird sich in absehbarer Zeit die Reichweite deutlich erhöhen, gleichzeitig soll sich die Ladedauer enorm verkürzen. "In der Batterieforschung wird noch einiges passieren", erklärt Jens Clausen vom Borderstep-Institut. Clausen spielt auf die weltweit zum Teil sehr unterschiedliche Forschung im Bereich der Batterien an. Zu schwer, zu teuer, zu energie- und ressourcenaufwendig ist bisher die Batterieproduktion. Doch man ist dran, versucht die Herstellung von Li-Ionen Batterien in der Öko- und Wirtschaftsbilanz zu verbessern, so das Ergebnis der Studienmacher.

Jens Clausen
Jens Clausen Quelle: Jens Clausen

Auch ganz neue Wege werden beschritten: Da gibt es zum Beispiel ein Konzept einer Natrium-Glas-Batterie mit deutlich gesteigerter Kapazität. Ein anderer Hersteller verspricht, 32 kWh Batterien in sechs Minuten voll zu laden. Damit wären zumindest teilweise die Probleme des bisher unzureichenden, öffentlichen Ladenetzes gelöst.

Autobauer bleiben skeptisch

Technisch ist also noch vieles möglich, doch die Vorbehalte und Ängste gegenüber E-Fahrzeugen sitzen hartnäckig in den Köpfen vieler Autofahrer, Autoverkäufer, sogar bei vielen Autobauern. Laut einer Studie der Unternehmensberatung KPMG ist die Skepsis bei Firmenchefs und Aufsichtsratsvorsitzenden in der Automobilbranche sehr ausgeprägt. Danach sagen 72 Prozent der weltweit befragten 229 Autobosse das Aus für Batteriefahrzeuge voraus.

Da wundert es kaum, warum viele Autobauer die Batterieproduktion mit spitzen Fingern anfassen. Dabei ist die Batterie das Kernbauteil der Stromer und das kommt aus deutscher Sicht größtenteils aus dem Ausland. Bei den beabsichtigten Produktionszielen von E-Autos in Deutschland in den kommenden Jahren müssten, sofern es keine nennenswerte Batterieproduktion hierzulande gibt, zwischen 85 bis 93 Prozent der Batterien importiert werden.

Experten geben zu bedenken: Sollte das Autoland Deutschland nicht großflächig und zeitnah in Entwicklung, Forschung und Produktion von Batterien investieren, wird über kurz oder lang die Vorherrschaft der deutschen Autobauer schwinden. Das Resultat: Arbeitsplatzverluste. Rund 750.000 Menschen arbeiten in Deutschland in der Automobilbranche.

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