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Länder streiten über Ferientermine

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Schluss mit Extrawürsten - Länder streiten über Ferientermine

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Bayern und Baden-Württemberg starten traditionell zuletzt in die Sommerferien. Andere Bundesländer wie Hamburg und Berlin fordern nun ein Ende der Sonderbehandlung.

Während die schönste Zeit des Jahres im Süden der Republik gerade erst begonnen hat, herrscht im Norden fast schon so etwas wie herbstlicher Blues. "Na, ja wir haben irgendwie den Sommer verpasst. Jetzt im August, wo er richtig losgeht, müssen wir schon wieder in die Schule." Sander Boek ist Schüler aus Berlin und richtig angefressen. Er habe viele Freunde in Bayern und Baden-Württemberg, doch die habe er in diesem Jahr nicht treffen können, weil seine Ferien schon zu Ende gingen, als die seiner Freunde gerade angefangen hatten.

Die Zeit vor den Ferien sei richtig stressig gewesen, ergänzt Alisha Reich, ebenfalls Schülerin aus Berlin. Schon bis Mitte Juni hatte sie wegen des frühen Ferienbeginns sämtliche Prüfungen absolvieren müssen. "Da hätte ich schon gerne etwas mehr Zeit zum Lernen gehabt."

Bayern besteht auf alte Regel

Am 20. Juni hatten die Ferien in Berlin und Brandenburg begonnen, fast sechs Wochen früher als in Bayern und Baden-Württemberg, wo der Start in die Sommerferien auf den 29. Juli fiel. Die beiden Südländer sind die einzigen mit fixen Terminen, die sich bis in den September hineinziehen. Eine Extrawurst, die auf die 60er Jahre zurückgeht. Das Argument damals: in den agrarisch geprägten ländlichen Gebieten müssten Kinder im Spätsommer bei der Ernte helfen.

Sommerferien der Bundesländer 2019
Sommerferien der Bundesländer 2019
Quelle: ZDFheute/schulferien.org
Der wichtigste Grund ist aber, dass das auch die Eltern und Schüler so möchten, und deswegen wollen wir auch nichts daran ändern.
Michael Piazolo, Kultusminister Bayern

Heute verweist Bayern auf die traditionellen zweiwöchigen Pfingstferien. Die dürften nicht zu nahe an die Sommerferien rücken, um dazwischen genug Zeit für die Prüfungen zu haben, sagt der bayerische Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern Bayern. "Der wichtigste Grund ist aber, dass das auch die Eltern und Schüler so möchten, und deswegen wollen wir auch nichts daran ändern."

Ende der Extrawürste

Mit dem bayerischen "Mia san mia" dürfte bei der nächsten Kultusministerkonferenz Streit programmiert sein. In mehreren Bundesländern regt sich Widerstand gegen die bisherige Ferienregelung. Berlins Bildungssenatorin, Sandra Scheeres (SPD), etwa will sich dafür einsetzen, dass die Sommerferien in der Hauptstadt frühestens im Juli beginnen.

Archiv: Traktor auf einer Wiese in Bayern vor Alpenpanorama, aufgenommen am 24.09.2010
Bayern hat aufgrund der Erntezeit traditionsgemäß späte Ferien.
Quelle: imago

Auch Hamburgs Schulsenator Ties Rabe, ebenfalls SPD, fordert ein Ende der Extrawürste für einzelne Länder und mehr Solidarität und Kompromissfähigkeit ein: "Ich finde, da sollten alle Bundesländer sagen, wir sind gleich und wir wollen auch gerecht mit diesen Aufgaben umgehen. Und das heißt, dass auch Bayern und Baden-Württemberg dazu beitragen und nicht darauf beharren, immer die Letzten zu sein." Vor allem, weil auch Hamburg – allerdings nur einwöchige - Pfingstferien hat.

Tourismuswirtschaft profitiert

Den Beginn der Ferien auf mehrere Wochen zu verteilen, ist durchaus sinnvoll, etwa angesichts überlasteter Autobahnen und Flughäfen. Auch die heimische Tourismuswirtschaft profitiert von der längeren Urlaubssaison. In Berlin aber haben sie auch gute Argumente für stärker überlappende Ferientermine. Nicht nur Schüler Sander Boek, der gerne seine Freunde aus anderen Bundesländern in den Ferien treffen möchte.

Auf einem Spielplatz berichten Eltern von den Schwierigkeiten, die die weit auseinander liegenden Ferientermine bereiten: "In einem Land mit so vielen verschiedenen Regeln ist es zum Beispiel für Patchwork-Familien, die in verschiedenen Bundesländern leben, extrem schwer, das zu handeln. Wir leben in einer globalen Welt, da ist das einfach nicht mehr zeitgemäß."

Apropos Zeit, für die nächsten fünf Jahre stehen die Ferientermine bereits. Im Herbst verhandeln die Kultusminister die Termine von 2025 bis 2030. Zeit zum Streiten gibt es also genug.

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