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Lage der Menschenrechte - "Um Grundfragen des Zusammenlebens kümmern"

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"Unantastbar - Der Kampf für Menschenrechte" - in ihrer Doku nehmen Angela Andersen und Claus Kleber eine Bestandsaufnahme vor. Vor allem Machtwillen sei eine Gefahr, sagt Kleber.

Flüchtlinge im Lager in Moria, Griechenland
Flüchtlinge im Lager in Moria, auf der griechischen Insel Lesbos. Auch hier waren die Autoren, um sich ein Bild von der Lage der Menschenrechte zu machen.
Quelle: imago

ZDF: Warum ist aus Ihrer Sicht gerade jetzt die Zeit reif für eine Dokumentation über den Kampf für Menschenrechte?

Claus Kleber: Die Menschenrechtserklärung von 1948, dieses grandiose Dokument, wird im Dezember 70 Jahre alt. Es geht aber nicht zuerst um ein Jubiläum - da würde man auch eher auf 75 Jahre warten. ARTE und ZDF haben gesagt: Das Thema ist gerade jetzt enorm wichtig - wir machen es jetzt! Angela Andersen und ich waren sofort Feuer und Flamme. Es ist aber nicht einfach: Es geht um ein Thema, mit dem jeder Einzelne seine eigenen Erwartungen verbindet.

ZDF: Wie stellen Sie das an?

Kleber: China ist ein Schwerpunkt. Ein besonders interessantes Land, da Chinas Staatspartei behauptet, sie habe ein besseres Menschenrechts-Konzept als der Westen. Was wir mit unseren individuellen Rechten machen würden, heißt es dort, führe nur ins Chaos. China setze auf Ordnung und Sicherheit und die Bekämpfung der Armut.

Und ist damit tatsächlich sehr erfolgreich. Bei uns äußert sich dazu ein knallharter Anhänger von "China First": Professor Zhang Weiwei von der Fudan Universität in Shanghai. Unter den jungen Politik-Studenten dort ist er eine Art Rockstar. Sie bewundern ihn, weil er Respekt für China einfordert.

Dr. Claus Kleber
Claus Kleber ist seit Anfang 2003 Moderator des ZDF-"heute-journals" und realisiert immer wieder Dokumentationen für das ZDF.
Quelle: ZDF und Klaus Weddig

ZDF: In welchem Zustand sind denn die Menschenrechte derzeit?

Kleber: Bei der Arbeit an dieser Dokumentation haben wir gespürt, dass sich in dieser Hinsicht im Moment etwas ändert. In den vergangenen 70 Jahren waren die Menschenrechte immer auf dem Vormarsch - auch wenn es fürchterliche Rückschläge gab, ungerechtfertigte Kriege, Hunger, Durst, verheerende Krankheiten und Folter.

Trotzdem ging es voran. Als 1989/90 der Ostblock zusammenbrach, sahen viele die Chance, dass ein gemeinsamer Weg gefunden wird. Derzeit wird man das Gefühl nicht los, dass wir zum ersten Mal seit 70 Jahren zurückrutschen.

Der internationale Strafgerichtshof wacht über die Einhaltung der Menschenrechte und ahndet deren Bruch. Das Video erklärt, wer dem gericht angehört und wie es genau arbeitet

Beitragslänge:
1 min
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ZDF: Warum werden denn jeden Tag Menschenrechte mit Füßen getreten?

Kleber: Das hat Methode, wie es Madeleine Albright in unserem Film sagt. Es ist immer dasselbe Muster: Irgendjemand will auf der Woge der öffentlichen Unzufriedenheit an die Macht. Das Erste, was er dazu braucht, sind Sündenböcke, die daran schuld sein sollen, dass wir nicht in einer perfekten Welt leben.

Gegen die wird eine Mehrheit organisiert. Mit Hetze und Abgrenzung. Ist das erreicht, geht es meist darum, die Justiz und die freie Presse auszuhöhlen. Ob Kaczynski in Polen, Orban in Ungarn, Erdogan in der Türkei oder Trump in den USA - in verschiedenen Abstufungen lässt sich das Muster dort beobachten. Und wenn es voll greift, dann können auch scheinbar demokratische Wahlen stattfinden - in so einem System wird die autoritäre Führungsfigur immer gewinnen.

Die ganze Doku sehen Sie in der ZDF-Mediathek unter "Unantastbar - Der Kampf um Menschenrechte".

ZDF: Was können solche Filme bewirken?

Kleber: Wir glauben an die Demokratie und daran, dass vernünftige Entscheidungen zunächst einmal Information und Bewusstsein verlangen - Bewusstsein im Sinne von: Ich beschäftige mich mit dem Thema und schaue genau hin. Als öffentlich-rechtlicher Sender ist gerade das unsere Aufgabe: sich mit diesen schwierigen Themen zu beschäftigen und Bewusstsein für die Gefahren zu schaffen.

Es geht darum zu zeigen, dass wir uns wieder um Grundfragen des Zusammenlebens kümmern müssen. Und vielleicht fördert die Dokumentation bei manchen die Erkenntnis: Es gibt neben dem alltäglichen Ärger noch etwas, für das es sich zu engagieren lohnt.

Das Interview führte Thomas Hagedorn.

Sehen Sie hier die Doku in voller Länge

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