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Auch Windräder sind oft zu laut - Lärm ist mehr als ein Ärgernis

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Lärm macht krank - nicht nur der des Verkehrs. Auch Windräder und Freizeitlärm machen uns zu schaffen. Die WHO hat nun wichtige Grenzwerte vorgegeben. Aber was ist eigentlich laut?

Windräder in der schwäbischen Alb
Die WHO empfiehlt erstmals Richtwerte für Windenergieanlagen und Freizeitlärm. Quelle: dpa

"Die Lärmbelästigung in unseren Städten steigt und ruiniert das Leben vieler europäischer Bürger. Lärm ist mehr als ein Ärgernis, sondern ein Gesundheitsrisiko", sagt Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa. Kurz gesagt: Lärm macht krank. Den Richtlinien zufolge ist er eine der größten Umweltgefahren für die physische und psychische Gesundheit in der Europäischen Union.

Windräder sind häufig zu laut

Auch Windenergieanlagen machen Lärm. Und der sollte nach einer neuen Richtlinie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchschnittlich 45 Dezibel tagsüber nicht überschreiten. Zur Festlegung nächtlicher Grenzwerte gibt es laut WHO keine aussagefähigen Studien.

In Deutschland gelten laut Umweltbundesamt Immissionswerte von 55 Dezibel tagsüber und 40 Dezibel nachts. Dies gilt für genehmigungspflichtige Anlagen sowie Windparks. Aber was bedeuten solche Werte in den Alltag übertragen? Ein Überblick:

Was macht wieviel Lärm?

  • Flüstern - 30 dBa
  • Leise Radiomusik - 50 dBa
  • Föhn - 70 dBa
  • Kreissäge - 100 dBa
  • Disko- und Livemusik - 90 - 100 dBa
  • tragbare Abspielgeräte mit Ohrhörern - bis zu 110 dBa
  • Spielzeugpistolen - 160 dBa


dBA - der Schalldruck wird in Dezibel (dB) gemessen. Die Belastung eines Schallpegels für das Ohr wird in dBa gemessen.

Verkehrslärm nervt

Feierabendverkehr in Berlin
Feierabendverkehr in Berlin Quelle: dpa

Auch für den Verkehr hat die WHO neue Richtwerte herausgegeben. Für den Straßenverkehr gilt eine durchschnittliche Lärmbelastung von höchstens 53 Dezibel tagsüber sowie 45 Dezibel nachts. Für den Schienenverkehr betragen die Richtwerte 54 Dezibel tagsüber und 44 Dezibel nachts, für den Flugverkehr 45 Dezibel tags und 40 Dezibel nachts. Die unterschiedlichen Werte kommen dadurch zustande, dass eine Autobahn eine ständige Geräuschkulisse liefert, vorbeifahrende Züge oder Flugzeuge aber kurzfristig Lärm verursachen.

Auch Freizeitlärm macht krank

Auch den Freizeitlärm hat die WHO unter die Lupe genommen. Hier geht es um Kneipenbesuche, Nachtclubs, Live-Sportveranstaltungen, Fitnesskurse, Konzerte und das Abhören lauter Musik über persönliche Abspielgeräte - insbesondere mit Kopfhörern. Überall werden wir heute beschallt. Und auch das kann gesundheitliche Folgen haben. Die WHO empfiehlt, die durchschnittliche jährliche Lärmbelastung auf 70 Dezibel zu begrenzen.

In Deutschland entspricht dieser Wert bereits den internationalen Empfehlungen. Es handet sich dabei um einen Durchschnittswert, in dem unterschiedliche Aktivitäten der Menschen ermittelt werden, zum Beispiel das Haareföhnen oder das Arbeiten mit Handwerksgeräten in der Freizeit. Erreicht werden Verbesserungen dieser Durchschnittswerte durch konsequente Verminderung des Lärmpegels und der Senkung von Schallpegelspitzenwerten.

Tanzende Menschen in deiner Discothek
Tanzende Menschen in deiner Discothek Quelle: dpa

Das Risiko eines Gehörschadens kann deutlich gesenkt werden, indem man den Dauerschallpegel bei Musikveranstaltungen senkt, ohne den Hörgenuss gravierend zu beeinträchtigen. So wurde 2007 eine DIN-Norm erarbeitet, die unter anderem zwei Schallpegel vorgibt: einen Mittelwert von 99 dBa über 30 Minuten und einen Schallpegelspitzenwert von 135 dBc am lautesten Ort.

Empfehlungen stärken die Position des Lärmschutz

Bei den Leitlinien der WHO handelt es sich um deutliche Empfehlungen an die Entscheidungsträger der europäischen Länder, Lösungsvorschläge und Maßnahmen zur Lärmminderung sind enthalten. Mit diesen Lärmschutzrichtlinien macht die WHO Druck auf die Politik und stärkt auch dem Umweltbundesamt den Rücken.

"Da besteht deutlicher Handlungsbedarf", sagt Thomas Myck, Fachgebietsleiter des Umweltbundesamts für Lärmminderung bei Anlagen und Produkten sowie Lärmwirkungen. Die entsprechenden Richtwerte lägen in Deutschland derzeit noch deutlich höher. Zwar schlägt auch das Umweltbundesamt immer wieder Verbesserungen vor. Maßnahmen sind zum Beispiel Flüsterasphalt, die Förderung von Lärmschutzfenstern und leisere Güterwagen, die eingesetzt werden. Demgegenüber stehen aber auch immer wirtschaftliche Interessen. Die WHO-Studie stärkt die Position des Umweltbundesamts. Sie ist ein wichtiger, fundierter Meilenstein, um die gesetzlichen Vorgaben in Deutschland und Europa entsprechend fortzuentwickeln.

mit Material von dpa

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