Wie der Lärm unter Wasser die Wale bedroht

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Klimakrise in der Arktis - Wie der Lärm unter Wasser die Wale bedroht

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Die Klimakrise in der Arktis ermöglicht den Zugang zu Rohstoffen und eröffnet neue Schiffsrouten. Doch das damit verbundene Lärmaufkommen unter Wasser bedroht die Meeressäuger.

Expeditionsschiff MS Questin der Arktis
Expeditionsschiff in der Arktis
Quelle: imago

Während das Eis im Nordpolarmeer dramatisch schnell schmilzt, steigt gleichzeitig die wirtschaftliche Bedeutung der Arktis. Denn der Zugang zu wertvollen Rohstoffen, die bislang unter dem Eis schlummerten, wird frei. Laut einer Studie der US-Fachbehörde Geological Survey lagern allein im arktischen Eismeer rund 90 Milliarden Barrel Öl - das entspricht 13 Prozent der unentdeckten globalen Ölreserven. Hinzu kommen noch mehrere Billionen Kubikmeter Gas sowie tausende Tonnen Bodenschätze.

Arktis unter Druck

Leider ist die Suche nach Ressourcen und deren letztendliche Ausbeutung mit erheblichem Lärm verbunden.
Fabian Ritter, "Whale and Dolphin Conservation" (WDC)

Längst ist ein Konflikt zwischen Artenschutz und Wirtschaftsinteressen entstanden. Dabei sehen Experten der "Whale and Dolphin Conservation" (WDC) den Artenschutz als Verlierer des Konflikts: "Das sich durch den Klimawandel zurückziehende Eis ermöglicht mittlerweile die verstärkte Ausbeutung von Öl- und Gaslagerstätten und der Meeresbewohner. Darauf haben es einige Nationen abgesehen. Leider ist die Suche nach Ressourcen und deren letztendliche Ausbeutung mit erheblichem Lärm verbunden", so Fabian Ritter von WDC.

Mit den Auswirkungen der wirtschaftlichen Nutzung und dem damit einhergehenden Unterwasserlärm wird sich in den kommenden Tagen auch der Arktische Rat beschäftigen. Er tagt Anfang Mai in Finnland. Die Vertreter der Arktisanrainerstatten sowie internationale Wissenschaftler aus Forschung und Technik werden sich mit den Themen "Zugang zu Rohstoffen" sowie "Schnellere Transportwege" beschäftigen.

Gefährdete Arten wie Narwal und Beluga leben genau dort, wo künftig Schiffsrouten verlaufen könnten. Zu ihrem Wohl braucht es dringend besseren Schutz gegen Lärm.
Heike Vesper, WWF Deutschland

Doch von beiden Themen geht eine Bedrohung für die Wale aus: Es ist der Unterwasserlärm. "Die Arktis war für viele Tiere über Jahrhunderte idealer Lebensraum. Gefährdete Arten wie Narwal und Beluga leben genau dort, wo künftig Schiffsrouten verlaufen könnten. Zu ihrem Wohl braucht es dringend besseren Schutz gegen Lärm", fordert Heike Vesper, Leiterin Meeresschutz beim WWF Deutschland. Die Umweltschutzorganisation richtet sich daher mit einer Petition an den Arktischen Rat.

Kilometerweiter Krach

Die sensiblen Ohren der Finnwale, Blauwale, Buckelwale, Grönlandwale, Narwale und Beluga werden immer stärker beschallt. Eine Quelle sind die Motoren der Erkundungsschiffe. Schlimmer noch wird es mit den sogenannte Airguns, die am Schiffsrumpf angebracht sind. Mit Hochdruckschall wird nach Rohstofflagern gesucht, der Meeresboden nach Öl- und Gaslagerstätten abtastet. Der entstehende Schall ist 100.000 Mal so laut wie ein Düsenflugzeug.

Eine Studie des Umweltbundesamtes belegt: Die Unterwasser-Schallwellen können noch in 2.000 Kilometern Entfernung von einem Wal wahrgenommen werden. "Für Wale, die auf ihr extrem empfindliches und gutes Gehör für die Nahrungssuche, Orientierung und ihr Sozialleben angewiesen sind, wird das Leben immer schwerer", stellt Fabian Ritter von WDC fest. Werden etwa die Frequenzen eines Walgesangs von künstlich erzeugten Schallwellen überlagert, kann eine Wal-Kuh nicht mehr mit ihrem Nachwuchs kommunizieren. "Auch die Futtersuche wird schwerer, je lauter es unter Wasser ist. Denn der Lärm beeinträchtigt die Echolotung der Wale auf der Suche nach Fischen", so die Meeresschutz-Expertin des WWF.

Und noch ein Lärmfaktor schlägt den Walen auf die Ohren: Die Kreuzfahrtschiffe. Sie führen immer mehr Touristen in entlegene Gebiete. Auch die Reedereien profitieren von der eisfreien Nordwestpassage sowie Nordostpassage. Denn dadurch verkürzen sich die Transportzeiten zwischen den Handelszentren der Welt.

Strategien erforderlich

Verhindern lassen wird sich der absehbare Arktis-Boom wohl nicht. Doch es braucht Richtlinien, um den Unterwasserlärm in der Nordpolarregion einzudämmen. "Angesichts der grenzüberschreitenden Auswirkungen und der Vielzahl an menschengemachten Schallquellen sollte ein völkerrechtlich verbindliches Rechtsregime geschaffen werden, um das Risiko durch die Lärmquellen in den Ozeanen weltweit managen zu können", so die Position des Umweltbundesamtes.

Die Argumente und Fakten liegen also auf dem Tisch. Ob der Arktische Rat bei der Konferenz in den kommenden Tagen den Schutz der Wale und die nachhaltige Nutzung des Lebensraumes gebührend berücksichtig, bleibt abzuwarten.

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